[personal profile] tpmica posting in [community profile] 120_minuten
Team: Drache
Challenge: Romantik/Intimität – Loyalität (für mich)
Fandom: Original: Reunion
Anmerkung: folgt

Die Nachtluft war klar und kühl, als Falc die schmale Außentreppe hinaufstieg. Jeder Schritt hallte dumpf über die steinernen Stufen, bis er die Plattform erreichte, die sich wie ein verborgenes Dach über den Berg spannte. Von hier aus breitete sich die Welt in einem atemberaubenden Panorama aus: Schwebende Inseln lagen wie verstreute Juwelen im Nebelmeer, die Sterne funkelten über ihnen, und im fernen Dunkel leuchteten die flackernden Lichter von Siedlungen wie Glühwürmchen.
Elaine folgte ihm, etwas unsicher, doch von der Schönheit gefangen. Der Wind strich sanft über ihr Haar, und der Himmel schien unendlich weit. „Es ist… wunderschön,“ flüsterte sie, mehr zu sich selbst als zu ihm.
Falc stand schon am Rand, die Arme locker verschränkt, doch sein Blick hing nicht an der Ferne, sondern immer wieder an ihr. „Hier oben,“ murmelte er, „fühlt es sich an, als wäre die Welt still. Als könnte man alles vergessen.“
Elaine trat neben ihn, das Licht der Sterne spiegelte sich in ihren Augen. „Aber du vergisst nicht.“
Er lachte leise, ein Laut ohne wirkliche Freude. „Nein. Das kann ich nicht.“
Ein Moment der Stille senkte sich über sie. Dann hob Falc den Arm, deutete auf eine ferne Insel, die im Nebel schimmerte. Elaine folgte seinem Finger, doch ihr Blick wanderte zurück zu ihm. Es war nicht die Aussicht, die sie fesselte, sondern die Nähe, die sich zwischen ihnen spannte wie ein unsichtbarer Faden.
„Du solltest vorsichtig sein, Elaine,“ sagte er plötzlich, die Stimme rauer als zuvor. „Blood… er ist nicht wie ich. Er wird Interesse an dir zeigen, und nicht auf die Art, die du dir wünschst. Ich weiß, wie er ist.“
Elaine wandte sich ihm zu, überrascht von der Ernsthaftigkeit in seinen Worten. „Und du? Auf welche Art zeigst du dein Interesse?“
Falc sah sie lange an. Sein Atem ging schwerer, die Muskeln in seinem Kiefer spannten sich. „Ich… darf es nicht zeigen.“
Sie spürte, wie ihr Herz raste, jede Faser ihres Körpers nach einer Antwort verlangte, die er ihr nicht geben wollte. Doch dann hob er die Hand, zögernd, und legte sie an ihre Wange. Der Wind umspielte sie beide, doch sie fühlte nur die Wärme seiner Finger.
Ihre Blicke verhakten sich, und für einen Augenblick gab es keine Sterne, keine Inseln, keinen Wind – nur ihn. Sein Gesicht kam näher, so dicht, dass ihr Atem stockte. Die Möglichkeit eines Kusses lag zwischen ihnen, greifbar, elektrisch.
Elaine schloss fast die Augen, ihre Lippen leicht geöffnet, ihr Herz hämmerte gegen die Brust. Doch Falc hielt inne. Sein Herzschlag donnerte in seinen Ohren, sein Körper schrie nach Nähe – aber seine Loyalität hielt ihn zurück.
Mit einem rauen Laut zog er sich zurück, trat einen Schritt nach hinten, als hätte er sich selbst besiegt. „Es ist besser so,“ flüsterte er, ohne sie anzusehen.
Elaine starrte ihn an, ihre Wangen glühten, ihre Brust hob und senkte sich unruhig. Sie hätte ihn küssen wollen, sie hätte ihn nicht aufgehalten. Aber jetzt blieb nur die Stille zwischen ihnen, gefüllt mit allem, was sie nicht aussprechen konnten.
Sie wandte sich ab, blickte wieder in die Ferne, wo die schwebenden Inseln wie verlorene Träume lagen. Loyalität – sie spürte, dass es für Falc nicht nur ein Wort war. Es war ein Käfig. Und gleichzeitig das, was sie am stärksten an ihm bewunderte.

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