Mondsichel

Sep. 29th, 2025 10:47 am
[personal profile] tpmica posting in [community profile] 120_minuten
Team: Drache
Challenge: Sinneseindrücke - Joker (für mich)
Fandom: Original: Reunion
Anmerkung: folgte
Inspiration: Sinneseindrücke - Flimmern vor den Augen (fürs Team) - Die Uhr läuft ... jetzt! — LiveJournal

Die Äste hingen tief, und das Unterholz war dicht wie ein grünes Meer, das sich unaufhörlich gegen ihre Schritte stemmte. Falc ging vorneweg, bewegte sich mit der Leichtigkeit eines Jägers, der den Rhythmus des Waldes im Blut hatte. Seine Stiefel fanden fast von selbst den Weg zwischen Wurzeln und Farn, und jeder Schritt schien sicher.
Hinter ihm kämpfte Elaine, die Müdigkeit hatte sich längst in ihre Knochen genistet. Ihre Schritte wurden schwerer, ihr Atem flacher. Mit jeder Bewegung schien der Wald dichter, das Laub dunkler, die Schatten tiefer zu werden. Plötzlich flackerte etwas vor ihrem Auge auf – ein heller Punkt, winzig, aber scharf. Sie blinzelte. Doch statt zu verschwinden, wuchs er, streckte sich, und bald formte sich daraus eine Sichel aus flimmerndem Licht, die quer über ihr Sichtfeld schwebte.
„Nicht jetzt,“ murmelte sie, rieb sich die Augen, hoffte auf eine Einbildung. Doch die Sichel blieb. Sogar, als sie die Lider schloss, zeichnete sie sich grell auf der Dunkelheit ab, als hätte jemand das Licht in ihr Inneres eingebrannt. Ein leiser Schwindel setzte ein, ihre Knie wurden weich.
Falc war ein Stück voraus, wandte den Kopf und warf ihr ein kurzes Lächeln zu. „Beeil dich, wir schaffen’s gleich raus aus dem Dickicht.“
Elaine versuchte, einen Schritt schneller zu machen, um den Abstand zu verringern. Doch der Boden war uneben, eine Wurzel ragte hervor – ihr Fuß verfing sich. Sie stolperte, fing sich im letzten Moment ab, doch die Welt schwankte für einen Augenblick wie ein schiefes Brett auf Wasser. Ihr Gesicht war blass, die Lippen farblos.
„Elaine?“ Falc drehte sich jetzt ganz um, sah, wie sie taumelte. In seinen Augen blitzte sofort etwas auf – Sorge, gepaart mit dem Reflex, zu ihr zurückzukehren. „Setz dich. Sofort.“
Sie wollte widersprechen, wollte stark wirken, doch ihre Beine gaben den Ton an. Sie ließ sich ins weiche Moos am Rand des Weges sinken, atmete schwer.
Falc kniete sich neben sie, sein Blick prüfend, ernst. „Du bist bleich wie ein Laken. Warte hier.“ Ohne eine Antwort abzuwarten, schob er seinen Rucksack von der Schulter, kramte eine Feldflasche hervor und hielt sie ihr hin.
Elaine nahm sie mit zittrigen Fingern, trank. Das Wasser war kühl, half, aber die flimmernde Sichel blieb wie ein stummer Begleiter in ihrem Blickfeld. Sie senkte die Augen, wagte nicht, es zu erwähnen.
Eine Weile blieben sie so. Der Wald summte leise, irgendwo rief ein Vogel, und der Wind strich durch die Baumkronen. Schließlich erhob sich Falc, reichte ihr die Hand. „Komm. Aber diesmal gehst du mein Tempo.“
Elaine legte ihre Finger in seine, ließ sich aufhelfen. Er zog sie sanft nach oben, und ein Moment der Wärme huschte durch ihren Körper, trotz der Schwäche.
Beim Weitergehen schritt Falc langsamer. Er achtete auf jeden Schritt, den sie tat, hielt den Abstand so gering, dass er jederzeit nach ihr greifen konnte. Ab und an warf er einen Blick über die Schulter, prüfte, ob Farbe in ihr Gesicht zurückgekehrt war.
Und auch wenn die Sichel aus Licht weiter in ihren Augen tanzte, gab ihr seine Nähe ein Gefühl von Sicherheit – als würde er sie mit seinem bloßen Voranschreiten durch den Wald tragen.

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