[personal profile] tpmica posting in [community profile] 120_minuten
Team: Drache
Challenge: Sinnesorgane – Blut (Geschmack) (für mich)
Fandom: Original: Reunion
Anmerkung: folgte

Die Villa lag im Zwielicht, nur vereinzelte Kerzen erhellten den hohen Saal. Das Holz der dunklen Wände glänzte wie polierter Onyx, und der schwere Vorhang ließ kaum einen Laut von draußen herein. Inmitten dieser Stille saß Blood in seinem massiven Ledersessel, die Haltung entspannt, doch in jeder Bewegung eine königliche Schwere.
Zwei seiner Hausmädchen traten ein – lautlos, fast schattenhaft. Eine von ihnen hielt eine bauchige Glasflasche, sorgfältig mit Wachs versiegelt. Sie stellte sie auf den kleinen Beistelltisch neben ihm, wo das gedämpfte Licht der Kerze über das dunkle Glas strich. Die andere reichte ihm ein Kristallweinglas, dessen Ränder schimmerten wie gefrorenes Wasser.
„Öffne es,“ befahl er knapp, ohne den Blick von der Flamme der Kerze zu lösen.
Die Maid gehorchte. Mit einem scharfen Schnitt brach sie das Siegel, ein leises Knacken hallte durch den Raum. Langsam wurde der Korken gelöst, als würde man ein Geheimnis lüften, das niemand hören durfte. Ein metallisch-süßer Duft legte sich sofort in die Luft – unverkennbar.
Mit ruhiger Hand goss sie den Inhalt in das Glas. Das Blut floss schwer und sämig, dunkelrot wie geschmolzener Rubin, der sich im Kristall zu einem trägen Strudel legte. Das Glas füllte sich, und für einen Moment schien die Flüssigkeit selbst zu atmen.
Blood nahm es entgegen. Er drehte das Glas in seiner Hand, betrachtete, wie das Licht an der dicken, dunklen Oberfläche brach. Fast wie ein Sommelier hielt er es gegen die Kerze, schwenkte die Flüssigkeit langsam, ließ die Beine an den Glaswänden herabrinnen. Ein leises Lächeln spielte um seine Lippen.
Dann setzte er das Glas an und trank.
Das erste Gefühl war Wärme. Sie legte sich wie eine flüssige Glut auf seine Zunge, kribbelte, breitete sich aus. Der Geschmack war komplex, tief. Ein Hauch von Eisen, kühl und herb, vermischte sich mit etwas Süßlichem – fast wie reife Beeren, aber dunkler, geerdeter, mit einer Spur Bitterkeit, die an altes Holz erinnerte.
Er ließ die Flüssigkeit im Mund kreisen, schloss kurz die Augen. Jeder Tropfen schien sich in die Schleimhäute zu pressen, brachte einen Funken Leben mit sich, als würde seine ganze Wahrnehmung sich schärfen. Es war kein einfacher Durst, den er damit stillte – es war eine Degustation, ein Studium.
Langsam schluckte er. Das Blut glitt seine Kehle hinab, schwer, wie samtige Hitze. Ein Nachgeschmack blieb zurück: metallisch, süß und gleichzeitig von einer erdigen Tiefe, die fast rauchig wirkte. Es hatte Schichten, so wie guter Wein – ein Auftakt, ein Kern, ein Nachhall.
„Ausgezeichnet,“ murmelte er, als würde er nicht zum ersten Mal kosten, aber dennoch überrascht sein von der Vollkommenheit.
Er lehnte sich zurück, das Glas in der Hand, und nahm den nächsten Schluck mit derselben Hingabe. Nicht hastig, nicht gierig, sondern genüsslich. Jeder Tropfen wurde von ihm wie ein Kunstwerk betrachtet, aufgenommen, geschmeckt, verstanden.
Die Hausmädchen warteten schweigend, wie Statuen. Nur er, das Glas und die rubinrote Flüssigkeit existierten in diesem Moment.
Blood schloss die Augen, leckte sich beiläufig über die Lippen. „Wie Wein,“ sagte er leise, „doch vollkommener.“
Ein Klingen hallte, als er das Glas wieder auf den Tisch stellte. Noch halbvoll, doch für ihn war es bereits ein vollendetes Erlebnis.

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