5. Türchen
Dec. 5th, 2008 12:55 amTitel: Weihnachtswunder
Autor:
styko
Fandom: Original (GHay River)
Challenge: Glühwein
Charaktere: Alexa, Andy, Dag
Wörter: 2115
Rating/Warnungen: PG - silly, Alkoholkonsum, schamlose Kupplungsversuche
Zusammenfassung: Weihnachten ist die Zeit der Wunder. Und mit ein bisschen Glühwein passieren plötzlich so viele Wunder auf einmal!
Anmerkung: Eigentlich wollte ich etwas ganz anderes schreiben. Das hat nicht funktioniert. Dann habe ich drei oder vier verschiedene andere Sachen probiert, die auch alle nicht funktioniert haben. Das hier ist der letzte, verzweifelte Versuch, der entsprechend geworden ist, aber wenigstens irgendwie geklappt hat. Es ist leider nicht ganz so lustig, wie ich es mir vorgestellt habe, aber... okay. (Und irgendwie hab ich jetzt Lust auf Glühwein o_O)
Zum Verständnis vielleicht wichtig: Dag und Andy sind Kollegen (Polizisten) und gute Freunde. Dag kennt Alexa von einem früheren Einsatz, als Andy noch nicht mit ihm zusammengearbeitet hat. Alexa ist eine unverbesserliche Slasherin, die alles Männliche verkuppeln will, nur hat sie mit Dag, seitdem er ihr mal das Leben gerettet hat, eine Abmachung, dass sie es bei ihm nicht probiert. Zu Andys Bestürzung gilt das für ihn allerdings nicht.
Weihnachtswunder
„Hier!“
Alexa drückte Andy eine Tasse in die Hand. Eigentlich hatte Andy ja gleich wieder verschwinden wollen, nachdem er Alexa zu Dags Wohnung gebracht hatte, aber sie hatte ihn gebeten noch kurz zu bleiben und etwas zu probieren, das sie mitgebracht hatte.
„Was ist das?“, fragte Andy und beäugte misstrauisch die Tasse. Es war nicht unbedingt der Inhalt, der ihn skeptisch machte, sondern eher die Person, die ihm die Tasse in die Hand gedrückt hatte. Alexa führte eigentlich nie etwas Gutes im Schilde – vor allem nicht, wenn sie dieses schreckliche Grinsen im Gesicht hatte.
„Glühwein!“, antwortete sie ihm und grinste weiter.
„Glüh...wein?“
Jetzt war es der Inhalt der Tasse, den Andy beäugte. Glühwein. Das hatte er ja noch nie gehört.
„Hast du noch nie Glühwein getrunken?“, fragte Alexa und legte den Kopf leicht schief.
„Ich weiß nicht mal, was das ist!“, meinte Andy und wunderte sich insgeheim, dass das Gespräch bisher so normal ablief. Wenn sie normalerweise miteinander redeten, kam Alexa spätestens nach dem zweiten Satz darauf zu sprechen, was für ein schönes Paar er und Dag doch abgeben würden. Dann fiel ihm auf, dass sie erst beim zweiten Satz angelangt waren und er seufzte innerlich, als Alexa zur Antwort ansetzte.
„Das ist heißer Wein mit Gewürzen. Gewürznelken, Sternanis und Zitrone“, zählte sie an den Fingern ab. „Eigentlich kommt auch noch Zimt dazu, aber ich mag keinen Zimt. Magst du Zimt?“
Andy blinzelte Alexa verwirrt an. Das waren jetzt sechs Sätze ohne Anspielung auf homosexuelle Beziehungen. Man merkte deutlich, dass es stark auf Weihnachten zuging. Plötzlich geschahen Wunder!
„Ähm“, meinte Andy und musste sich erst mal die Frage wieder ins Gedächtnis rufen. Er war immer noch verwirrt, dass sie nicht über seine potentielle Beziehung mit Dag sprachen. Oder sonst irgendeinem anderen Mann, wenn Dag sie mal wieder zurecht gewiesen hatte, dass sie beide ja eine Abmachung hatten, und sie zwischenzeitlich auf einen anderen Mann ausweichen musste. „Nein. Nein, ich mag Zimt auch nicht wirklich.“
Alexa strahlte. Irgendwie fand Andy es seltsam, dass sie diese Abneigung gegen Zimt so toll fand.
„Ein bisschen Zucker ist auch noch drin! Aber nicht so viel, weil er sonst zu süß wird und dann schmeckt er nicht mehr wirklich gut.“
Andy nickte, immer noch ein bisschen misstrauisch. Er schnupperte wieder. Eigentlich mochte er heiße, alkoholische Getränke nicht so sehr, aber dieser Glühwein roch ganz gut. Er könnte ihn wenigstens probieren und danach abhauen. Trotzdem konnte er sich nicht ganz dazu durchringen. Sein Blick wanderte zwischen der Tasse und Alexa umher:
„Da ist doch nix drin, oder? K.O.-Tropfen oder irgendwas, was gefügig macht?“
Alexas folgender Blick war so empört, dass er ihr glaubte, als sie verneinte. „Was denkst du denn von mir?“
Andy sah sie bedeutungsvoll an. Alexa wollte erst widersprechen, aber obwohl sie sonst eigentlich auf alles eine Antwort parat hatte, konnte sie dagegen nicht wirklich etwas sagen. Denn es stimmte.
„Na gut, manchmal bin ich vielleicht ein bisschen extrem.“
„Manchmal? Ein bisschen?“
Alexa ignorierte ihn. „Aber diesmal ist wirklich nichts drin. Das schwöre ich dir bei allem, was mir heilig ist!“
Andy nickte. Er glaubte ihr. Warum auch immer. Wahrscheinlich war er nur neugierig auf den Glühwein. Also nahm er einen Schluck und merkte zu seiner Überraschung, dass dieses seltsame Getränk wirklich gut schmeckte.
„Das ist gut!“, sagte er und Alexa strahlte ihn wieder an. Andy lächelte zurück, was Alexa mit Freuden bemerkte, denn in ihrer Gegenwart war Andy sonst eher nervös und paranoid.
„Bleibst du noch ein bisschen? Wir können ein paar DVDs gucken, ich habe Dag ein paar Filme mitgebracht!“
Andy zögerte, doch als sie einige Actionfilme auspackte, die er mochte oder noch nicht kannte, stimmte er zu. So konnte er auch noch seinen Glühwein austrinken.
Alexa überließ Andy die Entscheidung und nachdem sie die DVD eingelegt hatte, setzten sie sich zusammen aufs Sofa. Es dauerte noch eine gute Weile, bis Andy Alexas Wortwahl von zuvor endlich richtig registrierte. Er verschluckte sich fast an seinem Glühwein und musste erst ein paar Mal husten, bis er mühsam krächzen konnte:
„Was soll das heißen, diesmal ist wirklich nichts drin?!“
Alexa nahm unschuldig einen Schluck aus ihrem Glas, aber es war nicht groß genug, um ihr breites Grinsen zu verbergen.
*
Sie sahen bereits den nächsten Film, als Dag endlich nach Hause kam. Die zwei bemerkten ihn nicht und er betrachtete das Bild, das sich ihm bot, überrascht. Alexas lockere Haltung war nichts Ungewöhnliches, aber dass Andy genauso entspannt neben ihr saß, verwirrte ihn dann doch ein bisschen. Normalerweise war Andy immer steif und verspannt, wenn Alexa in der Nähe war.
„Bin da“, sagte Dag und stellte die Tasche mit den Einkäufen, die er auf dem Heimweg noch schnell erledigt hatte, ab. Alexa drehte sich auf dem Sofa um, so dass sie nun kniete, und lächelte ihn strahlend an, während sie die Arme ausstreckte. Dag trat zu ihr und umarmte sie.
„Hat alles geklappt?“, fragte er. Alexa hatte sich relativ kurzfristig zum Besuch angemeldet und er hatte sich nicht mehr frei nehmen können. Deswegen hatte er Andy gebeten, sie vom Flughafen abzuholen und zu ihm nach Hause zu bringen. Eigentlich hatte er Andy ein paar Mal bitten müssen, denn Andys Verhältnis zu Alexa war wirklich nicht das beste. Er hatte Angst vor ihr, was Dag ihm nicht verübeln konnte, denn Alexa konnte wirklich beängstigend sein. Im Endeffekt hatte Andy dann doch zugestimmt, wenn auch widerwillig und mit der Aussage, dass er gleich wieder abhauen würde, wenn Alexa durch die Tür war.
Darum erstaunte es Dag jetzt umso mehr, dass Andy noch nicht die Flucht angetreten hatte, sondern anscheinend tatsächlich fast drei Stunden allein mit Alexa verbracht hatte. Man merkte doch, dass es auf Weihnachten zuging. Es geschahen plötzlich Wunder!
„Ja, wir haben uns gleich gefunden!“, antwortete Alexa.
Dag nickte. Dann sah er Andy an. Der hatte nur leicht den Kopf gedrehte und grüßte ihn jetzt, matt die Hand hebend.
„Hey, Dag!“
Okay, das erklärte es.
„Hey, Andy“, grüßte er mit einem schlecht unterdrückten Grinsen zurück und klopfte ihm auf die Schulter. „Danke!“
„Kein Problem!“, antwortete Andy. Jedenfalls nahm Dag an, dass er das sagte. Es hörte sich mehr wie 'Boblemm' an.
Dag ging zurück zur angrenzenden Küche und machte sich daran die Einkaufstasche auszupacken. Alexa kam ihm hinterher und half ihm dabei.
„Du hast ihn abgefüllt?“, fragte Dag nach einer Weile vorwurfsvoll. Alexa blickte empört drein. Dag nahm es ihr nicht ganz ab.
„Ich wollte mich bedanken, dass er mich abgeholt hat. Und er hatte noch nie Glühwein getrunken! Ich habe ihn nur um eine Erfahrung reicher gemacht!“
„Wieviel hat er schon getrunken?“
Alexa lugte in den Topf, in dem nicht mehr so wirklich viel war. Sie hatte nur zwei Gläser getrunken, was Andys Anteil ziemlich groß machte. Trotzdem zuckte sie lediglich mit den Schultern. Sie sah, dass Dag ihr auch das nicht ganz abnahm. Also wechselte sie schnell das Thema:
„Willst du auch ein Glas? Er ist noch warm!“
Dag sah sie an und überlegte, ob er auf eine Antwort bestehen sollte. Doch er wusste wie stur Alexa sein konnte und er war zu müde, um mit ihr zu diskutieren.
„Ist der mit Zimt?“
„Nein. Ohne, weil du keinen Zimt magst. Und auch nur wenig Zucker, damit er nicht zu süß schmeckt!“
„Okay. Dann nehme ich ein Glas.“
Irgendetwas an der Art wie Alexa grinste, als sie ihm ein Glas schöpfte, irritierte Dag. Als ob es sie plötzlich ungemein freuen würde, dass er Glühwein lieber ohne Zimt und wenig Zucker trank.
*
Dag setzte sich zu den anderen beiden aufs Sofa – immer noch ein bisschen skeptisch über ihr plötzlich so gutes Verhältnis – merkte allerdings schnell, dass er viel zu müde war, um sich auf den Film konzentrieren zu können. Ein Gähnen machte das auch Alexa deutlich.
„Du solltest ins Bett gehen. Du siehst müde aus.“
Dag blinzelte, um die Müdigkeit zu vertreiben, was ihm jedoch nicht gelang. Er hätte gerne den Vorschlag angenommen, doch Andys Zustand machte ihm Sorgen. So konnte er ihn nicht nach Hause gehen lassen. Alexa folgte seinem Blick und meinte:
„Ich kann Andy fahren, wenn er heim will.“
Andy wandte träge den Kopf. „Huh?“
„Ich fahr' dich heim, wenn du willst!“, wiederholte Alexa.
„Ich kann auch hier schlafen“, murmelte Andy.
„Alexa hat das Gästezimmer“, erinnerte Dag ihn.
„Kann auf der Couch schlafen“, murmelte Andy weiter.
Dag zögerte einen Moment, dann stimmte er mit einem Seufzen zu.
„Na gut. Dann wünsche ich euch eine gute Nacht. Trinkt nicht mehr so viel.“
Alexa grinste ihn an und wünschte ihm ebenfalls eine gute Nacht. Andy nuschelte irgendetwas, das sich so ähnlich anhörte.
*
Es war fast zwei Uhr, als Alexa den Fernseher ausmachte. Andy hatte schon geschlafen, wachte allerdings auf, als die Geräuschkulisse plötzlich fehlte.
„Was'n los?“, nuschelte er und rieb sich müde die Augen.
„Schlafenszeit!“, sagte Alexa und stand auf.
„Schlaf schon“, murmelte Andy. Alexa lachte und stand auf, um das Licht im Flur anzumachen. Sie sah zurück, als sie Andy stöhnen und sich aufrichten hörte.
„Was ist?“
„Muss mal aufs Klo“, murmelte er müde und taumelte ein paar Schritte vorwärts. Alexa unterdrückte schlecht ein Grinsen und trat schnell zu ihm.
„Ich helf' dir besser!“
Andy nuschelte ein unverständliches „Danke“.
*
„Willst du das Gästezimmer?“, fragte Alexa, als Andy wieder aus dem Bad kam. Sie hatte ihn dorthin bugsiert und offensichtlich vor der Tür gewartet, bis er fertig war.
„Was?“
„Da ist es bequemer.“
„Was ist mit dir?“
„Ich hab eh Jetlag. Ich werd' nicht lange schlafen können. Wär' Verschwendung, wenn ich das Gästezimmer nehmen würde.“
Andy zögerte kurz und rieb sich über die Augen. Er wusste, dass das unhöflich war, aber ein bequemes Bett war eine schöne Aussicht. Vor allem, wenn man bedachte, dass sich alles um ihn herum drehte. Vielleicht hätte er ein paar Gläser weniger trinken sollen...? Aber dieser Glühwein hatte so gut geschmeckt.
„Weiß nicht“, meinte er schließlich.
„Ist schon okay. Sonst weck' ich dich ja morgen früh auf, wenn ich durch die Wohnung tigere und ich glaube, du wirst morgen etwas länger schlafen müssen.“
Das glaubte Andy auch, also stimmte er schließlich zu. Alexa nahm ihn wieder am Arm und bugsierte ihn erneut zum Zimmer.
„Schaffst du es alleine ins Bett?“, fragte sie.
„Geht schon“, murmelte Andy und wankte in das dunkle Zimmer hinein. „Nacht.“
„Gute Nacht!“, sagte Alexa und strahlte übers ganze Gesicht.
*
Die Sonne schien Andy ins Gesicht, als er am nächsten Morgen aufwachte. Sie stand noch nicht so hoch, es war anscheinend noch relativ früh. Das irritierte ihn, denn normalerweise schlief er immer lang, wenn er etwas getrunken hatte oder spät ins Bett gegangen war. Diesmal war sogar beides der Fall gewesen, also hätte er eigentlich extra lange schlafen müssen.
Dann merkte er, dass ihn jemand an der Schulter schüttelte. Davon war er wahrscheinlich wach geworden.
Andy brummte etwas, um zu zeigen, dass er schon wach war und nicht mehr geschüttelt werden musste. Zum Umdrehen brauchte er noch einige Augenblicke. Die Überwindung dazu war schwer. Er hätte gerne noch ein bisschen geschlafen.
Während er die Überwindung aufbrachte und müde blinzelte, merkte er, dass das Zimmer irgendwie anders aussah, seitdem er das letzte Mal in ihm geschlafen hatte. Was eigentlich noch nicht so lange her war. Seltsam, Dag hatte ihm gar nicht erzählt, dass er das Gästezimmer anders eingerichtet hatte. Es sah jetzt viel mehr nach Dags eigenem Schlafzimmer aus.
Als Andy sich endlich umdrehte, wusste er auch warum.
„Morgen“, sagte Dag und seine Stimme schwang irgendwo zwischen genervt und belustigt. Andy blinzelte ihn verwirrt an.
„Was machst du hier?“, fragte Andy, obwohl er die Antwort schon wusste.
„Ich schlafe hier. Das ist mein Schlafzimmer. Die Frage lautet wohl eher: Was machst du hier?“
„Alexa hat mir das Gästezimmer angeboten“, antwortete Andy und seine Stimme klang ein bisschen schrill.
„Und du bist alleine hierher gekommen?“
„Sie hat mich zur Tür geschoben...“
Dag musste lachen. Andy sah ihn entsetzt und entschuldigend an. Dag klopfte ihm aufmunternd auf die Schulter.
„Sieh es als Weihnachtsgeschenk für Alexa an.“
„Was?“
„Das Foto.“
„Welches Foto?“, fragte Andy, inzwischen fast hysterisch. Ja, da war das alte Benehmen gegenüber Alexa wieder.
„Das sie ganz sicher gemacht hat, als wir noch friedlich nebeneinander geschlafen haben.“
Andy stöhnte auf und vergrub das Gesicht in den Kissen.
*
Währenddessen saß Alexa im Wohnzimmer und betrachtete glücklich die Fotos, die sie von Dag und Andy gemacht hatte. Sie sahen so goldig aus, wie sie nebeneinander im Bett lagen und friedlich schliefen!
Alexa hatte die Fotos bereits mehrfach gesichert und an verschiedene E-Mail-Adressen geschickt, so dass man sie ihr niemals wieder wegnehmen konnte! Das schönste von allen hatte sie außerdem bereits übers Internet als Abzug bestellt, genauso wie den passenden Rahmen dazu.
Alexa seufzte glücklich. Endlich hatte sie ein schönes Bild von Dag und Andy!
Es wurde wirklich Weihnachten. Ein Wunder war geschehen!
Autor:
Fandom: Original (G
Challenge: Glühwein
Charaktere: Alexa, Andy, Dag
Wörter: 2115
Rating/Warnungen: PG - silly, Alkoholkonsum, schamlose Kupplungsversuche
Zusammenfassung: Weihnachten ist die Zeit der Wunder. Und mit ein bisschen Glühwein passieren plötzlich so viele Wunder auf einmal!
Anmerkung: Eigentlich wollte ich etwas ganz anderes schreiben. Das hat nicht funktioniert. Dann habe ich drei oder vier verschiedene andere Sachen probiert, die auch alle nicht funktioniert haben. Das hier ist der letzte, verzweifelte Versuch, der entsprechend geworden ist, aber wenigstens irgendwie geklappt hat. Es ist leider nicht ganz so lustig, wie ich es mir vorgestellt habe, aber... okay. (Und irgendwie hab ich jetzt Lust auf Glühwein o_O)
Zum Verständnis vielleicht wichtig: Dag und Andy sind Kollegen (Polizisten) und gute Freunde. Dag kennt Alexa von einem früheren Einsatz, als Andy noch nicht mit ihm zusammengearbeitet hat. Alexa ist eine unverbesserliche Slasherin, die alles Männliche verkuppeln will, nur hat sie mit Dag, seitdem er ihr mal das Leben gerettet hat, eine Abmachung, dass sie es bei ihm nicht probiert. Zu Andys Bestürzung gilt das für ihn allerdings nicht.
Weihnachtswunder
„Hier!“
Alexa drückte Andy eine Tasse in die Hand. Eigentlich hatte Andy ja gleich wieder verschwinden wollen, nachdem er Alexa zu Dags Wohnung gebracht hatte, aber sie hatte ihn gebeten noch kurz zu bleiben und etwas zu probieren, das sie mitgebracht hatte.
„Was ist das?“, fragte Andy und beäugte misstrauisch die Tasse. Es war nicht unbedingt der Inhalt, der ihn skeptisch machte, sondern eher die Person, die ihm die Tasse in die Hand gedrückt hatte. Alexa führte eigentlich nie etwas Gutes im Schilde – vor allem nicht, wenn sie dieses schreckliche Grinsen im Gesicht hatte.
„Glühwein!“, antwortete sie ihm und grinste weiter.
„Glüh...wein?“
Jetzt war es der Inhalt der Tasse, den Andy beäugte. Glühwein. Das hatte er ja noch nie gehört.
„Hast du noch nie Glühwein getrunken?“, fragte Alexa und legte den Kopf leicht schief.
„Ich weiß nicht mal, was das ist!“, meinte Andy und wunderte sich insgeheim, dass das Gespräch bisher so normal ablief. Wenn sie normalerweise miteinander redeten, kam Alexa spätestens nach dem zweiten Satz darauf zu sprechen, was für ein schönes Paar er und Dag doch abgeben würden. Dann fiel ihm auf, dass sie erst beim zweiten Satz angelangt waren und er seufzte innerlich, als Alexa zur Antwort ansetzte.
„Das ist heißer Wein mit Gewürzen. Gewürznelken, Sternanis und Zitrone“, zählte sie an den Fingern ab. „Eigentlich kommt auch noch Zimt dazu, aber ich mag keinen Zimt. Magst du Zimt?“
Andy blinzelte Alexa verwirrt an. Das waren jetzt sechs Sätze ohne Anspielung auf homosexuelle Beziehungen. Man merkte deutlich, dass es stark auf Weihnachten zuging. Plötzlich geschahen Wunder!
„Ähm“, meinte Andy und musste sich erst mal die Frage wieder ins Gedächtnis rufen. Er war immer noch verwirrt, dass sie nicht über seine potentielle Beziehung mit Dag sprachen. Oder sonst irgendeinem anderen Mann, wenn Dag sie mal wieder zurecht gewiesen hatte, dass sie beide ja eine Abmachung hatten, und sie zwischenzeitlich auf einen anderen Mann ausweichen musste. „Nein. Nein, ich mag Zimt auch nicht wirklich.“
Alexa strahlte. Irgendwie fand Andy es seltsam, dass sie diese Abneigung gegen Zimt so toll fand.
„Ein bisschen Zucker ist auch noch drin! Aber nicht so viel, weil er sonst zu süß wird und dann schmeckt er nicht mehr wirklich gut.“
Andy nickte, immer noch ein bisschen misstrauisch. Er schnupperte wieder. Eigentlich mochte er heiße, alkoholische Getränke nicht so sehr, aber dieser Glühwein roch ganz gut. Er könnte ihn wenigstens probieren und danach abhauen. Trotzdem konnte er sich nicht ganz dazu durchringen. Sein Blick wanderte zwischen der Tasse und Alexa umher:
„Da ist doch nix drin, oder? K.O.-Tropfen oder irgendwas, was gefügig macht?“
Alexas folgender Blick war so empört, dass er ihr glaubte, als sie verneinte. „Was denkst du denn von mir?“
Andy sah sie bedeutungsvoll an. Alexa wollte erst widersprechen, aber obwohl sie sonst eigentlich auf alles eine Antwort parat hatte, konnte sie dagegen nicht wirklich etwas sagen. Denn es stimmte.
„Na gut, manchmal bin ich vielleicht ein bisschen extrem.“
„Manchmal? Ein bisschen?“
Alexa ignorierte ihn. „Aber diesmal ist wirklich nichts drin. Das schwöre ich dir bei allem, was mir heilig ist!“
Andy nickte. Er glaubte ihr. Warum auch immer. Wahrscheinlich war er nur neugierig auf den Glühwein. Also nahm er einen Schluck und merkte zu seiner Überraschung, dass dieses seltsame Getränk wirklich gut schmeckte.
„Das ist gut!“, sagte er und Alexa strahlte ihn wieder an. Andy lächelte zurück, was Alexa mit Freuden bemerkte, denn in ihrer Gegenwart war Andy sonst eher nervös und paranoid.
„Bleibst du noch ein bisschen? Wir können ein paar DVDs gucken, ich habe Dag ein paar Filme mitgebracht!“
Andy zögerte, doch als sie einige Actionfilme auspackte, die er mochte oder noch nicht kannte, stimmte er zu. So konnte er auch noch seinen Glühwein austrinken.
Alexa überließ Andy die Entscheidung und nachdem sie die DVD eingelegt hatte, setzten sie sich zusammen aufs Sofa. Es dauerte noch eine gute Weile, bis Andy Alexas Wortwahl von zuvor endlich richtig registrierte. Er verschluckte sich fast an seinem Glühwein und musste erst ein paar Mal husten, bis er mühsam krächzen konnte:
„Was soll das heißen, diesmal ist wirklich nichts drin?!“
Alexa nahm unschuldig einen Schluck aus ihrem Glas, aber es war nicht groß genug, um ihr breites Grinsen zu verbergen.
*
Sie sahen bereits den nächsten Film, als Dag endlich nach Hause kam. Die zwei bemerkten ihn nicht und er betrachtete das Bild, das sich ihm bot, überrascht. Alexas lockere Haltung war nichts Ungewöhnliches, aber dass Andy genauso entspannt neben ihr saß, verwirrte ihn dann doch ein bisschen. Normalerweise war Andy immer steif und verspannt, wenn Alexa in der Nähe war.
„Bin da“, sagte Dag und stellte die Tasche mit den Einkäufen, die er auf dem Heimweg noch schnell erledigt hatte, ab. Alexa drehte sich auf dem Sofa um, so dass sie nun kniete, und lächelte ihn strahlend an, während sie die Arme ausstreckte. Dag trat zu ihr und umarmte sie.
„Hat alles geklappt?“, fragte er. Alexa hatte sich relativ kurzfristig zum Besuch angemeldet und er hatte sich nicht mehr frei nehmen können. Deswegen hatte er Andy gebeten, sie vom Flughafen abzuholen und zu ihm nach Hause zu bringen. Eigentlich hatte er Andy ein paar Mal bitten müssen, denn Andys Verhältnis zu Alexa war wirklich nicht das beste. Er hatte Angst vor ihr, was Dag ihm nicht verübeln konnte, denn Alexa konnte wirklich beängstigend sein. Im Endeffekt hatte Andy dann doch zugestimmt, wenn auch widerwillig und mit der Aussage, dass er gleich wieder abhauen würde, wenn Alexa durch die Tür war.
Darum erstaunte es Dag jetzt umso mehr, dass Andy noch nicht die Flucht angetreten hatte, sondern anscheinend tatsächlich fast drei Stunden allein mit Alexa verbracht hatte. Man merkte doch, dass es auf Weihnachten zuging. Es geschahen plötzlich Wunder!
„Ja, wir haben uns gleich gefunden!“, antwortete Alexa.
Dag nickte. Dann sah er Andy an. Der hatte nur leicht den Kopf gedrehte und grüßte ihn jetzt, matt die Hand hebend.
„Hey, Dag!“
Okay, das erklärte es.
„Hey, Andy“, grüßte er mit einem schlecht unterdrückten Grinsen zurück und klopfte ihm auf die Schulter. „Danke!“
„Kein Problem!“, antwortete Andy. Jedenfalls nahm Dag an, dass er das sagte. Es hörte sich mehr wie 'Boblemm' an.
Dag ging zurück zur angrenzenden Küche und machte sich daran die Einkaufstasche auszupacken. Alexa kam ihm hinterher und half ihm dabei.
„Du hast ihn abgefüllt?“, fragte Dag nach einer Weile vorwurfsvoll. Alexa blickte empört drein. Dag nahm es ihr nicht ganz ab.
„Ich wollte mich bedanken, dass er mich abgeholt hat. Und er hatte noch nie Glühwein getrunken! Ich habe ihn nur um eine Erfahrung reicher gemacht!“
„Wieviel hat er schon getrunken?“
Alexa lugte in den Topf, in dem nicht mehr so wirklich viel war. Sie hatte nur zwei Gläser getrunken, was Andys Anteil ziemlich groß machte. Trotzdem zuckte sie lediglich mit den Schultern. Sie sah, dass Dag ihr auch das nicht ganz abnahm. Also wechselte sie schnell das Thema:
„Willst du auch ein Glas? Er ist noch warm!“
Dag sah sie an und überlegte, ob er auf eine Antwort bestehen sollte. Doch er wusste wie stur Alexa sein konnte und er war zu müde, um mit ihr zu diskutieren.
„Ist der mit Zimt?“
„Nein. Ohne, weil du keinen Zimt magst. Und auch nur wenig Zucker, damit er nicht zu süß schmeckt!“
„Okay. Dann nehme ich ein Glas.“
Irgendetwas an der Art wie Alexa grinste, als sie ihm ein Glas schöpfte, irritierte Dag. Als ob es sie plötzlich ungemein freuen würde, dass er Glühwein lieber ohne Zimt und wenig Zucker trank.
*
Dag setzte sich zu den anderen beiden aufs Sofa – immer noch ein bisschen skeptisch über ihr plötzlich so gutes Verhältnis – merkte allerdings schnell, dass er viel zu müde war, um sich auf den Film konzentrieren zu können. Ein Gähnen machte das auch Alexa deutlich.
„Du solltest ins Bett gehen. Du siehst müde aus.“
Dag blinzelte, um die Müdigkeit zu vertreiben, was ihm jedoch nicht gelang. Er hätte gerne den Vorschlag angenommen, doch Andys Zustand machte ihm Sorgen. So konnte er ihn nicht nach Hause gehen lassen. Alexa folgte seinem Blick und meinte:
„Ich kann Andy fahren, wenn er heim will.“
Andy wandte träge den Kopf. „Huh?“
„Ich fahr' dich heim, wenn du willst!“, wiederholte Alexa.
„Ich kann auch hier schlafen“, murmelte Andy.
„Alexa hat das Gästezimmer“, erinnerte Dag ihn.
„Kann auf der Couch schlafen“, murmelte Andy weiter.
Dag zögerte einen Moment, dann stimmte er mit einem Seufzen zu.
„Na gut. Dann wünsche ich euch eine gute Nacht. Trinkt nicht mehr so viel.“
Alexa grinste ihn an und wünschte ihm ebenfalls eine gute Nacht. Andy nuschelte irgendetwas, das sich so ähnlich anhörte.
*
Es war fast zwei Uhr, als Alexa den Fernseher ausmachte. Andy hatte schon geschlafen, wachte allerdings auf, als die Geräuschkulisse plötzlich fehlte.
„Was'n los?“, nuschelte er und rieb sich müde die Augen.
„Schlafenszeit!“, sagte Alexa und stand auf.
„Schlaf schon“, murmelte Andy. Alexa lachte und stand auf, um das Licht im Flur anzumachen. Sie sah zurück, als sie Andy stöhnen und sich aufrichten hörte.
„Was ist?“
„Muss mal aufs Klo“, murmelte er müde und taumelte ein paar Schritte vorwärts. Alexa unterdrückte schlecht ein Grinsen und trat schnell zu ihm.
„Ich helf' dir besser!“
Andy nuschelte ein unverständliches „Danke“.
*
„Willst du das Gästezimmer?“, fragte Alexa, als Andy wieder aus dem Bad kam. Sie hatte ihn dorthin bugsiert und offensichtlich vor der Tür gewartet, bis er fertig war.
„Was?“
„Da ist es bequemer.“
„Was ist mit dir?“
„Ich hab eh Jetlag. Ich werd' nicht lange schlafen können. Wär' Verschwendung, wenn ich das Gästezimmer nehmen würde.“
Andy zögerte kurz und rieb sich über die Augen. Er wusste, dass das unhöflich war, aber ein bequemes Bett war eine schöne Aussicht. Vor allem, wenn man bedachte, dass sich alles um ihn herum drehte. Vielleicht hätte er ein paar Gläser weniger trinken sollen...? Aber dieser Glühwein hatte so gut geschmeckt.
„Weiß nicht“, meinte er schließlich.
„Ist schon okay. Sonst weck' ich dich ja morgen früh auf, wenn ich durch die Wohnung tigere und ich glaube, du wirst morgen etwas länger schlafen müssen.“
Das glaubte Andy auch, also stimmte er schließlich zu. Alexa nahm ihn wieder am Arm und bugsierte ihn erneut zum Zimmer.
„Schaffst du es alleine ins Bett?“, fragte sie.
„Geht schon“, murmelte Andy und wankte in das dunkle Zimmer hinein. „Nacht.“
„Gute Nacht!“, sagte Alexa und strahlte übers ganze Gesicht.
*
Die Sonne schien Andy ins Gesicht, als er am nächsten Morgen aufwachte. Sie stand noch nicht so hoch, es war anscheinend noch relativ früh. Das irritierte ihn, denn normalerweise schlief er immer lang, wenn er etwas getrunken hatte oder spät ins Bett gegangen war. Diesmal war sogar beides der Fall gewesen, also hätte er eigentlich extra lange schlafen müssen.
Dann merkte er, dass ihn jemand an der Schulter schüttelte. Davon war er wahrscheinlich wach geworden.
Andy brummte etwas, um zu zeigen, dass er schon wach war und nicht mehr geschüttelt werden musste. Zum Umdrehen brauchte er noch einige Augenblicke. Die Überwindung dazu war schwer. Er hätte gerne noch ein bisschen geschlafen.
Während er die Überwindung aufbrachte und müde blinzelte, merkte er, dass das Zimmer irgendwie anders aussah, seitdem er das letzte Mal in ihm geschlafen hatte. Was eigentlich noch nicht so lange her war. Seltsam, Dag hatte ihm gar nicht erzählt, dass er das Gästezimmer anders eingerichtet hatte. Es sah jetzt viel mehr nach Dags eigenem Schlafzimmer aus.
Als Andy sich endlich umdrehte, wusste er auch warum.
„Morgen“, sagte Dag und seine Stimme schwang irgendwo zwischen genervt und belustigt. Andy blinzelte ihn verwirrt an.
„Was machst du hier?“, fragte Andy, obwohl er die Antwort schon wusste.
„Ich schlafe hier. Das ist mein Schlafzimmer. Die Frage lautet wohl eher: Was machst du hier?“
„Alexa hat mir das Gästezimmer angeboten“, antwortete Andy und seine Stimme klang ein bisschen schrill.
„Und du bist alleine hierher gekommen?“
„Sie hat mich zur Tür geschoben...“
Dag musste lachen. Andy sah ihn entsetzt und entschuldigend an. Dag klopfte ihm aufmunternd auf die Schulter.
„Sieh es als Weihnachtsgeschenk für Alexa an.“
„Was?“
„Das Foto.“
„Welches Foto?“, fragte Andy, inzwischen fast hysterisch. Ja, da war das alte Benehmen gegenüber Alexa wieder.
„Das sie ganz sicher gemacht hat, als wir noch friedlich nebeneinander geschlafen haben.“
Andy stöhnte auf und vergrub das Gesicht in den Kissen.
*
Währenddessen saß Alexa im Wohnzimmer und betrachtete glücklich die Fotos, die sie von Dag und Andy gemacht hatte. Sie sahen so goldig aus, wie sie nebeneinander im Bett lagen und friedlich schliefen!
Alexa hatte die Fotos bereits mehrfach gesichert und an verschiedene E-Mail-Adressen geschickt, so dass man sie ihr niemals wieder wegnehmen konnte! Das schönste von allen hatte sie außerdem bereits übers Internet als Abzug bestellt, genauso wie den passenden Rahmen dazu.
Alexa seufzte glücklich. Endlich hatte sie ein schönes Bild von Dag und Andy!
Es wurde wirklich Weihnachten. Ein Wunder war geschehen!
no subject
Date: 2008-12-09 10:13 pm (UTC)So allgemein. Sowohl die Geschichte als auch die Charaktere. Ganz besonders Alexa, diese Frau ist wirklich immer wieder die Härte.
Eine wirklich schöne Adventsgeschichte.
Und das Foto würde ich echt gerne mal sehen XD