[personal profile] tpmica posting in [community profile] 120_minuten
Team: Drache
Challenge: Sci-Fi & Fantasy – „Mein Interesse an dir ist rein wissenschaftlich“ (für mich)
Fandom: Original: Reunion
Anmerkung: folgt

Elaine blieb noch eine Weile im Garten zurück, unfähig, den Rhythmus ihres Atems wiederzufinden. Erst als die Spiegellichter langsam verblassten, als hätten sie das Schauspiel nicht länger ertragen, wandte sie sich ab. Ihre Schritte hallten leise durch die Gänge der Villa, ihre Finger glitten über die glatten Wände, als müsse sie sich vergewissern, dass sie wach war.
Schließlich stieß sie auf eine schwere Holztür. Ein feiner Staubgeruch, gemischt mit dem Duft alten Leders, schlug ihr entgegen, als sie sie öffnete. Eine Bibliothek. Reihen endloser Regale, bis zur Decke hinauf, gefüllt mit Büchern, deren Rücken geheimnisvoll schimmerten. Kerzen in
hohen Leuchtern warfen flackerndes Licht, das die Titel nur teilweise erkennbar machte.
Neugier trieb sie hinein. Elaine ließ ihre Fingerspitzen über die Buchrücken gleiten, so als könnten sie ihr mehr verraten als das, was auf dem Einband stand. Die Atmosphäre war gleichzeitig beruhigend und bedrückend – Wissen, das tief in den Wänden eingesperrt schien.
„Nicht viele verirren sich hierher.“
Die Stimme kam so unerwartet, dass Elaine zusammenfuhr. Langsam drehte sie sich um. Im hinteren Teil der Bibliothek, halb im Schatten, halb im warmen Kerzenlicht, saß Blood. Er thronte in einem tiefen Sessel, ein aufgeschlagenes Buch in den Händen, als habe er die ganze Zeit nur auf sie gewartet.
Sein Blick war wie zuvor – dieses leise, überlegene Lächeln, das nicht zu verschwinden schien, egal, was er sagte.
„Ich wusste nicht, dass hier jemand ist,“ brachte Elaine hervor, bemüht, ihre Stimme fest klingen zu lassen. Doch die Erinnerung an Falcs Warnung in ihrem Kopf ließ sie nicht los. Blood hatte etwas von ihr gewollt – oder wollte es noch immer. Aber was?
„Das ist ein Ort für Einsame,“ fuhr er fort, ohne sie aus den Augen zu lassen. „Oder für Neugierige. Du scheinst beides zu sein.“
Elaine zwang sich, den Blick nicht abzuwenden. Irgendetwas an ihm war anziehend – nicht wie bei Falc, roh und gefährlich, sondern glatt, wie eine Klinge, die zu schön poliert war, um nicht tödlich zu sein.
„Und was… denkst du über mich?“ fragte sie schließlich. Die Worte kamen schneller heraus, als sie geplant hatte. „Was willst du von mir?“
Blood legte das Buch behutsam zur Seite, stand auf und trat aus dem Schatten. Seine Schritte waren lautlos, wie ein Tier, das sich seiner Beute sicher war. „Du bist direkter, als ich erwartet habe.“
Er blieb vor ihr stehen, so nah, dass sie den feinen Geruch nach Kräutern und altem Papier wahrnehmen konnte. Dann senkte er leicht den Kopf, seine Augen blitzten im Kerzenschein.
„Mein Interesse an dir,“ sagte er schließlich, „ist rein wissenschaftlich.“
Elaine spürte, wie ihr Herz einen Schlag aussetzte. Der Ausdruck auf seinem Gesicht verriet keine Ironie, und doch war sie sicher, dass hinter den Worten mehr lag. Viel mehr.
„Was heißt das?“ hauchte sie.
Bloods Lächeln vertiefte sich, geheimnisvoll, fast amüsiert. „Das wirst du verstehen, wenn der Tag gekommen ist.“
Dann wandte er sich wieder ab, griff nach seinem Buch und ließ sie mit dem Gefühl zurück, dass er gerade nur die Oberfläche von etwas aufgerissen hatte, dessen Tiefe sie besser gar nicht erahnen sollte.

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