[personal profile] tpmica posting in [community profile] 120_minuten
Team: Drache
Challenge: Schreibaufgabe – Prequel (fürs Team)
Fandom: Original: Reunion
Anmerkung: folgt

Die Felder der schwebenden Insel glitzerten unter der späten Sonne, als Falc, Rew und Louis zwischen den hohen Gräsern herumtollten. Der Wind spielte mit den wehenden Haaren der Kinder, und die kleinen Zahnräder an Rews selbstgebautem Drachen surrten leise, als er über den Boden gezogen wurde.
Falc, immer der Draufgänger, rannte voraus, sprang über ein altes Holzbrett – doch sein Fuß blieb hängen, und er stürzte hart auf das kiesige Feld. Ein scharfes Stechen durchfuhr sein Knie, und er knirschte mit den Zähnen. Louis war sofort zur Stelle, kniete neben ihm und legte behutsam ihre kleinen Hände auf das aufgeschrappte Knie.
„Alles wird gut, Falc,“ murmelte sie, ihre Stimme sanft und sicher, während ein blaues Leuchten aus der Kette auf ihrem Hals strahlte. Der Stein pulsierte in ihren Händen, als würde er mit ihrer eigenen Lebensenergie resonieren. Falc spürte sofort, wie der Schmerz nachließ, wie Wärme durch sein Bein floss. Er sah zu Louis auf, und sein Herz machte einen leisen Sprung. Es war nicht nur Dankbarkeit, die er empfand, sondern etwas Unausgesprochenes, ein Ziehen, das er noch nicht benennen konnte.
Rew kam herbei, legte Falc eine Hand auf die Schulter. „Bist du sicher, dass alles in Ordnung ist?“ Seine Stimme war besorgt, aber zugleich spielte ein Hauch Stolz darin. Louis lächelte nur, ihre Augen glänzten im Abendlicht.
„Danke, Louis… für alles,“ flüsterte Falc, doch Louis schüttelte den Kopf. „Keine Worte. Geh schon, spielt weiter. Ich passe auf dich.“
Noch während die Kinder sich wieder in den Feldspielen verloren, stieg plötzlich Rauch am Horizont auf. Zuerst klein, wie ein grauer Schleier, dann dichter, dunkler und drohender. Rew zog Falc am Arm. „Da… das Dorf… es brennt!“
Sie rannten los, die Felder hinter sich lassend, die Beine trugen sie so schnell sie konnten. Bald erreichten sie den Rand ihres Dorfes – und das Bild, das sich ihnen bot, ließ ihnen das Blut in den Adern gefrieren. Häuser standen in Flammen, Funken sprangen wie kleine Glühwürmchen in die Nacht, und Schreie durchzogen die Luft. Soldaten in metallenen Rüstungen gingen von Haus zu Haus, ihre Waffen blitzten im Licht der Feuer.
Louis erstarrte, doch Rew griff nach ihrer Hand. „Komm, wir müssen helfen!“
Falc war schon voraus, sprang zwischen einen Soldaten und einen Dorfbewohner, der sich verzweifelt zur Wehr setzte. Er hatte kaum Zeit, den Schrei zu hören, bevor ein schwerer Schlag ihn bewusstlos zu Boden brachte. Rew kämpfte ebenso tapfer, doch auch er wurde niedergeprügelt.
Louis, die kleine Schwester, spürte, wie Panik in ihr aufstieg. Soldaten näherten sich, und einer packte sie ruckartig an den Armen. „Na, wen haben wir denn da? Dich haben wir gesucht. Wärst du nicht weggelaufen, hätten gar nicht so viele Menschen sterben müssen.“
„Lasst mich los!“ schrie Louis, strampelte, trat, doch der Soldat hielt sie sicher wie eine wertvolle Trophäe. Ihre Augen suchten verzweifelt die Gestalten ihrer Freunde, der Menschen, die sie geliebt hatte. Dann sah sie Falc am Boden liegen, reglos, nur noch schwach den Rauch und die Flammen um sich wahrnehmend.
„Falc…!“ rief sie, ihre Stimme zitterte, als sie ihre Hand nach ihm ausstreckte. „Falc! Rew! Bitte!“
Aber Falc konnte sich nicht rühren. Sein Körper war schwer, die Sinne trüb vom Schlag, den Schock der Situation wie ein eisiger Nebel über ihm. Er sah Louis, ihre Augen voller Angst, Verzweiflung und gleichzeitig etwas Unbeugsames – diesen Funken, der sie stark machte. Doch er konnte nichts tun.
Louis wurde hinter die Soldaten gezerrt, ihr Körper sträubte sich, ihre Kette mit dem blauen Stein glühte schwach im dunklen Licht der Flammen. Sie spürte, dass etwas Mächtiges in ihr lebte, dass sie helfen konnte, doch die Hände, die sie brauchte, waren weit entfernt, Falc und Rew bewusstlos und hilflos.
„Falc… ich… ich komme zurück… ich schwöre…“ flüsterte sie, mehr zu sich selbst als zu ihm. Ein letzter Blick zu dem Jungen, dessen Gesicht vom Staub und Rauch verschleiert war, und dann wurde sie von den Soldaten fortgezogen, ihre Finger nach ihm ausgestreckt, nur noch die Erinnerung an Berührung und Nähe.
Die Feuer züngelten weiter, der Himmel war rot und grau. Das einfache Bauerndorf auf der schwebenden Insel war nahezu zerstört, und Louis spürte die Kälte der Realität, die sich wie ein eisiger Mantel um sie legte. Sie war gefangen, entführt, und doch brannte in ihr die Entschlossenheit, ihre Freunde nicht aufzugeben.
Falc lag am Boden, das Bewusstsein flackerte, die Hitze der Flammen und die Angst um Louis brannten in seinem Herzen. Er konnte nur zusehen, wie sie verschwand, ihre Stimme, ihre kleinen Hände, die nach ihm griffen, sein Herz in Stücke rissen.
Der Soldat, der sie hielt, wandte sich ab, doch Louis spürte die Kraft in sich, die sie noch nie zuvor so klar wahrgenommen hatte. Das blaue Leuchten der Kette pulsierte in der Dunkelheit, als wollte es ihr Mut zusprechen. „Ich werde nicht zulassen, dass sie uns auseinanderreißen“, murmelte sie, ihre Augen hart und entschlossen. Ein weiterer Versuch zu entkommen, zappeln. Vergebens. Doch ihre Kette hatte sich an der Rüstung des Soldaten verfangen und riss. Fiel zu Boden. Ein letztes Andenken an Louis.

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