Team: Kobold
Challenge: Hurt/Comfort — Am Ende Sein
Fandom: Tatort Ludwigshafen
Charaktere: Lena Odenthal, Johanna Stern
Rating: Mature
Anmerkung: Different First Meeting AU, spielt während und vor Blackout. Weder Lena noch Johanna sind hier in einer besonders guten Verfassung und haben Alkohol getrunken. Dementsprechend ist das alles nicht super gesund, aber consensual. Da das schreiben praktisch die vollen 120 Minuten eingenommen hat, diesen Mal wirklich praktisch uneditiert. Der Titel stammt aus dem Song "Ma meilleure enémie" von Stromae. Teil 2 folgt.
Wörter: ~1450
Zeit: ~115 min
Lena starrte die jüngere Frau mit dem blonden Bob-Haarschnitt an, die gerade dabei war, sämtliche Details am Tatort mit ihrem iPad abzufotografieren. Ausgerechnet sie war Koppers Urlaubsvertretung. Nicht zu fassen! Lena wusste sehr gut, dass ihr beim Anblick der neuen Kollegin der Gesichtsausdruck entgleist war; die war cooler geblieben. Nach ihrem kurzen Gespräch zur Begrüßung mied sie den Blickkontakt mit Lena jetzt allerdings hartnäckig. Das konnte einfach nicht wahr sein! Wie konnte dieser Tag nach der schlaflosen Nacht nur immer anstrengender werden?
(Vier Wochen zuvor)
Lena wusste, dass sie ins Bett gehen sollte, anstatt an einem Wochenabend so spät noch in einer Bar zu versacken. Das Dumme war nur, dass im Bett liegend Schlaflosigkeit und Gedankenspiralen drohten. Inzwischen kamen schlaflose Nächte bei Lena häufig genug vor, dass sie nach stressigen Tagen wie diesen schon vorher Angst davor hatte, was es natürlich nur wahrscheinlicher machte, dass sie tatsächlich nicht schlief. Wenn sie aber heute Nacht noch einen Whisky trank und ein paar weitere Stunden wach blieb, war sie vielleicht später müde genug, um tatsächlich erschöpft einzuschlafen.
Sie winkte dem Barkeeper zu, hielt ihr Whisky-Glas hoch und deutete mit dem Finger darauf; der verstand und schenkte ihr nach, bevor er sich zwei anderen Kundinnen zuwandte, die gerade neben Lena an der Bar Platz nahmen. Die, die Lena näher saß, schälte sich gerade aus ihrem regennassen Mantel. Sie hatte einen kinnlangen blonden Bob und drehte Lena den Rücken zu, um sich besser mit ihrem Gegenüber unterhalten zu können. Lena schätzte die beiden auf Anfang 30.
Da sie nichts besseres zu tun hatte als ihren eigenen düsteren Gedanken nachzuhängen, beobachtete Lena ihre beiden Sitznachbarinnen, während sie sich an ihrem Whisky-Glas festhielt und schlückchenweise trank. Die beiden ließen sich tropische Fruchtcocktails servieren, stießen an und unterhielten sich angeregt, wobei die Blonde neben Lena deutlich weniger zum Gespräch beizutragen schien als ihre Begleitung.
Lena wusste nicht genau, wie viel Zeit vergangen war—ihr Glas war inzwischen wieder leer, genauso wie die Cocktailgläser der beiden jüngeren Frauen—aber furchtbar lang konnte es noch nicht gewesen sein, als die weiter entfernt sitzende, Lena zugewandte Frau sich mit einer Umarmung verabschiedete und zügigen Schrittes die Bar verließ. Die Blonde neben Lena sah ihrer Bekanntschaft hinterher, drehte sich dann zur Bar und ließ ihren Kopf ein wenig hängen. Sie sah traurig aus oder vielleicht erschöpft.
Nachdem sie eine Weile so da gesessen hatte, schien sie Lenas Augen auf sich zu fühlen. Sie richtete sich ruckartig wieder auf und sah Lena mit einem durchdringenden Blick und starrem Gesichtsausdruck an. Ertappt sah Lena zur Seite, aber bevor sie sich recht sammeln konnte, hatte sie schon den Barkeeper wieder hinübergewunken. Zu ihrer eigenen Überraschung fragte sie die Blonde:
"Kann ich Ihnen noch 'nen Drink anbieten?"
Ein paar Sekunden starrte die sie nur an, dann deutete sie auf Lenas Whisky-Glas und sagte, an den Barkeeper gewandt:
"Für mich auch einen, bitte."
Lena wusste, dass ein dritter Whisky eine sehr schlechte Idee gewesen wäre; gleichzeitig war sie plötzlich viel zu nervös und hatte das Gefühl, den Rest des abends unmöglich mit einem nicht alkoholischen Getränk bestreiten zu können. Also bestellte sie ein Bier. Sie prostete ihrer Sitznachbarin mit der Flasche zu, die hob ihr Whisky-Glas und stieß es sachte gegen Lenas Flasche. Beide tranken.
Einige Momente sahen sie sich schweigend in die Augen; Lena fühlte sich von dem Blick der Blonden geradezu durchleuchtet. Zum zweiten Mal an diesem Abend wurde Lena von den Worten überrascht, die aus ihrem eigenen Mund kamen:
"Sie haben auch nicht so einen tollen Abend, was?"
Ein paar Sekunden lang sah ihr Gegenüber so aus, als wollte sie wütend werden, Lena anfauchen, was sie das anging—nicht ganz unberechtigterweise, zugegebenermaßen—aber dann schluckte sie ihren Ärger augenscheinlich hinunter und sagte mit einer bitteren Note in der Stimme:
"Nein. Bisher nicht."
Lena spürte ihr Herz pochen; sie hatte keine Ahnung, warum die andere sie so nervös machte. Vielleicht war es ihr aufmerksamer, analytischer Blick—wenn sie Lena ansah, hatte die geradezu das Gefühl, durchleuchtet zu werden. Sowohl der kinnlange gerade Bob als auch das Outfit der Blonden waren eher unvorteilhaft und standen ihr nicht besonders gut, trotzdem musste Lena sich eingestehen, dass sie die Frau unheimlich attraktiv fand, eben des durchdringenden Blickes aus tiefbraunen wegen. Wie sie Lena in diesem Moment ansah, strahlte sie gleichzeitig Traurigkeit und Trotz aus. Lena ertappte sich bei der Vorstellung, die schönen, feinen Gesichtszüge ihrer Gesprächspartnerin mit den Fingern zu erkunden, über die glatte, weich aussehende Haut zu streichen. Mensch, Lena! Die ist viel zu jung für dich!, mahnte eine Stimme in ihren Gedanken.
"Was ist denn bei Ihrem Abend das Problem?"
Sowohl die Frage als auch der Blick der blonden Frau waren herausfordernd. Sie hielt den Blickkontakt mit Lena hartnäckig. Zu ihrer eigenen Überraschung rutschte ihr die ehrliche Antwort heraus:
"Ich kann nicht schlafen. Seit Tagen schon nicht. Ich will einfach nicht schon wieder stundenlang die Schlafzimmerdecke anstarren."
Auch ihre Gesprächspartnerin war offensichtlich überrascht von Lenas unverblümter Antwort. Das musste dieser Hang zur Ehrlichkeit gegenüber Fremden sein, die man sowieso nie wieder sehen würde. Die Blonde hob ihr Glas, legte den Kopf in den Nacken und trank ihren restlichen Whisky in einem Zug.
"Und ich musste mir gerade von einer ehemals guten Freundin, die gleichzeitig meine Ex ist, in der Dreiviertelstunde, die sie mal Zeit für mich hat, pausenlos Geschichten aus ihrem perfekten Leben ohne mich anhören, von ihrem perfekten Mann und ihren perfekten Kindern. Während mir zu Hause die Zwillinge alles vollkotzen und die Decke auf den Kopf fällt."
Sie sagte das sehr schnell, klappte dann den Mund wieder zu und starrte Lena erneut herausfordernd an. Lena, deren unvernünftiger Teil des Bewusstseins bei "meine Ex" hängen geblieben war, nickte.
"Ja, klingt scheiße."
"Danke, bei Ihnen auch."
Weiter dieser trotzige, herausfordernde Blick. Lenas Bauch kribbelte und durch die Kombination aus leichter Angetrunkenheit und Schlafmangel hindurch fühlte sie, fast wie als externe Beobachterin ihrer selbst, wie der unvernünftige Teil ihres Bewusstseins das Ruder übernahm. Beiläufig ließ sie ihre rechte Hand auf den bloßen Unterarm ihrer Gesprächspartnerin fallen und strich langsam über die helle, weiche Haut. Ihre neue Bekanntschaft bekam prompt eine Gänsehaut, aber sie zog den Arm nicht weg. Lena wusste nicht genau, wie lange sie in die tiefbraunen Augen der anderen Frau geschaut hatte, als die sich plötzlich einen Ruck zu geben schien. Sie griff nach Lenas Hand und stand abrupt von ihrem Barhocker auf.
"Kommen Sie mit? Ich weiß, wie der Abend vielleicht nicht so beschissen endet."
Lena folgte ihr bereitwillig. Es war spät, sie war beschwipst, diese Frau war sicher gute 20 Jahre jünger als sie und hatte eine Familie zu Hause, aber was machte das schon heute Nacht? Sie waren beide erwachsen und außer ein paar vergnüglichen Stunden würde ja nichts passieren.
Draußen auf der Straße zog die Fremde Lena in einen Hauseingang. Jetzt sah sie plötzlich unsicher aus, vielleicht überrascht von ihrer eigenen Forschheit. Mit großen Augen sah sie auf Lena hinunter.
Lena hob eine Hand und strich ihr über Wange, abwartend. Die Blonde zögerte nur kurz, dann beugte sie sich zu Lena hinunter. Ihre Lippen trafen sich, Lena öffnete die Lippen und der Kuss wurde sofort sofort hektisch und hungrig. Lena ließ sich gegen die Hauswand pressen und vergrub eine Hand in den federweichen Haaren der anderen Frau, die andere legte sie auf deren Hüfte ab. Ihre Partnerin hatte beide Hände bereits unter Lenas Jacke und Shirt geschoben. Bald tastete sie mit einer Hand nach Lenas Brust, zuerst zögerlich, dann forscher, als Lena sich ihr entgegen drängte. Durch den Stoff von Lenas BH hindurch strich sie vorsichtig über ihren bereits harten Nippel; Lena entfuhr ein Stöhnen.
Sie unterbrach den Kuss, hielt die Blonde fest, damit die nicht nicht dachte, Lena wollte aufhören, und fragte etwas atemlos: "Kommst du mit zu mir?"
Als Lena ein paar Stunden später an der Haustür stand und zusah, wie ihre Bekanntschaft ins Taxi stieg, wurde der Himmel am Horizont bereits hell. Aber immerhin fiel Lena danach in einen traumlosen, tiefen Schlaf.
Dieser wurde viel zu schnell von ihrem Wecker wieder unterbrochen. Als Lena mit pochendem Kopf und leichter Übelkeit im Magen vor dem Schlafzimmerspiegel stand und die tiefen Ringe unter ihren Augen betrachtete, war ihr sehr bewusst, dass sie für solche Nächte im Grunde inzwischen zu alt war. Aber bereuen konnte sie es nicht; das war trotz allem ihre beste Nacht seit langem gewesen.
Auf dem Küchentisch lag ein Kassenzettel, auf deren Rand in sehr ordentlicher Schrift eine Telefonnummer stand, daneben der Name Johanna.
Lena griff hastig danach; hoffentlich hatte Kopper den noch nicht gesehen. Johanna. Weiß Gott, was die ausgerechnet von ihr wollte, aber wenn es eine Wiederholung der vergangenen Nacht war, warum nicht? Vielleicht das zweite Mal ohne zwei Whisky vorweg.