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Team: Kobold
Challenge: Horror — Auferstanden von den Toten (fürs Team)
Titel: Full Moon Teil 4 (Teil 3) (Teil 2) (Teil 1)
Fandom: Blind Ermittelt
Charaktere: Alex & Niko



Laura hatte ihn nur deswegen nicht ins Krankenhaus gezerrt, weil er versprochen hatte, Sophie anzurufen, und das hatte er auch vor. Nur hatte Berg ihm sein Handy abgenommen und sein Ersatzapparat lag irgendwo. Nicht irgendwo. Er hatte ihn an einen sinnvollen Ort gelegt, wie alles seine Dinge. Nur jetzt erinnerte er sich absolut nicht daran, und egal wie sehr sich bemühte, es fiel ihm nicht ein. Erschöpft ließ er sich auf den Boden sinken, und lehnte sich an die Rückseite seines Sofas. Er hatte nicht einmal mehr die Kraft, die paar Schritte zur anderen Seite zu gehen.


Er zuckte zusammen, als er den Schlüssel im Schloss hörte. Laura musste Sophie selbst Bescheid gegeben haben.


Nur waren das nicht Sophies Schritte. Und außer Sophie hatte nur eine Person einen Schlüssel, und die konnte es nicht sein.


„Hey.“


Panisch richtete er sich auf. Als ob du in deinem Zustand irgendeine Chance hättest.


„Wer sind Sie?“


„Alex.“ Die Stimme. Sie klang genau wie Niko. Aber Niko war tot.


„Wer sind Sie?“


Ein tiefes Seufzen. Es klang genau wie Nikos Seufzen. Nein. Du willst nur, dass es so klingt. Du bist erschöpft und verzweifelt.


„Es tut mir wirklich leid.“


„Niko ist tot.“ Er wollte es nicht aussprechen, aber der Fremde ließ ihm keine Wahl. Er musste glauben Alex irgendwie hereinlegen zu können. Nur was hatte er genau vor? Er hatte sich noch keinen Schritt bewegt, nachdem er die Tür hinter sich geschlossen hatte.


„Bin ich nicht.“


„Ich weiß nicht, was das hier soll, aber es ist nicht lustig. Gehen Sie.“


„Ich bin es wirklich. Ich bin nicht tot.“


„Ich war dabei als Niko gestorben ist. Wollen Sie jetzt sagen, ich hätte mir das nur eingebildet?“ Er wusste nicht, warum er mit diesem Kerl überhaupt diskutiert. Außer, dass er nicht wirklich eine Wahl hatte. Er wusste, dass er nicht in der Lage war, noch gegen irgendjemanden, irgendetwas ausrichten zu können. Alex hoffte definitiv nicht, dass der Fremde schaffte ihn davon zu überzeugen, dass Niko doch noch lebte.


„Hast du nicht. Also das - heute - alles ist wirklich passiert. Aber ich war da nicht tot.“ Das war so typisch Niko. Wenn er über etwas nicht reden wollte, druckste er immer herum und sagte viel, ohne irgendetwas zu sagen. Er verscheuchte den Gedanken. Das war nicht Niko. Das konnte nicht Niko sein.


„Also ist Niko getroffen worden. Von zwei Kugeln und spaziert jetzt wieder fröhlich durch die Gegend?“


„Ich ... heile schneller als andere.“ Das war wirklich so typisch Ni...


„In ein paar Stunden?“


Alex lachte hohl. Für einen sehr langen Moment herrschte Stille. Dann sagte nicht-Niko „ich bin ein Werwolf. Solange es keine Silberkugeln sind ...“ Der Tonfall. Es war genau der Tonfall, der hieß Niko zuckte mit den Schultern und warf ihm einen 'du weißt schon' Blick zu, ohne dass er seine Gesten beschreiben musste, weil Alex auch so ganz genau wusste, was er tat.


„Ein Werwolf“, wiederholte Alex tonlos.


„Ja.“


„Das ... das mit Berg“, ein Schauer überkam ihn bei der Erinnerung. Er war sich sicher, dass er diese Schreie nie vergessen würde.


„Ja.“


Was war das für ein Blödsinn? Glaubte er wirklich, dass Niko nicht nur nicht tot war, sondern sich auch noch in eine Bestie, einen Werwolf, verwandeln konnte? Eine Bestie, die dann Berg angefallen und zerrissen hatte? Er schüttelte heftig den Kopf. Dann presste er ein „sie sollten jetzt wirklich gehen“ hervor. Nichts passierte.


„Raus!“ Er rührte sich immer noch nicht.


„Regen.“ Vielleicht träumte er das gerade alles. „Du hast den Regen immer gemocht. Nicht nur wegen Spaziergänge, sondern auch einfach nur dasitzen, aus dem Fenster schauen und im Regen zuschauen. Das erzählst du den Leuten ungern, weil die immer erwarten, du würdest Sonnenuntergänge, Regenbögen oder so vermissen. Tust du auch, aber Regentage hatten immer was Beruhigendes für dich. Jetzt machen sie es für dich nur umständlicher, wenn du raus willst.“


„Das habe ich nicht nur dir erzählt.“ Er verbesserte sich sofort. „Das habe ich nicht nur Niko erzählt.“ Weil Niko nicht vor ihm stehen konnte. Niko war...


Nicht-Niko machte einen einzelnen Schritt auf ihn zu.


„Joe Mooney“ der Name ließ ihn zusammenzucken. Wie kam.... er ausgerechnet auf ihn? „Du hast vier Platten von ihm. Drei davon hörst du. Nicht regelmäßig, und besonders zwei, nur wenn du gerade in einer düsteren Stimmung bist, aber du hörst sie. Eine hast du, seit ich dich kenne, nie eingelegt, und als ich sie einmal vorgeschlagen habe, hast du so ausgesehen als würdest du mir gleich den Kopf abreißen. Du bist nicht der Typ, der Sachen aufhebt, die dir nicht gefallen, nur meine komplette Sammlung zu haben. Die Platte bedeutet dir was. Aber nichts Gutes.“


„Du“, brachte er nur heraus. Weiter kann man nicht, bevor ihnen ein Gefühlssturm traf, schlimmer als die Tritte, die ihm Berg versetzt hatte. Wie konnte Niko das gemerkt haben? Er hatte doch...


Niko.


Er versucht etwas zu sagen, brachte aber nichts als ein klägliches Wimmern zustande. Dann ging er los. Einen zögerlichen Schritt, dann überbekam es ihn - Kraft - Wut und er machte große Schritte, bis er genau vor Niko - Niko - stand.


„Ich dachte, du wärst tot.“ Noch einmal „ich dachte du wärst tot“, wiederholte er und begann dabei mit den Fäusten auf Niko einzuschlagen. Er sagt es noch einmal und schlug weiter und Niko rührte sich eine ganze Weile nicht, bis sie irgendwann dann doch nach Alex Handgelenken griff und sie festhielt.


„Es tut mir leid.“ Seine Stimme war nicht mehr als ein Flüstern. Dafür schrie jetzt Alex: „Es tut dir leid?“


„Ich.... Ich wollte dir das schon oft erzählen. So oft. Aber ich hatte immer zu sehr Angst. Davor, dass ... Wie du reagierst. Und dann habe ich es doch nicht. Aber …“, obwohl er direkt vor dem stand, musste Alex sich jetzt Mühe geben, die nächsten Worte zu verstehen. „Aber wenn ich das gewusst hätte. Das, was heute passiert. Ich hätte alles getan, um dir das zu ersparen“, seine Stimme brach und der letzte Zweifel, den Alex noch gehabt hatte verschwand. Das war Niko. Der echte Niko. Der lebendige Niko. Er wollte etwas sagen, brachte aber nicht mehr als ein Schluchzen heraus. Und dann brach es komplett aus ihm heraus und der konnte nicht mehr aufhören zu weinen. Niko ließ seine Hände los und nahm ihn in den Arm.


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