Verloren im Glanz
Sep. 9th, 2025 07:11 pmTeam: Drache
Challenge: Reverse – Licht am Ende des Tunnels (Fürs Team)
Fandom: Original
Warnung: Es wird das Thema Sterben und Tod behandelt
Wörter: 557
Clara lag auf dem Rücken, die Decke bis unter das Kinn gezogen. Jeder Atemzug war ein Kampf, ein scharfes Zischen in ihrer Brust, als würde ein Messer durch die Lungen schneiden. Dreißig Jahre alt, und doch fühlte sie sich, als hätte der Krebs ihr bereits Jahrzehnte gestohlen. Die Morphiumtropfen halfen kaum noch. Ihr Körper war erschöpft, ihr Wille zerschunden.
Seit Monaten war sie bei Dignitas angemeldet. Ein klarer Entschluss, kein Verzweiflungsakt: Der würdevollere Weg, als langsam in diesem Bett zu verfaulen. Der Gedanke daran war ihr einziger Trost gewesen. Doch der Krebs hatte sich schneller ausgebreitet, als die Bürokratie es zuließ. Ihr Körper verfiel, Stunde um Stunde.
An diesem Abend aber spürte sie etwas Neues. Ein Dröhnen in den Ohren, als ob die Welt selbst einen Atemzug anhielt. Sie versuchte, nach der Klingel zu greifen, doch ihre Finger rutschten ab. Alles verschwamm, schwarz um sie herum, nur ihr keuchendes Ringen nach Luft hielt sie fest.
Dann war da ein Tunnel. Endlos, dunkel, und am Ende ein Licht.
Zuerst dachte sie, es sei nur ein Hirngespinst, ein Morphiumtraum. Doch das Licht schimmerte, warm und golden, und sie fühlte sich von ihm angezogen. Glocken läuteten, sanft, einladend. Und sie sah Schemen im Licht – Flügel, Silhouetten, Engel, die ihre Arme ausstreckten.
„Endlich“, dachte sie. „Endlich Ruhe.“
Sie ging. Nicht mit Füßen, sondern mit etwas Tieferem, als würde ihre Seele sich vom Körper lösen. Jeder Schritt näher zum Licht ließ das Leiden kleiner werden. Sie spürte Leichtigkeit, die Ketten der Krankheit fielen ab.
Doch mit jedem Herzschlag veränderte sich das Licht.
Es flackerte. Gold wurde zu gleißendem Weiß, so grell, dass es brannte. Das Läuten der Glocken wurde schrill, metallisch, verzerrt – kein Trost mehr, sondern Warnung. Die Engelsflügel im Glanz verdrehten sich, Federn verwandelten sich in schwarze, zerfetzte Fetzen, die flatterten wie verbranntes Papier.
Clara blieb stehen. „Nein“, flüsterte sie, doch ihre Stimme hallte nur in der Leere.
Das Licht war kein Himmel. Es war ein Maul. Ein gigantisches, loderndes Maul, das sich öffnete, als hätte die Dunkelheit selbst Hunger. Funken stoben, glühende Zähne schnappten, und aus der gleißenden Flut starrten Fratzen – Gesichter, verzerrt vor Schmerz, geblendet von ewigem Feuer. Augen, die keine Augen mehr waren, sondern Löcher ins Nichts.
Die Glocken verwandelten sich in Schreie. Ein Chor des Leidens, der so laut wurde, dass Clara sich die Ohren halten wollte. Doch sie hatte keine Hände mehr, kein Fleisch, kein Körper – nur Bewusstsein, nur Angst.
„Bitte nicht…“, flehte sie, „ich wollte nur… Frieden.“
Das Maul lachte, tief und dröhnend, ein Laut, der durch Mark und Knochen fuhr, obwohl sie keine mehr hatte. Sie verstand es nicht mit Worten, sondern mit jeder Faser ihrer Existenz: Es gibt keinen Frieden. Nicht für dich.
Fratzen stürzten sich aus dem Maul auf sie zu, griffen nach ihr, packten sie, als wäre sie nur Rauch. Sie zerrten, schleppten, lachten mit Stimmen, die so alt waren wie die Finsternis selbst. Sie sah Kinder, Greise, Männer und Frauen, alle gefangen in verzerrten Körpern, verdammt, im gleißenden Licht zu vergehen und doch nie zu verschwinden.
Sie wollte zurück, zurück in ihren schmerzenden Körper, zurück zu den Tropfen, dem Bett, dem Leid, das wenigstens endlich war. Aber der Tunnel hinter ihr war verschwunden. Nur das Maul blieb.
Ein letzter Schrei entrang sich ihrer Seele, ein Schrei, der sich in das ewige Geheul mischte.
Und dann verschluckte die Hölle sie ganz.
Challenge: Reverse – Licht am Ende des Tunnels (Fürs Team)
Fandom: Original
Warnung: Es wird das Thema Sterben und Tod behandelt
Wörter: 557
Clara lag auf dem Rücken, die Decke bis unter das Kinn gezogen. Jeder Atemzug war ein Kampf, ein scharfes Zischen in ihrer Brust, als würde ein Messer durch die Lungen schneiden. Dreißig Jahre alt, und doch fühlte sie sich, als hätte der Krebs ihr bereits Jahrzehnte gestohlen. Die Morphiumtropfen halfen kaum noch. Ihr Körper war erschöpft, ihr Wille zerschunden.
Seit Monaten war sie bei Dignitas angemeldet. Ein klarer Entschluss, kein Verzweiflungsakt: Der würdevollere Weg, als langsam in diesem Bett zu verfaulen. Der Gedanke daran war ihr einziger Trost gewesen. Doch der Krebs hatte sich schneller ausgebreitet, als die Bürokratie es zuließ. Ihr Körper verfiel, Stunde um Stunde.
An diesem Abend aber spürte sie etwas Neues. Ein Dröhnen in den Ohren, als ob die Welt selbst einen Atemzug anhielt. Sie versuchte, nach der Klingel zu greifen, doch ihre Finger rutschten ab. Alles verschwamm, schwarz um sie herum, nur ihr keuchendes Ringen nach Luft hielt sie fest.
Dann war da ein Tunnel. Endlos, dunkel, und am Ende ein Licht.
Zuerst dachte sie, es sei nur ein Hirngespinst, ein Morphiumtraum. Doch das Licht schimmerte, warm und golden, und sie fühlte sich von ihm angezogen. Glocken läuteten, sanft, einladend. Und sie sah Schemen im Licht – Flügel, Silhouetten, Engel, die ihre Arme ausstreckten.
„Endlich“, dachte sie. „Endlich Ruhe.“
Sie ging. Nicht mit Füßen, sondern mit etwas Tieferem, als würde ihre Seele sich vom Körper lösen. Jeder Schritt näher zum Licht ließ das Leiden kleiner werden. Sie spürte Leichtigkeit, die Ketten der Krankheit fielen ab.
Doch mit jedem Herzschlag veränderte sich das Licht.
Es flackerte. Gold wurde zu gleißendem Weiß, so grell, dass es brannte. Das Läuten der Glocken wurde schrill, metallisch, verzerrt – kein Trost mehr, sondern Warnung. Die Engelsflügel im Glanz verdrehten sich, Federn verwandelten sich in schwarze, zerfetzte Fetzen, die flatterten wie verbranntes Papier.
Clara blieb stehen. „Nein“, flüsterte sie, doch ihre Stimme hallte nur in der Leere.
Das Licht war kein Himmel. Es war ein Maul. Ein gigantisches, loderndes Maul, das sich öffnete, als hätte die Dunkelheit selbst Hunger. Funken stoben, glühende Zähne schnappten, und aus der gleißenden Flut starrten Fratzen – Gesichter, verzerrt vor Schmerz, geblendet von ewigem Feuer. Augen, die keine Augen mehr waren, sondern Löcher ins Nichts.
Die Glocken verwandelten sich in Schreie. Ein Chor des Leidens, der so laut wurde, dass Clara sich die Ohren halten wollte. Doch sie hatte keine Hände mehr, kein Fleisch, kein Körper – nur Bewusstsein, nur Angst.
„Bitte nicht…“, flehte sie, „ich wollte nur… Frieden.“
Das Maul lachte, tief und dröhnend, ein Laut, der durch Mark und Knochen fuhr, obwohl sie keine mehr hatte. Sie verstand es nicht mit Worten, sondern mit jeder Faser ihrer Existenz: Es gibt keinen Frieden. Nicht für dich.
Fratzen stürzten sich aus dem Maul auf sie zu, griffen nach ihr, packten sie, als wäre sie nur Rauch. Sie zerrten, schleppten, lachten mit Stimmen, die so alt waren wie die Finsternis selbst. Sie sah Kinder, Greise, Männer und Frauen, alle gefangen in verzerrten Körpern, verdammt, im gleißenden Licht zu vergehen und doch nie zu verschwinden.
Sie wollte zurück, zurück in ihren schmerzenden Körper, zurück zu den Tropfen, dem Bett, dem Leid, das wenigstens endlich war. Aber der Tunnel hinter ihr war verschwunden. Nur das Maul blieb.
Ein letzter Schrei entrang sich ihrer Seele, ein Schrei, der sich in das ewige Geheul mischte.
Und dann verschluckte die Hölle sie ganz.