Das Lächeln, das schweigt
Sep. 5th, 2025 09:32 amTeam: Drache
Challenge: Angst - gute Miene zum bösen Spiel (fürs Team)
Fandom: Original
Für viele ist es wichtig die Wahrheit auszusprechen. Allerdings ist es einigen vergönnt, diesen Luxus auszuleben. Während der eine offen seine Meinung kommuniziert und dafür Lob erhält, dass er ehrlich und direkt ist, gibt es jene wie Caroline.
Ihre Gedanken waren frei, doch durften sie nicht ausgesprochen werden.
Kam die Wahrheit über ihre Lippen, musste sie mit den Konsequenzen leben. Aus Selbstschutz begann sie über die Jahre die Wahrheit für sich zu behalten.
Um dem ganzen zu entfliehen, begab sie sich Tag für Tag in die Welt eines MMORPG. Ihr neues zu Hause. Dort konnte sie sie selbst sein. Sagen was sie dachte. Keiner Verurteilte sie dafür. Im Gegenteil. Es gab positive Resonanzen. Für Caroline fühlte es sich gut an, als hätte sie endlich ein zu Hause gefunden. Ihr sonst so tristes Leben wurde in Farbe getaucht und strahlte. Es war eine Flucht aus der schwarz-weißen Welt.
Doch jeden Tag, musste sie ihr sicheres zu Hause verlassen, um ihrem Offline-Leben nachzugehen.
Ihr Gesicht zeichnete sich durch ein konstantes Lächeln aus. Ein Lächeln wie ein sorgfältig gemalter Schleier. Die Menschen um sie herum dachten, dass alles in Ordnung sei. Niemand hinterfragte dies, denn auf den ersten Blick schien sie ihr Leben zu lieben. Nach außen hin hatte sie die perfekte Maske. Das darunter jedoch ein junges Mädchen verborgen war, dem es täglich den Hals zuschnürte. Deren Puls raste und dem die Hände zitterten. Niemand hätte es vermutet.
Nach der Scheidung ihrer Eltern hatte sie sich dazu entschieden bei ihrer Mutter zu bleiben. Beide Elternteile hatten sie entscheiden lassen. Vom Regen in die Traufe.
War Caroline bei ihrem Vater, zog dieser über ihre Mutter her. Er titulierte sie meist als Hausdrachen. Die Ohren des Mädchens nahmen die Worte auf und sie wurden in ihrem Gehirn weiterverarbeitet, aber nie einen Kommentar dazu.
Andersherum das gleiche. Ihre Mutter zog oft über ihren Vater her, wie faul er doch wäre und dass er nie etwas hinbekommen würde.
Zwei sich bekriegende Parteien, zu viel für ein zehnjähriges Mädchen.
Doch wo war die Diskrepanz?
Öffnete sie ihren Mund, um etwas dagegen zu sagen, dass ihre Eltern ihre Differenzen bei ihr fortführten, kam von ihrer Mutter der Kommentar, dass sie doch zu ihrem Vater ziehen könnte.
Das wollte sie nicht. Die Wohnung ihrer Mutter war in der Stadt, in der sie großgeworden war, ihre Freunde waren dort. Sie wollte nicht weg.
Als wäre dies nicht ausreichend für ein junges Mädchen, erhob ihre eigene Mutter täglich ihre Stimme gegen sie. Die Metapher, mit welcher ihr Vater sie titulierte, Hausdrache, war für Caroline nicht immer so weit hergeholt. Oft prasselten Worte und Sätze auf sie nieder, welche sich tief in ihr Herz bohrten, sobald sie versuchte Gegenwehr verbal auszudrücken.
„Du kannst nichts!“
„Aus dir wird nie etwas!“
„Du bist genau, wie dein Vater“
Von Tag zu Tag wuchs die Angst davor etwas zu sagen. Ihr Leben verstrickte sich in Lügen, um den Worten ihrer Mutter zu entsprechen.
Aus Angst vor Zurückweisung, Negativierung und dem Spott anderer, was sie täglich zu Hause spürte, zog sie sich zurück. Schwänzte die Schule, belog ihre Mutter bezüglich ihrer Anwesenheit. Für sie war es Selbstschutz. Jeden Tag, wenn sich die Zeit 17:00 Uhr näherte wusste sie, dass es wieder los ging. Ihre Mutter lud ihre schlechte Laune von der Arbeit bei ihr ab. Carolines Bauch verkrampfte sich und es lag ein Druck auf ihrer Brust. Manchmal hatte sie das Gefühl zu ersticken.
Gute Miene zum bösen Spiel. Begleiter ihrer Jugend. Doch war ein solches Leben tragbar?
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Date: 2025-09-05 02:49 pm (UTC)no subject
Date: 2025-09-05 07:15 pm (UTC)