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Team: Kobold
Challenge: Orte - Im Supermarkt - für mich
Fandom: Helgoland 513
Charaktere: Marek und Silbermann
Wörter: 760


„Marek!“, ruft jemand seinen Namen, als er gerade vor dem Pesto steht und sich nicht entscheiden kann, auf welches er übermorgen Hunger haben wird. Marek dreht den Kopf, und er kann sich schon denken, dass es Silbermann ist, denn für viele hier ist er immer nur Tessas Mann und damit irgendwie ein Fremder.

„Georg, hey!“, begrüßt er ihn, die Hand halb erhoben, irgendwie unentschlossen, ob er einschlagen soll oder ob sie sich die Hände schütteln oder gar umarmen. (Sicher nicht. Sicher nicht mitten im Supermarkt, wo sie alle sehen können.) Silbermann zwinkert, gibt ihm einen kurzen, freundschaftlichen Klaps auf die Schulter.

„Ich dachte, du kommst erst morgen.“ Silbermann klingt nicht verletzt, nur überrascht und Mareks Lippen zucken.

„Einen Tag muss ich ja zum Arbeiten kommen.“ Das haben sie gut arrangiert. Alle paar Wochen fährt er auf die Insel, vordergründig, um ungestört zu schreiben und nach dem Ferienhaus zu sehen. Eigentlich aber, um Silbermann zu treffen, mit dem er sich ebenfalls gut arrangiert hat. „Und ich wüsste nicht, dass ich mich jetzt persönlich beim Bürgermeister anmelden muss. Oder muss ich einen Termin für eine Audienz vereinbaren?“ Marek greift nach dem dritten Glas von links, legt es zu den Nudeln in den Wagen und blickt wieder zu Silbermann.

„Kommt ganz auf dein Anliegen an…“ erklärt Silbermann mit gesenkter Stimme. „Aber sag nicht, dass es morgen Nudeln mit Pesto gibt. Nur weil du noch an der Uni arbeitest, musst du dich nicht wie ein Student ernähren.“

„Keine Forschungsgelder, kein Kaviar“, lacht Marek. „Nee, gibt schon was Vernünftiges. Lass dich überraschen.“ Er setzt sich in Bewegung, schiebt den Wagen langsamen Schrittes durch die Gänge und arbeitet seine Liste ab. Silbermann schlendert neben ihm her, beobachtet interessiert die Artikel, die im Wagen landen.

Ein, zwei andere Dinge verirren sich ebenfalls wie zufällig dazu und Marek fängt Silbermanns Blick auf, der nicht nur eine gemeinsame Nacht, sondern auch einen gemeinsamen Morgen verspricht und die Vorfreude, die ihn schon seit Tagen unruhig macht, steigert sich noch einmal. Gleichzeitig hat es etwas Beruhigendes, vertrautes gemeinsam durch die Gänge zu gehen, so wie er es sonst mit Tessa macht. Eine alltägliche Routine, die sie nie haben werden, fast einem Schauspiel gleich, wie sie sich so durch den Supermarkt bewegen und nach Angeboten und Benötigtem Ausschau halten, hier und da grüßen, Silbermann natürlich häufiger als er und nur Silbermanns wacher Blick verrät, dass sie sich so verraten könnten.

„Dann bringe ich einen Weißwein mit“, beschließt Silbermann, als er die richtigen Schlüsse aus Mareks Einkauf gezogen hat. „Einer, der auch schmeck, mein armer Akademiker.“

Marek lacht schnaubend und biegt in den ruhigeren Gang mit den Putzmitteln ein. Hier sind sie allein, beobachtet höchstens von den Überwachungskameras. „Ich hab die Tage gezählt, seit letzter Woche schon“, sagt er mit gesenkter Stimme, während er allem Anschein nach nach dem richtigen Waschmittel sucht.

Silbermann lehnt sich nah zu ihm, als müsse er ihm helfen, das richtige Produkt zu finden. „Die Ratssitzung habe ich gestern auch nur ausgehalten, weil ich wusste, dass du kommst.“

Marek klickt in gespielter Entrüstung mit der Zunge. „Herr Bürgermeister! Gar nicht bei der Sache!“

„Nicht, wenn ich nur daran denken kann, dass es in vierundzwanzig Stunden bei Verkehr weder um Fähren noch an Landmaschinen geht.“ Silbermann wirft einen schnellen Blick den Gang hinunter, dann landet seine Hand auf seinem Hintern, drückt kurz, aber fest zu.

„Georg!“, keucht Marek so überrascht wie atemlos. Sein Herz rast. Silbermanns Augen blitzen übermütig.

„Was?“, fragt er mit Unschuldsmine und greift beiläufig nach einem Allzweckreiniger, wirft ihn in den Wagen. Marek schüttelt nur den Kopf und folgt Silbermann zu den Kassen. Er atmet auf, als er dort nicht Beatrice, sondern einen gelangweilten und über die Maße pickligen Jugendlichen sitzen sieht.

Auf dem Parkplatz, im Schutz der geöffneten Autotür ist es erneut Silbermann, der Marek überrascht und ihn im Schutz der geöffneten Tür gegen das Auto drängt. „Krummer Mann, heute nach Sonnenuntergang?“ Er streift seine Wange, die Berührung ein Versprechen. Marek zieht die Unterlippe zwischen die Zähne, nickt kurz und erwartungsvoll. „Ich hab mir unser Wiedersehen nämlich ein bisschen anders vorgestellt.“

„Ach? Da investiert der Herr Suber in so einen schönen Markt und das passt dir nicht?“

„Es gibt bessere Orte, um vor dir auf die Knie zu gehen, aber gut.“ Silbermann zwinkert und tritt einen Schritt zurück, gerade, als Marek nach seiner Jacke greifen will. „Sei pünktlich!“ Damit wendet er sich ab, hebt die Hand zum Gruß und quert den Parkplatz, als hätte er ihm nicht soeben einen Blowjob in Aussicht gestellt und sie wirklich nur zwei Bekannte, die sich zufällig beim Einkaufen getroffen haben.

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