Reverse - Lieblingslied - für mich
Aug. 30th, 2025 08:31 pmTeam: Kobold
Challenge: Reverse - Lieblingslied - für mich
Fandom: Tatort Münster
Charaktere: Karl-Friedrich Boerne
Wörter: 600
Boernes Welt misst vier mal vier Meter, ist hell gefliest und besitzt neben einem Bett sogar ein WC und Waschbecken. Überaus großzügig dafür, dass er allem Anschein nach festgehalten wird, um als Druckmittel für Thiel zu dienen, die Ermittlungen in ihrem (seinem!, ruft eine Stimme, die verdächtig nach Thiel klingt) aktuellen Fall einzustellen. Natürlich hat er gewütet und geschrien, dass sie ihn herauslassen sollen, nachdem er aus seiner Betäubung (den Nebenwirkungen nach geht er von GBL aus) erwacht ist. Aber mittlerweile hat er sich mit seiner Situation arrangiert, nachdem alles betteln und flehen keine Erfolge gebracht hat und seine Würde immerhin noch einigermaßen intakt ist.
Thiel wird ihn schon befreien. Darauf setzt er. Auf Thiel war schon immer Verlass. Natürlich wird es ohne die Unterstützung durch einen genialen Partner, wie er es nun mal ist, etwas länger dauern, aber so lange er nur hier festgehalten wird und seine Entführer nichts anderes mit ihm anstellen, wird er diese Zeit eben absitzen. Erst am vergangenen Sonntag hat er einen Artikel eines geschätzten Kollegen gelesen und zum Glück ist er mit einem außergewöhnlich guten Gedächtnis gesegnet, sodass er den Brief, den er an ihn aufsetzen wollte, auch im Kopf formulieren kann.
Dann setzt die Musik ein.
Er hat den Lautsprecher für einen Teil einer Gegensprechanlage gehalten und erst findet er die Musik erbaulich. Schließlich ist es Wagner in der exzellenten Aufnahme mit Georg Solti am Pult. Unzählige Male hat ihn der Ritt der Walküren schon in den Feierabend getragen und fast genauso oft hat Thiel gegen die Wand zwischen ihren Wohnungen gebollert und sich am nächsten Morgen beschwert, dass er kaum ein Auge zugekriegt hat über den Lärm. Einen Kulturbanausen hat er ihn geschimpft!
Jetzt kriegt Boerne selbst seit anderthalb Wiedergaben vom Ring der Nibelungen kein Auge zu.
Nach der ersten Wiederholung, als ihm klar geworden ist, was hier passiert, hat er noch versucht sich abzulenken. Er hat sich vorgestellt in seiner Wohnung zu sitzen. Auf dem Sofa im Wohnzimmer, den Blick auf das Bücherregal gerichtet. Dort wäre das einzige Geräusch sein Atem gewesen. Ein und Aus. Ein und Aus. Ruhig. Zwölf bis Achtzehn mal in der Minute. Vielleicht hätte er auch das Ticken der Uhr in der Küche gehört, wenn er die Tür offen gelassen hätte. Sechzig Mal wäre der Sekundenzeiger vorgerückt, dann, etwas vernehmlicher, der Minutenzeiger.
Von draußen könnte er den Verkehr hören. Den Bus, der alle fünfzehn Minuten abfährt. Und alle neunzig Minuten die Kinder der nahen Grundschule, wenn sie in der Pause auf den Hof rennen. Unregelmäßiger eine Fahrradklingel. Einmal am Tag Thiel, dessen Wohnungstür quietscht.
Sekundenweise dämmert er weg, kann die Musik beinahe ausblenden, um dann nur wieder aufzuschrecken. Er krümmt sich auf der Matratze, presst sich das Kissen über den Kopf, aber die Musik ist genau so laut, dass sie alles durchdringt.
Erst schmerzen seine Ohren. Vollkommen klar. Die Ohren sind neben der Nase die einzige Körperöffnung, die der Mensch nicht selbst verschließen kann. Gegen das Licht kann er die Augen schließen und den Kopf ins Kissen graben. Selbst Finger in den Ohren oder darauf gepresste Hände bringen ihm nichts außer Schmerzen eben dort und in den Schultern. Die sind bereits nach der Götterdämmerung so verspannt, dass ihm der Kopfscherz bis zwischen die Augen schießt.
Ab da beginnt sein ganzer Körper zu protestieren, bis er sich auf den Fliesen krümmt wie ein Wurm.
Er rauft sich die Haare. Schreit gegen Wolfgang Windgassen an, bis er Blut schmeckt. Jammert. Fleht. Hebt auf Knien die Hände wie zum Gebet. Alles ist Musik, jede Zelle seines Körpers scheint zu vibrieren, es durchdringt ihn ganz. Tränen rinnen ihm über die Wangen.
Challenge: Reverse - Lieblingslied - für mich
Fandom: Tatort Münster
Charaktere: Karl-Friedrich Boerne
Wörter: 600
Boernes Welt misst vier mal vier Meter, ist hell gefliest und besitzt neben einem Bett sogar ein WC und Waschbecken. Überaus großzügig dafür, dass er allem Anschein nach festgehalten wird, um als Druckmittel für Thiel zu dienen, die Ermittlungen in ihrem (seinem!, ruft eine Stimme, die verdächtig nach Thiel klingt) aktuellen Fall einzustellen. Natürlich hat er gewütet und geschrien, dass sie ihn herauslassen sollen, nachdem er aus seiner Betäubung (den Nebenwirkungen nach geht er von GBL aus) erwacht ist. Aber mittlerweile hat er sich mit seiner Situation arrangiert, nachdem alles betteln und flehen keine Erfolge gebracht hat und seine Würde immerhin noch einigermaßen intakt ist.
Thiel wird ihn schon befreien. Darauf setzt er. Auf Thiel war schon immer Verlass. Natürlich wird es ohne die Unterstützung durch einen genialen Partner, wie er es nun mal ist, etwas länger dauern, aber so lange er nur hier festgehalten wird und seine Entführer nichts anderes mit ihm anstellen, wird er diese Zeit eben absitzen. Erst am vergangenen Sonntag hat er einen Artikel eines geschätzten Kollegen gelesen und zum Glück ist er mit einem außergewöhnlich guten Gedächtnis gesegnet, sodass er den Brief, den er an ihn aufsetzen wollte, auch im Kopf formulieren kann.
Dann setzt die Musik ein.
Er hat den Lautsprecher für einen Teil einer Gegensprechanlage gehalten und erst findet er die Musik erbaulich. Schließlich ist es Wagner in der exzellenten Aufnahme mit Georg Solti am Pult. Unzählige Male hat ihn der Ritt der Walküren schon in den Feierabend getragen und fast genauso oft hat Thiel gegen die Wand zwischen ihren Wohnungen gebollert und sich am nächsten Morgen beschwert, dass er kaum ein Auge zugekriegt hat über den Lärm. Einen Kulturbanausen hat er ihn geschimpft!
Jetzt kriegt Boerne selbst seit anderthalb Wiedergaben vom Ring der Nibelungen kein Auge zu.
Nach der ersten Wiederholung, als ihm klar geworden ist, was hier passiert, hat er noch versucht sich abzulenken. Er hat sich vorgestellt in seiner Wohnung zu sitzen. Auf dem Sofa im Wohnzimmer, den Blick auf das Bücherregal gerichtet. Dort wäre das einzige Geräusch sein Atem gewesen. Ein und Aus. Ein und Aus. Ruhig. Zwölf bis Achtzehn mal in der Minute. Vielleicht hätte er auch das Ticken der Uhr in der Küche gehört, wenn er die Tür offen gelassen hätte. Sechzig Mal wäre der Sekundenzeiger vorgerückt, dann, etwas vernehmlicher, der Minutenzeiger.
Von draußen könnte er den Verkehr hören. Den Bus, der alle fünfzehn Minuten abfährt. Und alle neunzig Minuten die Kinder der nahen Grundschule, wenn sie in der Pause auf den Hof rennen. Unregelmäßiger eine Fahrradklingel. Einmal am Tag Thiel, dessen Wohnungstür quietscht.
Sekundenweise dämmert er weg, kann die Musik beinahe ausblenden, um dann nur wieder aufzuschrecken. Er krümmt sich auf der Matratze, presst sich das Kissen über den Kopf, aber die Musik ist genau so laut, dass sie alles durchdringt.
Erst schmerzen seine Ohren. Vollkommen klar. Die Ohren sind neben der Nase die einzige Körperöffnung, die der Mensch nicht selbst verschließen kann. Gegen das Licht kann er die Augen schließen und den Kopf ins Kissen graben. Selbst Finger in den Ohren oder darauf gepresste Hände bringen ihm nichts außer Schmerzen eben dort und in den Schultern. Die sind bereits nach der Götterdämmerung so verspannt, dass ihm der Kopfscherz bis zwischen die Augen schießt.
Ab da beginnt sein ganzer Körper zu protestieren, bis er sich auf den Fliesen krümmt wie ein Wurm.
Er rauft sich die Haare. Schreit gegen Wolfgang Windgassen an, bis er Blut schmeckt. Jammert. Fleht. Hebt auf Knien die Hände wie zum Gebet. Alles ist Musik, jede Zelle seines Körpers scheint zu vibrieren, es durchdringt ihn ganz. Tränen rinnen ihm über die Wangen.
no subject
Date: 2025-08-30 07:44 pm (UTC)no subject
Date: 2025-08-30 07:56 pm (UTC)no subject
Date: 2025-09-02 07:15 am (UTC)Wow, wie brutal...! Das ist so eine perfide Art von Folter. Ich wünschte, ich hätte deine Geschichte einen Tag früher gelesen, sie bietet so eine perfekte Inspirationsquelle für meine aktuelle Geschichte.
Wird es eine Fortsetzung geben?? Vllt mit einem H/C-Prompt?