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Team: Kobold
Challenge: Schreibaufgaben — Flashback (für mich)
Fandom: Mord in Wien
Charaktere: Carl und Family, Franziska Malzer



Brenner verbrachte langsam wesentlich mehr Zeit damit, auf seine Uhr zu schauen, als auf die Überwachungsvideos, die er eigentlich überprüfen sollte. Das entging auch Malzer nicht.


„Müssen Sie heute noch irgendwo sein?“ Ertappt ließ er seinen Arm sinken, und starrte wieder auf den Bildschirm, aber Malzer ließ nicht locker. „Raus mit der Sprache.“


„Meine Tochter hat heute ihre Ballettaufführung“, murmelte er.


„Warum haben Sie das nicht gesagt?“, fragte sie. Brenner senkte betreten den Kopf, „Wann?“


„In einer Stunde, aber ...“


„Ja dann los. Bei dem Feierabendverkehr wird das ja dauern, bis Sie irgendwo sind.“ Überrascht starrte er sie an. „Oder ist das hier nebenan?“


„Nein.“


„Dann los.“ Sie gestikulierte Richtung Tür. Brenner warf Carl noch einen verwirrten Blick zu, aber er würde Malzer hier sicher nicht widersprechen.




Er war nicht nach unten gekommen, um seine Eltern zu belauschen. Eigentlich hatte er nur sein Buch hier vergessen, aber als er seinen Namen hörte, verbarg er sich schnell hinter dem Schrank, so, dass man ihn durch die geöffnete Wohnzimmertür nicht sehen würde.


„Es ist Carls erste Aufführung“, hörte er seine Mutter.


„Ich werde diesen Termin nicht sausen lassen, nur damit ich einer Horde Sechstklässler dabei zuzuhören, wie sie Beethoven verunstalten.“


„Es würde ihn aber sehr freuen, wenn du kommst.“


„Ich kann aber nicht. Er wird ja einsehen können, dass sich die Welt nicht um sich dreht. Und wenn nicht, muss er es langsam lernen.“




„Natürlich. Voller Weinkeller, aber keine Ahnung von der Weinherstellung“, spottete Malzer mit so überraschend gutmütigem Unterton, dass Carl gar nicht einwarf, dass er keinen Weinkeller besaß. Stattdessen wartete er, dass sie ihr Gespräch über Holzarten für Weinfässer mit dem Winzer beendete, und sie sich wieder auf das eigentlich relevante - den ermordeten Geschäftsführer - konzentrieren konnten. Tatsächlich war das Thema bald abgeschlossen. Der Winzer warf Malzer noch einen fragenden Blick zu, „Das lernt man aber nicht bei der Polizei.“


Sie lachte etwas wehmütig. „Nein. Meine Eltern ... War bei denen aber eine Nummer kleiner als bei Ihnen.“


„Verstehe. Und Sie ...?“


„Das war nichts für mich.“


Jetzt lächelte er wehmütig. „Für meinen Sohn ist das auch nichts.“ Eine Weile schwieg er, dann fuhr er fort: „Das war erst gar nicht so leicht. Aber jetzt ist er Lehrer und so glücklich damit. Das ist das wichtigste.“


Carl zwang sich nicht ungehalten zu fragen, ob das für den Fall relevant war.




„Wie lang willst du mit diesem Blödsinn noch weitermachen?“


„Ich weiß nicht, was du meinst.“ Er wusste, das war kindisch, aber er wollte, dass sein Vater es aussprach. Natürlich tat er das nicht. Er starrte ihn einfach nur vorwurfsvoll an. Carl starrte zurück.


Sein Vater gewann dieses Spiel immer. Carl machte einen Schritt zurück und schaute weg. „Ich mach genau das, was ich will.“


„Das konntest du schon immer gut. Machen, was du willst, ohne darüber nachzudenken, was das für uns bedeutet.“ Carl setze zu einer Verteidigung an, aber sein Vater war noch nicht fertig. „*Polizist*. Was glaubst du, werden die Leute sagen, wenn sie erfahren, dass du Knöllchen verteilst.“


Er hätte jetzt einfach ruhig erklären sollen, dass sein Ziel nicht war Streifenpolizist zu werden, und dass er schon auf einem guten Weg in den leitenden Dienst war, aber sein Vater hatte ihn schon wieder so wütend gemacht, dass er nur sagte: „Ich weiß nicht. Was sagen die Leute denn darüber, dass gegen den Sohn vom Schwarzenberg wegen Steuerhinterziehung ermittelt wird?“


Seinem Vater stieg die Zornesröte ins Gesicht. „Raus! Wenn du dich nicht wie ein erwachsener Mensch verhalten kannst, raus hier!“




Ihr Opfer hatte seinen letzten Abend eindeutig mit zu vielen Personen verbracht, die auch noch über ganz Wien verteilt wohnten. „Also wohin jetzt?“, er wollte nach dem Tablet, auf dem alle relevanten Informationen waren, greifen, aber Malzer unterbrach ihn scharf.


„Nein.“


Er schaute sie verwirrt an.


„Ich meine, ich brauch einen Moment.“ Sie lächelte entschuldigend und zog ihr Handy aus der Tasche. „Mia ist krank. Erkältet. Nicht schlimm, aber hartnäckig. Ich will sie nur kurz anrufen, falls ich heute erst heimkomme, wenn sie schon schläft.“


„Natürlich.“




„Hey“, Marie hatte zwar geklopft, aber nicht auf ein Herein gewartet, bevor sie die Tür geöffnet hatte. Nicht, dass sie ihn bei irgendetwas überraschen könnte. Einfach nur wach sein, kostete ihn momentan noch viel Kraft.


„Hey.“


„Wie fühlst du dich?“


„Erschöpft und sehr froh über die guten Schmerzmittel hier, also genauso wie vor zwei Stunden.“


Marie verzog das Gesicht, und er bereute sofort, was er gesagt hatte. Er war ja froh, dass sie hier war. Aber dann schaute er sich Maries gequälten Gesichtsausdruck noch einmal an. Da steckte mehr dahinter, als ein dummer Spruch von ihm.


„Lass mich raten. Er wird nicht kommen.“ Maries Gesicht sprach Bände. „Vollkommen verständlich. Fasane jagen kann man ja nicht so oft. Und die Schusswunde war ja nicht lebensgefährlich. Da muss man priorisieren“


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