mein paradoxes Heil
Aug. 28th, 2025 12:32 amTeam: Drache
Challenge: Sinneseindrücke – Tinnitus (fürs Team)
Fandom: Original
An der Kasse haftete ihr Blick auf dem Einkauf, der mit dem Kassenband Zentimeter für Zentimeter nachrückte. Vor ihr stand eine Frau mittleren Alters mit zwei Kindern, die wohl noch nicht im schulpflichtigen Alter waren. Die Kinder tänzelten um den Einkaufswagen herum, während sich im Gesicht der Mutter deutlich ablesen ließ, dass sie mit der Situation überfordert war. Das Rauschen in ihren Ohren wurde intensiver, begleitet von einem nervenaufreibenden Piepen. Nicht, dass es einen Unterschied gemacht hätte zu dem Geschrei der Kinder, die vergeblich nach Süßigkeiten verlangten, die an der Kasse präsentiert wurden. Ein altbekannter Verkaufstrick, der die Eltern an den Rand des Wahnsinns trieb und die Händlerkassen klingeln ließ. Eine Strategie, der man selbst als Erwachsener erlag, wenn man unzufrieden war und das Bedürfnis nach Glück oder Sättigung unbewusst die Hand in Richtung der bunten Verpackungen lenkte. Irgendwie amüsierte es sie, dass das Geschrei der Kinder leiser wirkte, je mehr sie sich auf das Piepen konzentrierte, welches sich stattdessen verstärkte. Es klang, als wären sie in weiter Ferne, obwohl sie kaum einen Meter entfernt standen. Erst ein genervtes „Hallo?“ der Kassiererin riss sie zurück in das Hier und Jetzt. Immer noch begleitet von einem Rauschen und Piepen in ihren Ohren, doch wieder gedämpfter. „Fünf Euro achtunddreißig,“ sagte die Frau an der Kasse. Immer noch genervt. Nicht, dass sie während der Arbeit etwas Anderes zu tun gehabt hätte, aber die Schlange Menschen hinter ihr, welche selbst darauf warteten, bezahlen zu können, erwarteten, dass die Kassiererin sich gleich um ihren Einkauf kümmerte. Wortlos bezahlte sie ihren Einkauf und verließ das Geschäft. Hinter der gläsernen, automatischen Schiebetür erwarteten sie weitere Geräusche. Hupende Autos, streitende Menschen, bellende Hunde und diverse andere Klänge, die unweigerlich an ihre Ohren dringen würden. Doch eines war klar, das Piepen würde sie weiter begleiten, wie auch schon die letzten Wochen. Sie wusste genau, was es war, doch redete sie sich ein, keine Zeit zu haben, zum Arzt zu gehen. Das Klingeln, welches zu ihrem ständigen Begleiter wurde, war keine Krankheit – nicht für sie. Es war eine Begleiterscheinung, ein Symptom. Ihr Leben, ihre Arbeit. Es überlastete sie. Ihr Körper remonstrierte mit diesem monotonen Summen und wenn es zu viel wurde, verstärkte sich das Piepen. Doch immer wieder sagte sie sich, dass sie keine Zeit hatte, zum Arzt zu gehen. Stattdessen lernte sie es zu nutzen, um störende Geräuschkulissen auszublenden. Auch auf ihrer Arbeit brachte es ihr einen fast stillen Raum für sich in ihren Gedanken, zwischen der Bitte nach Schmerztabletten, über das ständige Piepen der Klingel, die Meckerei der Kollegen, die Fragen der Angehörigen. Für sie war es keine Last, sondern die Rettung. Ein Schutzschild, der vor dem kompletten Zusammenbruch schützte – ihn zumindest ein paar Tage aufschob. eine Frau mittleren Alters mit zwei Kindern, die wohl noch nicht im schulpflichtigen Alter waren. Die Kinder tänzelten um den Einkaufswagen herum, während sich im Gesicht der Mutter deutlich ablesen ließ, dass sie mit der Situation überfordert war.