[identity profile] agadinmar.livejournal.com posting in [community profile] 120_minuten
Titel: Spieltrieb
Schreiberling: [livejournal.com profile] agadinmar
Fandom: Criminal Minds
Pairing: Rossi/Hotch
Rating: PG-16
Warnungen: Fehler (denn es ist ungebetat - wie immer), Sprache, Unsinn *drop*
Wordcount: 1.751
Prompt: #1 Pinkelpause, #2 Ohne Worte
A/N: Ich fand beide Prompts so toll, dass ich sie kurzerhand verbunden habe (nur leider hatte ich gestern keine Zeit mehr, um es zu posten). Außerdem wollte ich schon eine Pinkel-Story schreiben, seit ich die tolle Herrenkloszene der Blooper der dritten Staffel gesehen habe (♥). Es tut mir wirklich sehr leid! wirklich.
Summary: Der tut nix, der will nur spielen




Die Nachbesprechung in dem kleinen texanischen Nest hatte sich zu einer Kaffee verzehrenden Höllensitzung entwickelt, übersättigt mit Fragen und Kommentaren, auf die Hotch gerne verzichtet hätte. Der Fall an sich war kompliziert und schwierig genug gewesen, hatte sie viel zu lang im Dunkeln gelassen, dass ihm auch ohne die bissigen Fragen der Kleinstadtreporter der Schädel schwirrte. Alles in ihm schrie nach Schlaf, nach Essen, nach einer Heimfahrt zu seinem Haus, seinem gemütlichen Bett – und er wusste, dass er nichts davon bekommen würde.

Sein Haus war verkauft, sein Bett war ungemütlich, neu, und viel zu kalt, wenn er alleine darin lag, und dass er Hunger hatte vergaß er sowieso meist.

Suchend sah er sich in dem Konferenzsaal des Gemeindehauses von Chickabuck County um, einem Dorf das genauso aussah wie es hieß.

JJ befand sich immer noch in der Diskussion mit den hartnäckigsten Presseleuten, obwohl die Besprechung schon zu Ende war. Er wusste nicht, wie JJ bei solch penetranten Personen ihre Freundlichkeit bewahren konnte, und bewunderte diese Fähigkeit an ihr. Er selbst konnte gut und gerne auf diese Auseinandersetzungen verzichten, auch wenn er wusste, dass sie nötig waren.

Mit einem knappen Winken gab er ihr zu verstehen, dass er kurz verschwand. Die Presse hatte längst genug von seinen wortkargen Antworten, er hatte genug von ihren lauten und ungebührlichen Fragen und überdies hatte er auch genug von dem grausamen Kaffee, den die Kantine des hiesigen Polizeibüros während der Besprechung immer wieder nachgeschenkt hatte.

Nach kurzem Suchen fand er den einzigen Raum im ganzen Gebäude, der das unverkennbare Symbol für ein Herrenklo trug. Die Tür war verschrammt und sah so aus, als wollte er sie lieber nicht mit bloßen Händen anfassen (oder sollte er die Tür berühren, war er sich sicher, dass er ohne Hände waschen auf keinen Fall sein bestes Stück anfassen wollte).
Chickabuck County, dachte er genervt. Was kommt als nächstes? Bumfuck, Tennessee? Wenigstens der Gedanke lockte ein Schmunzeln auf sein Gesicht und für eine Sekunde verdrängte das die Gewitterwolke schlechter Laune von ihrem Posten.

Schritte wurden hinter ihm laut, hart, resolut, und er sprach ein kurzes Gebet zu den Göttern, an die er längst nicht mehr glaubte, dass es nicht auch noch der schiefzähnige Deputy war, der ihm seit Einsatzbeginn an der Seite klebte wie ein zäher Kaugummi. Das letzte, was er jetzt wollte, war, dass ihm sein ‚Fan’ auch noch beim Pinkeln auf den Schwanz sah.

Umso größer war die Überraschung, als ihm Rossi unvermittelt auf die Schulter klopfte, dann völlig selbstverständlich die Tür mit dem Ellenbogen aufdrückte und an ihm vorbei ging, gelassen und ruhig, so als wäre er nur hergekommen, um ihm die Tür aufzuhalten. Hotch grinste über die Geste. Kavalier alter Schule, hm?, dachte er.

Das süffisante Grinsen, das er als Antwort bekam, sprach Bände und kopfschüttelnd trat er ein.

Die Toilette roch so schlimm wie er es erwartet hatte und sah auch nicht besser aus. An den Wänden hingen Uralt-Pissoirs, offene Münder mit Urin- statt Zahnstein, zwei an der kurzen Wand, vier an der langen Wand, an der auch zwei Waschbecken thronten und bis auf zwei Deputies, die Hotch während der gesamten Ermittlung noch nicht persönlich getroffen hatte, war der Raum leer.

Rossi nickte zu dem Pissoir-Duo und Hotch wusste, dass er das gleiche dachte. Lieber du, als dass so ein Hilfssheriff einen neugierigen Blick auf das Equipment vom FBI wirft.
Er nickte zustimmend und trat an das linke, Rossi an das rechte Pissoir.

Das Ratschen von Rossis Reißverschluss war laut, der seiner eigenen Hose – Anzugtuch nicht Jeans wie bei Rossi – war lautlos und als er Rossis langgezogenen Seufzer hörte, gefolgt von lautem Plätschern, lachte er kurz auf. Noch ein Opfer des schrecklichen Kaffees...

Während Reid fast zu sterben schien, wenn man ihn auf der Toilette traf oder kaum glauben konnte, dass sich auch sein Teamchef mit solch banalen Dingen wie ‚Wasser lassen’ auseinandersetzen musste, war Rossi so pragmatisch wie immer. Und wahrscheinlich war es wenig verwunderlich, wenn man bedachte, dass sie schon gemeinsam weit schlimmere Geschichten ausgestanden hatten, als zusammen pinkeln zu gehen.

Als er aufsah, den Blick auf die Fliesen – treu dem Ehrenkodex auf dem Herrenklo - sah er in der Reflektion der Fliesen, dass Rossi zu ihm sah. Er schnaubte und schüttelte den Kopf.

Das ist nicht dein Ernst?

Im Hintergrund begann einer der Deputies seinen Waschgang am Waschbecken, während der andere von seiner Freundin erzählte.

Hotch schüttelte noch einmal den Kopf. Sie hatten sich nach Rossis erster Scheidung gemeinsam betrunken, nach seiner ersten Scheidung waren sie gemeinsam um die Häuser gezogen und jetzt, nach zu wenig Schlaf und in einem Dorf, das hieß wie eine Geschlechtskrankheit, sah ihm Rossi beim Pissen auf den Schwanz?

Grinsend zuckte Rossi mit den Achseln. Warum nicht? Nichts, was ich nicht schon gesehen hab... sagte sein Blick – und darauf hatte Hotch, wenn er ehrlich war keine Antwort.

Sie hatten seit ihrem letzten Abend - dem Abend – nicht mehr geredet, ohne dass er genau wusste, warum. Wahrscheinlich weil es ihm unangenehm war, dass es ihm nicht unangenehm war, wenn er an die Nacht in Daves Haus dachte, wie Rossi ihn auf der Arbeit eingesammelt hatte, als wäre er ein herrenloser – frauenloser – Streuner, der ein warmes Nest und liebe Hände suchte. Und natürlich, weil er befürchtete, dass es Dave unangenehm sein könnte. Dave, dem Mann, dem sonst nichts peinlich war und der ein Ego hatte, das problemlos die gesamte BAU ausfüllen konnte.

Ihre Freundschaft hatte vier Frauen, vier Scheidungen, Jahre in denen sie keinen Kontakt hatten – all das hatte die Freundschaft ausgehalten, doch eine Nacht in Rossis Bett mit ungeschickten Handjobs, weil keiner mutig genug oder betrunken genug war, um dem anderen einen zu blasen, hatte eine tiefe Kerbe hinterlassen.

Hotch sah wieder auf die Fliesen. Es hatte ihn überrascht, dass Dave ihn nicht einfach ignorierte, so wie er es bislang getan hatte. Wenn er ein weiteres Spielchen wollte, einen seiner kleinen Machtkämpfe, die ihm offenbar mit Hotch am meisten Spaß machten, dann sollte er sich besser anstellen, als ihn so plump aus der Fassung bringen zu wollen. Wieder schüttelte er en Kopf, als er Daves Blick in der Fliesenreflektion bemerkte.

Als könnte er seine Gedanken lesen und würde sich prächtig darüber amüsieren, grinste Dave. Selbstsicher und mit der Spur Arroganz, die ihn wie eine Aura umhüllte.

Diesmal nickte er zu einer Stelle oberhalb der Pissoirspülung Lies mal.

Verblasster Marker, der den halbherzigen Putzversuchen einer wenig ambitionierten Reinigungskraft nur unvollständig gewichen war, zierte die Fliesen.

Ding-a-long-dong

Sehr witzig. Er verzog das Gesicht und seine Stirn legte sich in tiefe Falten.

Rossi schnaubte und mit der Hand, die nicht bei der Arbeit war, deutete er auf einen anderen Schriftzug, der der Farbe nach neu war, aber seitlich – in Rossis Richtung verlief, so dass er Hotchs Blicken, die in jede Richtung, aber nicht zu Rossi gingen, entgangen war.

Hotchs Augen weiteten sich, sein Atem stockte für eine Sekunde, als er fand, worauf Daves gestreckter Finger tippte.

Ficken?

Was sollte das sein? Ein Scherz? Ein Angebot? Ein ‚Wäre doch kein schlechter Plan, kennst du ne Bar, in der wir Ladies auftun können?’

Eine von Daves Augenbrauen wölbte sich zu der fragenden Kurve, die Hotch wahnsinnig machen konnte, wenn sie von eben diesem arroganten Lächeln begleitet wurde.

Oh, bitte! Sich von Dave veralbern zu lassen, nachdem sie bereits eine Nacht und eine Woche voller Schweigen trennte, war noch schwieriger zu ertragen, als die kleineren Reibereien zuvor. Er seufzte, auch wenn er sich über solche Witze wahrscheinlich geschmeichelt fühlen sollte, als frisch geschiedener Mittvierziger.

Ein wenig gereizt, zwar ohne schmerzende Blase, aber jetzt mit schmerzender Laune, schloss Hotch seine Hose und ging zum Waschbecken. Seife war offenbar genauso Mangelware wie Putzmittel, darum begnügte er sich mit raschem Händewaschen unter kaltem Wasser. Genervt schüttelte er die Wassertropfen von den Händen, denn Handtücher gab es in Chickabuck County offensichtlich auch nicht.

Ohne sich noch einmal nach Rossi umzusehen, lief er auf den Ausgang zu. Der Tag war mies, Daves Witze waren mies und Gott gnade dem nächsten Reporter, der ihn nach dem ‚Fehlschlag des FBIs’ fragen sollte.

Er hatte den Gang kaum passiert, die Halle noch nicht erreicht, in der die grausame Besprechung stattgefunden hatte, als das Handy in seiner Jackentasche vibrierte.

Was denn jetzt noch? Er zog es raus, ohne extra zu stoppen und sah, dass das Symbol für neue Textnachrichten blinkte. Irritiert blieb er stehen. Jeder vom Team würde ihn suchen oder anrufen –und er hoffte inständig, dass es zu allem Überfluss nicht auch noch Haley war, um seinem Tag und seiner Laune den finalen Todesstoß zu versetzen.

Wie immer, warten änderte gar nichts, darum drückte er die Taste, um die Nachricht anzuzeigen:

Ignorier mich nicht noch einmal, Aaron. Heute Abend, 19.30 Uhr bei mir.

Wieder wurden Schritte hinter ihm laut und diesmal wusste er, wer durch den Gang spazierte, aufrecht und selbstsicher - und er stand hier wie angewurzelt, perplex und überrascht.

Eine Hand legte sich von hinten auf seine Schulter, klopfte zweimal, dreimal, als wäre er ein braver Hund, der vor dem Laden – oder in diesem Fall vor dem Herrenklo – auf sein Herrchen gewartet hatte. Dann griff Dave seinen Oberarm und wie um die Illusion perfekt zu machen, zog ihn mit sich in Richtung Halle, den tadelnden Wir wollen die anderen doch nicht warten lassen- Blick in den Augen und das arrogant-amüsierte Grinsen auf den Lippen.

Es gefiel Dave, was auch immer er sich hier überlegt hatte, auch das verriet das Grinsen. Und es verriet, dass Dave wusste, dass Hotch zu ihm kommen würde, ganz der herrenlose Streuner, der er war. Und wieder musste Hotch feststellen, dass ihm der Gedanke nicht unangenehm war, obwohl er es wahrscheinlich sein sollte – nicht einmal im Geringsten.

Okay. In Ordnung. Sein Blick senkte sich und er fühlte wie sich ein Schmunzeln auf seine Lippen kämpfte, während er mit seiner Linken das Handy verstaute und sich Rossis Finger von seinem Arm lösten.

Das Grinsen von Rossis Lippen verschwand, wurde zu dem charismatischen, selbstsicheren Sehr schön- Lächeln und er öffnete die Tür, hielt sie für Hotch auf, genau wie zuvor die Toilettentür.

Schnaubend ging er an Dave vorbei, aufgewühlt, dass Dave dieses Spielchen tatsächlich ernst meinte – und dass er selbst darauf eingestiegen war.

Eine Traube Reporter, die inzwischen wohl von JJs Antworten genug hatten, umringten sie, als wären sie heute noch nicht etlichen Fragen Antwort leisten müssen, doch zu seiner eigenen Überraschung war ihm die Presse gerade relativ egal. Genau wie sein altes Haus, seine neue, leere Wohnung oder sein kaltes Bett.

Nun ja, vielleicht würde dieser Tag ja tatsächlich besser enden, als er begonnen hatte.

Date: 2008-10-31 07:47 am (UTC)
From: [identity profile] dunderklumpen.livejournal.com
Holy Crap! Toll! Dave ist sowas von ic, dass es eigentlich schon weh tut. Wunderbar geschrieben mit ein paar humorvollen Momenten. Ich hatte meinen Spaß!
Die SMS war klasse und ein sehr guter Kunstgriff. So wie du es beschrieben hast, kann ich mir das Pairing wirklich vorsetellen. - Du weißt ja, dass das nach einer Fortsetzung geradezu schreit... PWP und so *devil grin*

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