Team: Kobold
Challenge: Angst - Eingeholt von der Vergangenheit - für mich
Fandom: Tatort Saarbrücken
Charaktere: Leo & Adam
Wörter: 785
Leo setzt den Blinker und zieht in die Parkbucht am Straßenrand. Er stellt den Motor aus, schnallt sich ab und steigt aus und Adam blickt ihm irritiert hinterher, erwartet fast, dass es Leo hochkommt und er in den Straßengraben kotzt, so blass, wie er seit dem Morgen ist.
Aber nichts dergleichen passiert, als steigt Adam ebenfalls in die feuchte Luft aus. Kein Regen, aber auch kein Nebel. Dicht hängt die Feuchtigkeit zwischen den Nadelbäumen, legt sich auf die Schultern seine Wachsjacke und auf seine Haare. Fröstelnd zieht er die Schultern hoch, schnieft.
Er tritt um das Auto herum, dorthin, wo Leo steht und in den Wald starrt. Aus dem blassen, dünnen Jungen ist ein blasser, dünner Mann geworden, der mit runden Schultern vor ihm steht und ihn mit unergründlichem Ausdruck in den Augen ansieht, als könne er sich nicht entscheiden, wie er reagieren soll. Adam steht auch nur da, wie vor Gericht, senkt kurz den Kopf und als er wieder aufblickt, scheint Leo eine Entscheidung getroffen zu haben, denn er macht einen Schritt auf ihn zu.
Adam zieht die Schultern stramm, ist nicht bereit, dass Leo ihn jetzt umarmt, da stößt ihm Leo mit beiden Händen gegen die Schultern. So unerwartet heftig, dass er einen Schritt zurücktaumelt. Er keucht, sein Atem weißer Dunst, der sich mit der feuchten Luft mischt, aber er sagt nichts, kriegt nichts raus, kann nur Leo anstarren.
Zwischen Leos Augenbrauen steht eine steile Falte und er sieht auf seine Hände, als wäre er überrascht über seine eigene Kraft. Aber dann fängt er sich, ballt die Fäuste und die Kälte in Leos Blick zieht Adam unter die Haut.
„Verpiss dich, Adam. Mir egal, wie du’s machst. Hast du ja schonmal geschafft“, spuckt er ihm vor die Füße. „Ich hab auch ohne dich genug Probleme.“ Leo kickt gegen einen Stein, als er sich abwendet und zum Auto zurück geht.
„Mann, Leo!“, ruft Adam, reißt sich aus seiner Starre und geht ihm hinterher. „Warte!“ Aber Leo wartet nicht, schmeißt sich auf den Fahrersitzt und fährt so heftig an, dass der Kies unter den Reifen spritzt. Der Wagen schlingert kurz bevor Leo ihn zurück auf die Straße lenkt und schnell verschwinden die rotglühenden Rücklichter im Zwielicht.
„Fuck!“, brüllt Adam in den Wald, erschrickt damit bestimmt die Tiere und muss instinktiv an den Alten denken, dem es schon zu viel war, wenn er die Nase hochgezogen hat, wenn sie ansitzen waren. „Fuck!“, brüllt er also direkt nochmal, tritt auf die Straße, blickt rechts, links, aber natürlich kommt kein verschissenes Auto, das er anhalten könnte.
Er rauft sich die Haare, fummelt mit klammen Fingern nach seinen Kippen. Ihr Rauch steigt über ihm auf, wie der Dampf über dem Wald. Parallel zieht er sein Handy aus der Jackentasche, starrt dumpf auf den Sperrbildschirm, der ihn blendet, weil er keine Ahnung hat, wen er anrufen soll. Er hat keine Nummer von einem der neuen Kollegen (oder der Kolleginnen, wie es scheint), nicht mal die von der Zentrale oder vom Personalbüro. Also googelt er Polizei Saarbrücken, so wie er damals in Telefonbuch der Heimatschänke geblättert hat, um die Nummer zu finden und während er darauf wartet, dass jemand abnimmt, geht er davon aus, dass sein Anruf für einen ziemlich miesen Scherz gehalten wird. Polizist ausgesetzt von seinem Kollegen. Können sie gleich als Aufmacher in der Lokalzeitung benutzen.
„Adam hier“, fängt er an, als die Kollegin abnimmt. „Schürk, Adam Schürk“, stottert er. „KHK Adam Schürk hier.“ Gott, wie erbärmlich. Er zieht die Nase hoch und kriegt es irgendwie hin zu beschreiben, was passiert ist und seinen Standort zu schicken.
Eine Viertelstunde steht er allein und frierend im Nieselregen, der ihm kalt in den Nacken läuft. Würde die Sonne scheinen, könnte er sich orientieren. Das hat ihm bei den kleinen Backpackerinnen immer Respekt und Bewunderung eingebracht. Von der nicht mehr viel übrig ist, als endlich ein Auto auftaucht, kurz Lichtzeichen gibt und Adam lahm die Hand hebt, die mittlerweile steif von der verschissenen Kälte ist, die mit der in Berlin mithalten kann.
Er grüßt knapp den Kollegen, blickt ihm nicht in die Augen, lässt sich nicht anmerken, wie beschissen gut es sich anfühlt, in das Auto zu steigen, in dem die Heizung volle Pulle ballert. Sogar die Sitzheizung ist eingeschaltet. Wieder schnieft er und es muss so erbärmlich klingen, wie kurz vorm Heulkrampf, dass der Kollege ihm wortlos eine Packung Taschentücher reicht.
Es dauert kaum fünf Minuten, bis sie zurück im Präsidium sind und Adam geht auf, dass Leo einen Umweg gefahren ist, hat darauf gesetzt, dass sein Orientierungssinn gelitten hat, in den letzten 15 Jahren, trotz der Orientierungsläufe. Stattdessen kennt er jetzt in seinem Revier jeden Winkel und Adam ist der Eindringling. Unerwünscht wie ein einsamer Wolf, der das Rudel bedroht.
Challenge: Angst - Eingeholt von der Vergangenheit - für mich
Fandom: Tatort Saarbrücken
Charaktere: Leo & Adam
Wörter: 785
Leo setzt den Blinker und zieht in die Parkbucht am Straßenrand. Er stellt den Motor aus, schnallt sich ab und steigt aus und Adam blickt ihm irritiert hinterher, erwartet fast, dass es Leo hochkommt und er in den Straßengraben kotzt, so blass, wie er seit dem Morgen ist.
Aber nichts dergleichen passiert, als steigt Adam ebenfalls in die feuchte Luft aus. Kein Regen, aber auch kein Nebel. Dicht hängt die Feuchtigkeit zwischen den Nadelbäumen, legt sich auf die Schultern seine Wachsjacke und auf seine Haare. Fröstelnd zieht er die Schultern hoch, schnieft.
Er tritt um das Auto herum, dorthin, wo Leo steht und in den Wald starrt. Aus dem blassen, dünnen Jungen ist ein blasser, dünner Mann geworden, der mit runden Schultern vor ihm steht und ihn mit unergründlichem Ausdruck in den Augen ansieht, als könne er sich nicht entscheiden, wie er reagieren soll. Adam steht auch nur da, wie vor Gericht, senkt kurz den Kopf und als er wieder aufblickt, scheint Leo eine Entscheidung getroffen zu haben, denn er macht einen Schritt auf ihn zu.
Adam zieht die Schultern stramm, ist nicht bereit, dass Leo ihn jetzt umarmt, da stößt ihm Leo mit beiden Händen gegen die Schultern. So unerwartet heftig, dass er einen Schritt zurücktaumelt. Er keucht, sein Atem weißer Dunst, der sich mit der feuchten Luft mischt, aber er sagt nichts, kriegt nichts raus, kann nur Leo anstarren.
Zwischen Leos Augenbrauen steht eine steile Falte und er sieht auf seine Hände, als wäre er überrascht über seine eigene Kraft. Aber dann fängt er sich, ballt die Fäuste und die Kälte in Leos Blick zieht Adam unter die Haut.
„Verpiss dich, Adam. Mir egal, wie du’s machst. Hast du ja schonmal geschafft“, spuckt er ihm vor die Füße. „Ich hab auch ohne dich genug Probleme.“ Leo kickt gegen einen Stein, als er sich abwendet und zum Auto zurück geht.
„Mann, Leo!“, ruft Adam, reißt sich aus seiner Starre und geht ihm hinterher. „Warte!“ Aber Leo wartet nicht, schmeißt sich auf den Fahrersitzt und fährt so heftig an, dass der Kies unter den Reifen spritzt. Der Wagen schlingert kurz bevor Leo ihn zurück auf die Straße lenkt und schnell verschwinden die rotglühenden Rücklichter im Zwielicht.
„Fuck!“, brüllt Adam in den Wald, erschrickt damit bestimmt die Tiere und muss instinktiv an den Alten denken, dem es schon zu viel war, wenn er die Nase hochgezogen hat, wenn sie ansitzen waren. „Fuck!“, brüllt er also direkt nochmal, tritt auf die Straße, blickt rechts, links, aber natürlich kommt kein verschissenes Auto, das er anhalten könnte.
Er rauft sich die Haare, fummelt mit klammen Fingern nach seinen Kippen. Ihr Rauch steigt über ihm auf, wie der Dampf über dem Wald. Parallel zieht er sein Handy aus der Jackentasche, starrt dumpf auf den Sperrbildschirm, der ihn blendet, weil er keine Ahnung hat, wen er anrufen soll. Er hat keine Nummer von einem der neuen Kollegen (oder der Kolleginnen, wie es scheint), nicht mal die von der Zentrale oder vom Personalbüro. Also googelt er Polizei Saarbrücken, so wie er damals in Telefonbuch der Heimatschänke geblättert hat, um die Nummer zu finden und während er darauf wartet, dass jemand abnimmt, geht er davon aus, dass sein Anruf für einen ziemlich miesen Scherz gehalten wird. Polizist ausgesetzt von seinem Kollegen. Können sie gleich als Aufmacher in der Lokalzeitung benutzen.
„Adam hier“, fängt er an, als die Kollegin abnimmt. „Schürk, Adam Schürk“, stottert er. „KHK Adam Schürk hier.“ Gott, wie erbärmlich. Er zieht die Nase hoch und kriegt es irgendwie hin zu beschreiben, was passiert ist und seinen Standort zu schicken.
Eine Viertelstunde steht er allein und frierend im Nieselregen, der ihm kalt in den Nacken läuft. Würde die Sonne scheinen, könnte er sich orientieren. Das hat ihm bei den kleinen Backpackerinnen immer Respekt und Bewunderung eingebracht. Von der nicht mehr viel übrig ist, als endlich ein Auto auftaucht, kurz Lichtzeichen gibt und Adam lahm die Hand hebt, die mittlerweile steif von der verschissenen Kälte ist, die mit der in Berlin mithalten kann.
Er grüßt knapp den Kollegen, blickt ihm nicht in die Augen, lässt sich nicht anmerken, wie beschissen gut es sich anfühlt, in das Auto zu steigen, in dem die Heizung volle Pulle ballert. Sogar die Sitzheizung ist eingeschaltet. Wieder schnieft er und es muss so erbärmlich klingen, wie kurz vorm Heulkrampf, dass der Kollege ihm wortlos eine Packung Taschentücher reicht.
Es dauert kaum fünf Minuten, bis sie zurück im Präsidium sind und Adam geht auf, dass Leo einen Umweg gefahren ist, hat darauf gesetzt, dass sein Orientierungssinn gelitten hat, in den letzten 15 Jahren, trotz der Orientierungsläufe. Stattdessen kennt er jetzt in seinem Revier jeden Winkel und Adam ist der Eindringling. Unerwünscht wie ein einsamer Wolf, der das Rudel bedroht.