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[personal profile] aleamakota posting in [community profile] 120_minuten
Team: Drache
Challenge: Sommer: Sonnenbrand (fürs Team)
Wörter: ~1100
Fandom: Nocturne Whispers: Origins
Charaktere: Évariste, Davide
Anmerkung: Ich war zu faul zum Drüberlesen, also evtl. noch mehr Flüchtigkeitsfehler als sonst. Fortsetzung von Familienfehden. Für [livejournal.com profile] luinaldawen und [livejournal.com profile] jadaya82.

Zu Hause lief beim Abendessen eigentlich immer irgendeine Krimiserie. Davide hatte daraus so einiges gelernt, was einen dummen Täter ausmachte. Plötzliches Abweichen von den üblichen Gewohnheiten zum Beispiel? Ganz doofe Idee, wenn man nicht gerade einen seiner Liebsten gekillt hatte und eine Trauerzeit einhalten musste. Zurückkehren an den Tatort? Auch nicht gerade klug. Aber was wog schwerer? Die Gewohnheit, oder der Tatort?
Die ganze Woche lang hatte Davide an der Frage geknabbert. Er wusste nicht so genau, was das Zünglein an der Waage gewesen war. Sein gesunder Selbsterhaltungstrieb, der von ihm verlangte, dass er Geld einnahm, oder doch die ungesunde Neugier, die so viele Täter aus den Krimis ihre Freiheit kostete. So oder so war er jetzt hier. Nicht mal den Verlauf seiner Route hatte er verändert, obwohl die Versuchung groß gewesen war, die Rue des Jardins vorzuziehen und ausnahmsweise die Fahrerfluchtstraße als letzte zu beliefern.
Wie immer begann er mit den ungeraden Hausnummern. Gegenüber vor der Vierzehn stand diesmal nur ein Auto, stellte er fest, als er hinter der recht hohen Hecke von Nummer elf eine Pause einlegte, um die Lage zu peilen und das klopfenden Herz zu beruhigen. Wo war der Alfa? Hatte er einem der Gäste gehört? Stand er in der Werkstatt? Würde der Olympionike ihm die Rechnung präsentieren? Mit Zuschlag für sein Schweigen? Hatte er deshalb „Bis nächste Woche“ gesagt?
„Das mit dem Verstecken klappt nicht besonders gut, wenn dein Gespann vor der Hecke steht“, erinnerte die Natursteinmauer schräg gegenüber, eh er darüber nachdenken konnte.
Davide prüfte die eigene Stirn. Hatte er Fieber? Manchmal sah er dann komische Dinge…
„Hier!“
Ein grüner Gartenhandschuh samt Hand erschien über der Mauerkante. Er winkte so freundlich und einladend, dass Davide sich hinter seiner Hecke augenblicklich lächerlich fühlte. Er überquerte die Straße und schaute über die Mauer. Der Olympionike hockte über einer Grube und versenkte schmale, längliche Steine in der Erde, die oben sicher hübsch rausgucken würden, wenn erst mal wieder alles zugeschaufelt wäre.
„Was machen Sie da?“
„Beete anlegen.“
„Vielleicht sollten Sie ne kurze Pause machen und Sonnencreme nachschmieren. Ihr Nacken schält sich.“
„Oh?“
Automatisch fasste die behandschuhte Hand hinauf an die genannte Stelle. Ein großer Fehler, den auch der Olympionike bemerkte, als ihm Erde in den Kragen rieselte, die auf der entzündeten Haut bestimmt so richtig schön schmirgelte.
„Fssss. Tatsache. Danke.“
„Ich sollte mich eher bei Ihnen bedanken.“ Davide bohrte die Spitze seines abgewetzten Sneakers in den Boden. Die Augen huschten hierhin und dorthin, gleichermaßen auf der Flucht und auf der Suche nach ungewollten Zuhörern.
„Also, ähm, … danke.“
„Gern geschehen.“
Er stand auf, klopfte sich die Erde von Jeans und T-Shirt und zog die Handschuhe aus. Es beruhigte Davide ein bisschen, dass der Mann schon wieder dreckige Sachen anhatte. Machte ihn irgendwie bodenständiger. Die kräftige Bräune auch, obwohl sie nicht so recht zu dem Lichtschutzfaktor auf der Cremeflasche passen wollte.
„Hundert?! Wow. Ich wusste nicht mal, dass es die gibt.“
„Ich seh sie im Laden auch eher selten. Die hier ist aus dem Internet.“
Der Olympionike schmierte großzügig. Mit zwei eingefetteten Händen könnte er Davide nicht festhalten. Das war gut. Dann konnte er es sich vielleicht leisten, eine dumme Frage zu stellen, die sein Gewissen beschäftigte:
„War das eigentlich Ihrer? Der Alfa?“
„Gott, nein!“, kam es lachend zurück, „Ich hab gern Platz für meine Beine und den Arsch nicht fünf Millimeter über der Straße.“
„Hehe, ja, so Sportwagenfahrer haben eh alle kleine Pimmel, hab ich gehört.“
Davide feixte zur Einfahrt hinüber, wo ein Volvo-Viertürer in der Mittagssonne vor sich hinkochte. Sein Gesicht schloss sich an, als ihm klarwurde, was er da gerade gesagt hatte.
„Also, nicht, dass ich sagen will, Ihr, äh, Autofreund hätte-“
„Ein kleines Ego?“, rettete sein grinsendes Gegenüber ihn vor seinem eigenen Plappermaul. „Ach, doch, das kommt schon hin, glaube ich. Er wirkt nicht sehr selbstbewusst, wenn du mich fragst.“
„War er sehr sauer?“, musste Davide plötzlich wissen. Er wäre jedenfalls ziemlich angepisst, wenn ihm jemand einen Kratzer in seine Penisverlängerung gemacht hätte.
„Ziemlich“, bestätigte der Hobbygärtner gutgelaunt. „Es war ein Fest für die ganze Familie. Der konnte den Kratzer im Lack gut gebrauchen.“
„Ah. Verstehe. Deshalb haben Sie mich laufen lassen. Hab mich schon gefragt.“
Der Gärtner hielt einen Augenblick darin inne, seine Sonnencremeflasche wieder zuzudrehen. Davides Schuhspitze suchte Öl im Boden. Er fühlte sich gemustert. Er hasste das Gefühl.
„Erwachsene tragen ihre Cap übrigens nicht so rum“, versuchte er, die Aufmerksamkeit von sich wegzulenken. Mit Erfolg. Die dunklen Augen ließen von ihm ab und die Basecap wurde wieder richtigherum gedreht.
„Ich weiß, es sieht lächerlich aus, aber es hilft gegen Sonnenbrand im Nacken. Also. Normalerweise.“
„Mhmh“, machte Davide wenig überzeugt.
„Was pflanzen Sie?“
„Hier sollen Cosmea rein, da drüben will sie Studentenblumen haben und da… äh… warte…“
Er machte sich lang und angelte einige bunte, wellige Tütchen. Sie steckten in diesen Holzkästen, in denen auf dem Wochenmarkt immer das Obst und Gemüse war. Der Gärtner hatte darin allerdings Danonebecher mit winzig kleinen Pflänzchen. Davide schaute sich die Bilder an, die zeigten, was sie werden sollten, und versuchte vergebens, sie sich in den großen, fettverschmierten Händen des Olympioniken vorzustellen.
„Wie viele überleben das, wenn Sie die da reinsetzen?“
„Na, ich hoffe doch, alle! Wir haben extra neue Erde besorgt, damit Sie alle Nährstoffe haben, die sie brauchen.“
„Ich hätt an Ihrer Stelle ja eher Angst, dass ich die kaputtdrücke. Die sehen so klein und zart aus…“
„Ach, die sind robust, verglichen mit anderen Sorten. Warte, ich zeig’s dir.“
Der Olympionike streckte sich erneut. Eh er sich’s versah, hatte Davide die Tütchen abgegeben und dafür einen Yoghurtbecher mit einem Pflänzchen in den Händen. Er zog es erschrocken an sich, als ein großer, weißer Fettfinger sich daran machte, das Ding umzubiegen.
„Nicht!“
Die Pflanze bog sich unter der ruckartigen Bewegung natürlich erst recht. Besorgt wie eine Mutter um ihre Küken schaute Davide ihm dabei zu, wie es sich wieder in der Senkrechten einpendelte, unversehrt bis aufs letzte Blatt.
„Siehst du? Solang nicht gerade jemand mit Gewalt drauftritt, schaffen die das schon.“
Davide stellte das Blümchen trotzdem lieber auf der Mauer ab und hatte plötzlich das dringende Bedürfnis, das Gesicht unter der Schirmmütze mustern. In deren neuem Schatten sahen die dunklen Augen des Gärtners beinahe so vertraut wie die der eigenen Verwandtschaft.
„Hab ich was im Gesicht?“
Eilig schüttelte Davide den Kopf.
„Nee. Ich… äh, muss jetzt weiter. Aber war gut, Sie wiederzusehen.“
„Ja…“ Der Gärtner zögerte einen Moment, eh er das kleinste, vorsichtigste Lächeln lächelte, das Davide je gesehen hatte. „Ja. Fand ich auch.“
Er hob den Yoghurtbecher von der Mauer und zurück in den Garten. Das Pflänzchen pendelte heiter vor sich hin.

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