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Team: Kobold
Challenge: Romantik/Intimität — Der/die/das erste... (gemeinsame Urlaub)
Fandom: Tatort München
Charaktere: Franz Leitmayr, Ivo Batic
Rating: General
Anmerkung: Sommer 2005. Franz und Ivo machen endlich zum ersten Mal gemeinsam Urlaub als Paar. Franz ist etwas nervös.
Wörter: ~919
Zeit: ~100 min



Ivo trommelte mit den Fingern auf das Lenkrad, während sich das Auto langsam im dichten Verkehr vom Brennerpass bergab schob. Trotz der dunklen Gläser seiner Sonnenbrille konnte Franz ihn missmutige Blicke zur rechten Spur hinüber werfen sehen, die sich aktuell schneller bewegte.


Er legte seine Hand auf Ivos Knie und drückte sanft.


"Wir sind doch noch ganz gut in der Zeit. Kein Stress."


Ivo brummte unzufrieden.


"Oder soll ich wieder übernehmen beim nächsten Rastplatz?", schlug Franz vor.


"Nein, ich bin noch nicht müd. Ich will einfach zeitig ankommen. Wenn wir schon nur ein knappes Wochenende zusammen Urlaub haben, mag ich das nicht zu einem Drittel im Stau verbringen."


Ivo griff kurz nach Franz' Hand auf seinem Knie und ließ ihre Hände einem Moment aufeinander liegen, bevor er wieder beide Hände ans Lenkrad nahm. Franz betrachtete ihn.


"Zusammen im Auto fühlt sich zu sehr nach Arbeit an, selbst wenn wir schon in Italien sind, hm? Wenn wir nachher nochmal tauschen, kannst wenigstens auch schon mal ein wenig Bergpanorama genießen."


Er selbst genoss es gerade eher, seinen Blick ungestört über Ivos muskulöse und von zwei Wochen in Kroatien satt braun gebrannten Arme wandern zu lassen; zu bemerken, wie sich Ivos eng anliegendes Athletik-T-Shirt über seinen Schultern spannte. Wenn sie im Dienst zusammen im Auto saßen, tat er das aus Gründen der Professionalität natürlich normalerweise nicht.


Ivo warf ihm einen kurzen Blick zu.


"Vertretung hin oder her, wahrscheinlich sollte ich einfach für jede Minute froh sein, in der ich keinen Anruf kriege, dass ich doch vorzeitig aus dem Urlaub zurückkommen soll."


Franz strich ihm beruhigend über den Oberschenkel.


"Jetzt beschrei es nicht. Ich hab durchgesetzt, dass ich fahren darf, bevor du zurück bist, und das ist im Dienstplan so vorgesehen. Das eine Wochenende wird's schon gut gehen."


Schwierig genug war es gewesen, obwohl es nur um ein verlängertes Wochenende am Ende von Ivos und zu Beginn von Franz' Urlaub ging. Normalerweise war es nicht vorgesehen, dass Ivo und Franz als Teamleiter gleichzeitig frei nahmen und nicht jederzeit wenigstens einer von ihnen für Bereitschaftsdienst zur Verfügung stand. Natürlich konnten sie ihrem Vorgesetzten auch keine sinnvolle Begründung für überlappende Urlaubszeiten angeben. Deswegen hatten sie zwar schon oft genug freie Wochenenden in München zusammen verbracht, waren aber noch nie gemeinsam weggefahren. Das war eben Teil des Preises dafür, dass sie weiter direkt zusammen arbeiteten; das zu ändern, stand ja auch für keinen von ihnen zur Debatte. Franz konnte sich schon lange nicht mehr vorstellen, bei der Mordkommission oder überhaupt als Polizist zu arbeiten, ohne, dass er und Ivo Seite an Seite ermittelten.


Ein anderer Teil dieses Preises war, dass ihre Beziehung in München privat bleiben musste, was bedeutete, dass sie sich in der Öffentlichkeit normalerweise nicht offensichtlich wie ein Paar verhielten. Dafür war es in München praktisch überall und zu jedem Zeitpunkt zu wahrscheinlich, irgendwelchen Kollegen über den Weg zu laufen, die sie kannten. Die Aussicht, dass das jetzt für die paar Tage am Gardasee nicht galt, löste in Franz unerwartet ein aufgeregtes Kribbeln aus.


Während Ivo mehrfach in relativ schneller Abfolge die Spur wechselte, um sich ein paar Autos weiter vorne wieder in die selbe Schlange einzureihen, lachte Franz innerlich etwas über sich selbst. Aber an der Tatsache, dass er tatsächlich nervös war, wie es zwischen ihm und Ivo außerhalb ihrer gewohnten Umgebung sein würde, änderte das nichts. Obwohl er Mitte vierzig war und obwohl sie sich schon so lange kannten. Ein gemeinsamer Urlaub war eben trotzdem neu; ein erstes Mal, dass Franz plötzlich ungeahnt monumental vorkam.


Etwa drei Stunden später parkte Franz endlich Ivos Auto vor dem kleinen Hotel auf der Westseite des Gardasees, in dem er allein schon mehrere nette Urlaubswochen verbracht hatte. Das Hotel lag unterhalb der Straße direkt zwischen dem See und den auf der anderen Straßenseite steil aufragenden Felswand. Es war inzwischen früher Nachmittag, aber das Seeufer würde noch einige Stunden in der Sonne liegen, bevor diese hinter den Bergen verschwand.


Ivo ließ Franz den Vortritt zur Rezeption, wo sie der Besitzer des Hotels selbst auf Deutsch mit sympathischem italienischen Akzent begrüßte.


"Herr Leitmayr! Schön, Sie wieder bei uns zu haben."


Der ältere Mann trat um den Empfangstresen, um Franz kräftig die Hand zu schütteln und dann herzlich zu umarmen; der traditionelle doppelte Wangenkuss erforderte aufgrund des signifikanten Größenunterschieds, dass Franz sich ein ganzes Stück herunter beugte. Ivo wartete mit ein wenig Abstand, bis der Austausch der Begrüßungsfloskeln in einer Mischung aus Deutsch und Italienisch abgeschlossen war. Schließlich deutete Franz auf ihn.


"Mein Freund Ivo Batic."


Ivo trat vor und schüttelte dem Hotelier ebenfalls die Hand, während Franz diese Formulierung im Kopf hin- und herwendete. Er warf einen schnellen Blick zu Ivo, aber dessen Aufmerksamkeit galt dem Hotelbesitzer, der ihm gerade zwei Schlüssel mit schweren, nummerierten Schlüsselanhängern überreichte.


"Doppelzimmer mit Doppelbett, zwei Nächte für zwei Personen, neun Nächte insgesamt, Frühstück inbegriffen.",


zählte der Hotelier auf. Franz spürte seinen heftigen Herzschlag bis in den Hals und sah Ivo zu, wie der bestätigend nickte.


"Ich hol das Gepäck aus dem Auto.", brachte er heraus und flüchtete zurück nach draußen.


Ivo kam Franz am Hoteleingang wieder entgegen und nahm ihm seine Reisetasche aus der Hand.


"Alles in Ordnung mit dir?"


Franz war in diesem Moment froh, dass seine Augen hinter den dunklen Gläsern seiner Sonnenbrille versteckt waren. Er wollte nicht, dass Ivo diese lächerliche Nervosität sah, die plötzlich von ihm Besitz ergriffen hatte.


"Ja, bloß etwas müde von der Fahrt. Komm, lass uns schnell das Gepäck im Zimmer ablegen. Ich will noch möglichst lange unten am See was von der Sonne haben."

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