Challenge: Angst – gute Miene zum bösen Spiel (fürs Team)
Fandom: Tatort Wien
Charaktere: Bibi Fellner, Ernst Rauter, Moritz Eisner
Inhalt: Ein Kapitel irgendwo in der Mitte meines Magic AUs vom letzten Jahr. Moritz erzählt von den Plänen, die er hatte, bevor die Feststellung seiner magischen Fähigkeit ihm einen Strich durch die Rechnung gemacht hat.
A/N: Unfertig und braucht dringend eine Überarbeitung, aber es heißt nun mal 120-minuten, nicht 300-minuten :D Wenigstens hab ich den Prompt tatsächlich darin untergebracht.
Sie hörte Stimmen, sobald sie Ernstls Haus betrat. Das waren Moritz und… Ernstl? Nein, das konnte nicht sein. Ernstl konnte schließlich nicht reden– jedenfalls nicht auf eine Art, die jemand verstand. Aber tatsächlich, jetzt, wo sie genauer hinhörte, wurde ihr bewusst, dass Ernstls Teil des Gesprächs aus für sie unverständlichem Kauderwelsch bestand, auf das Moritz allerdings antwortete, als verstünde er jedes Wort.
Seufzend hängte Bibi ihre Jacke auf und lief in die Küche, wo sie die beiden beim Abendessen vorfand.
"Bibi! Ich wusst ned, dass du heute Abend hier bist." Moritz sprang gleich auf, aber sie deutete ihm, sitzenzubleiben.
"Mhm, der Ernstl hat gefragt, ob ich vorbeikommen mag." Sie drückte Ernstls Schulter und er lächelte dankbar.
"Mit einer kryptischen Emoji-Geschichte, vermutlich", nörgelte Moritz, während sie noch Teller, Tasse und Besteck herausholte und sich zu ihnen an den Tisch setzte.
Nach dem, was sie eben gehört hatte, konnte Bibi auf Moritz' Kommentar nur den Kopf schütteln. "Kann ja ned jeder einfach den magischen Übersetzer anschalten." Sie warf Ernstl ein entschuldigendes Lächeln zu, bevor sie sich wieder Moritz zuwandte. "Was glaubst, wie verdammt neidisch ich gerade auf deine Magie–"
"Nein", fuhr Moritz ihr ins Wort, "Die willst nicht. Glaub mir, die willst du nicht."
Was war denn jetzt los? Dass Moritz oft mehr genervt von seinen magischen Fähigkeiten war als begeistert, wusste sie, aber diese Reaktion war überraschend vehement. Sie sah zu Ernstl, der seufzte und einen Moment lang Moritz' Arm drückte. Es sah aus als wüsste er, was Moritz meinte. Der redete jedoch nicht weiter, sondern starrte mit einem verbissenen Gesichtsausdruck geradeaus, bis Bibi vorsichtig fragte, "Moritz?"
"Ich bin neidisch", sagte er schließlich.
"Ich hab… Ich wollt–" Er brach ab, schüttelte den Kopf, seuzte und legte sein Messer beiseite, bevor er sie endlich wieder ansah. "Ich wollt Profi-Fußballer werden, wusstest du das?"
"Was, echt?" Sie blinzelte überrascht.
"Meine ganze Kindheit und Jugend hab ich auf dem Fußballplatz verbracht. Ich war gut. Richtig gut. Ich hatte schon einen provisorischen Vertrag und ich dacht, ich brauch mir keine Sorgen machen. Dacht, ich wär auf der sicheren Seite. Bis dahin hatten die Tests ja auch keine Magie gefunden."
Oh nein. Darauf wollte er hinaus. Die unsägliche 'Berufsgruppenverpflichtung für Magiebefähigte'. Und 'Profisportler' stand nicht auf der Liste der für Moritz möglichen Berufe.
"Diese beschissene Magie hat mein Leben zerstört", knurrte er. "Jahrelang hab ich darauf hingearbeitet. Ich hatte Pläne, verstehst du. Das war mein Traum."
Ein lebenslanger Traum, der kurz vor der Realisierung stand, und den seine magische Fähigkeit mit einem Schlag zunichte machte. Ein Traum, der für immer unerreichbar bleiben würde.
Auch damals hatte es schon erste Bestrebungen gegeben, die Verpflichtung abzuschaffen, doch wirklich umgesetzt wurden sie erst Jahrzehnte später, lange nachdem seine achtzehnjährige Verpflichtungsdauer endete. Die Abschaffung kam zu spät für Moritz und zu spät für seinen Traum.
"Gewütet hab ich, das kannst dir sicher vorstellen." Sie nickte. "Hab daheim in meinem Zimmer alles kurz und klein geschlagen. Mein… Mein Vater hat den Vertrag zerrissen. Ich konnt–" Er schluckte und redete nicht weiter.
Ernstl legte erneut eine Hand auf Moritz' Arm. Er musste das alles gewusst haben. Nichts hiervon schien ihn zu überraschen. Todtraurig schaute er, ein Ausdruck, den sie an ihm noch nie gesehen hatte.
"Du hast nie was gesagt."
"Ich hab's ned gepackt. Dass das alles auf einmal vorbei is. Ich konnt nimmer dran denken, was ich hätte haben können. Ich wollt's einfach vergessen. Weißt du, was meine Mutter gesagt hat? Was ihr einziger Kommentar dazu war?"
Sie schüttelte den Kopf. Vermutlich nichts Gutes.
"Das Leben ist ein böses Spiel, zu dem wir eine gute Miene machen."