Prompt Romantik/Intimität – Alltägliches
Aug. 9th, 2025 10:35 pmTeam: Greif
Challenge: Romantik/Intimität — Alltägliches (für mich)
Fandom: Tatort Münster
Charaktere: Karl-Friedrich Boerne, Frank Thiel
Warnung: keine
Wörter: 771
Zeit: 60mins
„Sie müssen mir jetzt bitte sagen, welche Sorte Sie lieber mögen.“ Seit Minuten hielt Boerne einen Vortrag über Senf. Thiel hatte schon Kopfschmerzen und konnte die Augen gar nicht mehr weiter verdrehen. Doch der andere ließ sich nicht beirren. Als er nun nach seiner Lieblingssorte fragte, verschränkte Thiel die Arme vor der Brust, fixierte den anderen und wägte ab, ob eine schnippische Antwort zu weiteren Vorträgen oder zum nächsten Gang führen würde.
„Boerne, packen Sie einfach einen ein.“ Thiel drehte sich um und schob den Einkaufswagen weiter. „Sie können mich doch nicht einfach so stehen lassen, Thiel!“ „Ich hol schonmal die Würstchen.“ Thiel schmunzelte. Es hatte sich so eingeschlichen, dass sie zusammen den Einkauf erledigten. Immer öfter kochten und aßen sie sowieso zusammen, da bot es sich an, auch die Besorgungen zusammen zu erledigen.
„Also wenn Sie sich nicht entscheiden können, dann probieren wir hier diese drei Sorten.“ Borne hielt ihm drei Senfgläser grinsend unter die Nase und erwartete scheinbar eine Reaktion. „Toll!“ Thiel schob weiter vorwärts.
„Sie machen es mir aber auch nicht leicht. Ich brauch es doch für meine Liste.“ Boerne murmelte vor sich hin, doch Thiel hatte ihn gehört. Er drehte sich zu ihm um. „Was denn für eine Liste?“ „Ach, nichts. Jetzt kommen Sie schon, wir brauchen noch die Würstchen, Brötchen und die Zutaten für den Salat.“ Thiel musterte Boerne und ging weiter.
Boerne stand schon an der Fleischtheke und bestellte die Grillwürstchen. Thiel hörte, dass es die „Besonderen“ mit Käsefüllung gab und freute sich. Boerne kommentierte jeden Artikel, den er in den Einkaufswagen legte, während Thiel ihn einfach schweigend vor sich herschob. Irgendwann fiel ihm auf, dass Boerne alles das einpackte, was er am liebsten aß. „Aber Boerne, Sie mögen doch diese Fertigsaucen gar nicht.“ „Ja, und?“ „Wieso kaufen Sie sie dann?“ „Weil Sie sie gerne essen, Herr Thiel.“ Boerne schaute ihn an und lächelte. „Und die grünen Oliven ohne Stein? Sie schwafeln doch immer, dass nur die schwarzen mit Stein den wahren Geschmack der Olive transportieren.“ Boerne zog seine Schnute. Thiel musste immer schmunzeln, wenn er das tat. „Ich schwafle nicht, ich habe Recht damit! Aber, da Sie die grünen Oliven bevorzugen…“ Er unterbrach sich selbst und ging weiter.
Als sie den Einkauf beendet hatten, packten sie schweigend die Taschen in Boernes Auto. Thiel brachte den Wagen zurück und Boerne sammelte ihn direkt am Eingang ein.
Auf dem gesamten Weg redeten sie kein Wort. Thiel fragte sich, ob er etwas Falsches gesagt hatte oder wieso der Professor schwieg. Doch nachfragen wollte er nicht, dafür waren die Momente der Stille mit dem Professor zu selten.
Boerne parkte direkt vor dem Haus und stellte den Motor ab. Bevor Thiel die Tür öffnen konnte, legte Boerne seine Hand auf seinen Unterarm. Thiel drehte den Kopf und sah Boerne direkt in die Augen. „Wissen Sie, ich habe da einfach eine Liste. Sie ist vielleicht albern oder naja, in Ihren Augen vielleicht unnötig.“ Boerne sprach leise und zögerte, sein Blick ging an Thiel vorbei aus dem Fenster. „Was steht auf dieser Liste?“ Thiel drehte sich weiter zu Boerne, dessen Hand noch immer auf seinem Unterarm ruhte. Er könnte die Wärme durch seine Jacke spüren. Thiel fühlte sich seltsam. Solche Momente zwischen ihnen waren eher selten. Eigentlich zu selten. Es kam ihm immer wieder gefährlich vor, wenn sie in so einer Situation steckten. Er konnte die Gefahr nicht benennen, aber er fühlte sich dann leichter und wollte nicht, dass sie jemals endet. Gleichzeitig machte sich ein Druck in seiner Brust breit, weil er nicht wusste, wie er mit der Nähe umgehen sollte. Noch schwieriger war allerdings der Umgang mit der Tatsache, dass die Nähe nicht von Dauer war.
„Ich habe alle Dinge notiert, die Sie gerne essen. Die Marke, die Sorte, die Geschmacksrichtung. Es ist mir wichtig, ich kann Ihnen nicht sagen, wieso.“ Boerne schaute ihm wieder direkt in die Augen. Thiel schluckte und er bemerkte, wie sich seine Wangen röteten. „Nja, das ist sehr nett von Ihnen. Ist mir auch schon aufgefallen, also nicht nur heute, beim Einkauf.“ Boernes Hand drückte nun leicht seinen Arm und Thiel wurde langsam heiß.
Boerne schaute auf seine Hand, schien zu erschrecken und zog sie schnell zurück. Er räusperte sich und schaute wieder aus der Frontscheibe. „Nunja, es macht ja auch mein Leben einfacher, nech? Sonst meckern Sie nur den ganzen Abend, weil Sie Oliven mit Stein oder Wein statt Bier zu sich nehmen müssen.“ Thiel drehte sich nach vorne und schaute ebenfalls aus der Frontscheibe. Sie saßen noch einen Moment schweigend nebeneinander.
„Danke, Boerne.“ Sie lächelten beide, auch wenn der andere es nicht sehen konnte.
Zeitgleich öffneten sie die Türen und stiegen aus.