Team: Greif
Challenge: Romantik/Intimität — Eine Nacht gemeinsam verbringen (für mich)
Fandom: Tatort Münster
Charaktere: Karl-Friedrich Boerne, Frank Thiel
Warnung: keine
Wörter: 1112
Zeit: 75mins
Thiel schreckte hoch. Er blinzelte und brauchte einen Moment, um zu realisieren, wo er war. Er richtete sich auf und rieb sich die Augen. Was hatte ihn geweckt?
Ein lauter Schrei aus der Nachbarswohnung ließ ihn zusammenzucken. „Boerne!“
Thiel sprang aus seinem Bett und rannte zur Tür. Er riss Boernes Schlüssel vom Schlüsselbrett, stürzte in den dunklen Hausflur und horchte. Boerne schrie erneut, diesmal nicht ganz so laut, doch Thiel konnte es auch hier im Hausflur noch hören.
Er schloss Boernes Tür auf und schaltete das Licht an.
„Boerne?“ Keine Antwort. „Boerne, verdammt, wo stecken Sie?!“ Thiel schloss die Tür hinter sich und hörte Gemurmel und Gewimmer aus dem Schlafzimmer. Hätte er seine Waffe mitbringen sollen?
Auf Zehenspitzen schlich Thiel auf die geschlossene Schlafzimmertür zu, legte eine Hand auf die Klinke und öffnete einen Spalt. Wie laut hatte Boerne geschrien, dass er ihn durch drei Türen aus dem Schlaf reißen konnte?
Es war dunkel im Zimmer, nur ein schwacher Lichtstrahl der Straßenlaterne drang durch die Vorhänge.
„Boerne?“ Noch immer keine Antwort, nur schweres Atmen und das Rascheln der Bettdecke, unter der sich jemand unruhig von einer Seite auf die andere wälzte.
Thiel ging hinein und sah Boerne halb zugedeckt und mit den Beinen kämpfend im Bett liegen. Er murmelte immer wieder Unverständliches; Thiel konnte einige „Nein“ und „Bitte nicht.“ ausmachen. Boerne atmete gehetzt, unregelmäßig und wimmerte zwischen den Worten vor sich hin. „Mensch, Boerne.“ Thiel ging auf das Bett zu und setzt sich neben ihn. Seine Haare klebten ihm im Gesicht, sein Hals glänzte vor Schweiß. Er zitterte und schlug immer wieder die Zähne aufeinander.
„Hey, ich bin hier.“ Thiel zögerte kurz, legte dann aber seine rechte Hand auf Boernes Brustkorb, nur ganz leicht, um ihn in seinen Bewegungen nicht einzuschränken. „Sie träumen nur schlecht, ich bin jetzt hier. Sie sind in Sicherheit. Ich bin hier.“ Boerne wurde unter seiner Hand ruhiger, sein Kopf rollte noch von links nach rechts und er wimmerte leise. Thiel drehte sich weiter nach rechts, ließ seine Hand auf Boernes Brust ruhen und strich mit der anderen seine Haare aus der Stirn. Boernes verzerrte Gesichtszüge bereiteten ihm einen Stich ins Herz. Was hatte der andere nur geträumt?
Boernes Atmung beruhigte sich und Thiel bemerkte, dass er noch immer eine Hand auf der Brust und eine auf der Stirn des anderen hielt. Es fühlte sich richtig an.
Er konnte nicht sagen, wie lange er so dasaß und Boerne einfach nur anschaute. Er sah, wie seine Atmung ruhiger wurde, wie er sich entspannte und seine Gesichtszüge weicher wurden. Boerne sah verletzlich aus. Unschuldig und absolut erschöpft. So sah er ihn selten. Thiel strich mit seiner Hand über Boernes Stirn entlang seiner Wange und überlegte, ob er jetzt wieder hinübergehen konnte. Ihm war plötzlich kalt und er fühlte, wie ihn die Müdigkeit überrollte. Er löste seine rechte Hand von Boernes Brust und stand auf.
Als hätte er einen Schalter losgelassen, atmete Boerne wieder schwerer. Er murmelte etwas und Thiel stand unschlüssig vor dem Bett. „Bitte, nein.“ Thiel setzte sich wieder neben Boerne. „Nich, nich, bitte.“ „Boerne, es ist alles gut, ich bin hier.“ „Bitte, nicht gehen.“
Thiel hielt den Atem an. Wusste Boerne, dass er hier war? Er legte seine Hand zurück auf Boernes Brustkorb und sofort entspannte sich der Körper darunter. Thiel schloss die Augen und atmete durch. Er stand entschlossen auf und ging auf die andere Seite des Bettes. Bevor Boerne unruhig wurde, legte sich Thiel neben ihn, zog die Decke über sie beide und legte seine linke Hand auf Boernes Brust. Er schaute ihn von der Seite an, beobachtete die Atmung. Er hatte Boerne noch nie so angesehen. Sie hatten schon öfters in einem Bett schlafen müssen, aber nie unter solchen Umständen. Das war anders. Die Nähe war anders. Und er tat es freiwillig.
-
„Na, schönen guten Morgen?!“ Thiel schrak hoch. „Was machen Sie denn in meinem Bett?“
Thiel öffnete die Augen und sah in belustigtes Grün, dicht vor seiner eigenen Nase. Boerne lag vor ihm auf der Seite und sie schauten sich beide direkt an. „Boerne, müssen Sie mich so wecken?“ „Konnten Sie etwa nicht schlafen oder habe ich Ihnen gefehlt?“
„Wer hat mich denn mitten in der Nacht schreiend aus dem Schlaf gerissen?“ Boerne blinzelte. Er kniff die Augen leicht zusammen und verzog den Mund, wie er es immer tat, wenn er nachdachte. Thiel musste schmunzeln. Dass der andere vor ein paar Stunden noch so aufgelöst und verletzlich unter seiner Hand lag und jetzt schon wieder die Sprüche klopfte, war eigentlich typisch.
„Sie haben heute Nacht schlecht geträumt. Ich weiß nicht, was Sie da durchgemacht haben, aber ich habe Ihre Schreie bis in mein Schlafzimmer gehört.“ Boerne schluckte. Er schaute an Thiel vorbei zum Fenster. „Es ist ok. Sie müssen mir das gar nicht erzählen, wenn Sie nicht wollen. Aber ich konnte Sie hier unmöglich so allein lassen.“ Boerne schaute ihm wieder in die Augen. Waren die schon immer so grün? Thiels Mundwinkel zogen sich nach oben.
„Danke.“ Boerne lächelte ihn an. Thiels Magen meldete sich. Er musste Hunger haben, jedenfalls spürte er ein Kribbeln und Ziehen, das ihm komisch vorkam.
„Ja, lassen Sie mal. Konnte ja eh nicht schlafen bei dem Gebrüll.“ Er sollte aufstehen. Er sollte die Decke zurückschlagen, sich umdrehen, das Bett, das Schlafzimmer und Boernes Wohnung verlassen. Aber er konnte nicht aufhören in diesem Grün zu versinken.
Boerne zog scharf die Luft ein. „Wir könnten noch ein wenig liegen bleiben, wenn das für Sie in Ordnung ist? Und dann mach ich uns Frühstück. Als, naja, als Entschädigung, sozusagen.“ Boernes Lächeln wurde unsicher, er schaute wieder an Thiel vorbei zum Fenster.
„Ja, klingt für mich schon ok.“ Boerne schaute ihm wieder in die Augen. Es lag noch immer Unsicherheit in ihnen. Thiel sah auch die Müdigkeit in Boernes Gesicht. Die Nacht war anstrengend für ihn gewesen. Boerne drehte sich auf den Rücken und schloss die Augen. Thiels linke Hand legte sich automatisch auf Boernes Brustkorb, er dachte nicht einmal darüber nach. Erst als Boerne den Kopf zu ihm drehte und in ansah, wurde es ihm bewusst. „Ich werde Ihnen irgendwann davon erzählen.“ sagte Boerne leise. „Ich würde es gerne hören. Wann immer Sie bereit dazu sind.“
Boerne schloss die Augen und drehte sein Gesicht lächelnd wieder zur Decke. Das komische Gefühl in Thiels Magen wurde noch stärker. Blöder Hunger. „Ich könnte mich daran gewöhnen.“ Boerne zögerte. Thiel rieb automatisch mit seinem Daumen über das Brustbein des anderen. „Ich könnte mich daran gewöhnen, auch ohne Albtraum.“
Thiels Herz setze einen Schlag aus. Auch das noch. Nicht nur Hunger, jetzt auch noch sein Herz.
Er lächelte. „Hmja, wir können das ja später beim Frühstück besprechen.“
no subject
Date: 2025-08-09 07:50 pm (UTC)Er musste Hunger haben, jedenfalls spürte er ein Kribbeln und Ziehen, das ihm komisch vorkam.
jaja, *Hunger* ...
Schöne Szene!