Team: Nixe
Challenge: Crack/Humor – Kommunikationsprobleme – fürs Team
Fandom: Tatort Münster
Charaktere: Boerne (POV), Thiel, Lukas
A/N: Ich liebäugele damit, ein paar Szenen zu schreiben, in denen die drei miteinander interagieren und dabei irgendwie unverhofft ein bisschen zusammenwachsen. Vielleicht kommt da noch mehr, mal schauen.
2002 • Juli
Boerne schaute auf seine Armbanduhr. Er war für seine Verhältnisse ungewöhnlich knapp dran – nur noch zwanzig Minuten, dann würde Lohmann ihn auf dem Golfplatz erwarten. Keine Unmöglichkeit, aber doch ambitioniert, wenn er sich auf seinem Weg an die Straßenverkehrsordnung halten wollte. Eilig manövrierte er seine Golftasche nach draußen und schloss die Wohnungstür ab. Vielleicht sollte er den Weg über die Marienstraße nehmen, das stellte genau genommen zwar einen Umweg dar, könnte durch den nur langsam abklingenden Berufsverkehr allerdings zu seinem Vorteil –
Ein lautes Scheppern ließ Boerne zusammenfahren. Reflexartig drehte er sich um, wobei er beinahe seine Golftasche in die Tiefen der Kellertreppe verabschiedete, und konnte sich und die Tasche nur im letzten Moment wieder stabilisieren, indem er sich an seinem Türrahmen festhielt.
„Tschuldigung.“
Boerne blinzelte. Vor ihm stand ein Kind im Flur. Ein Junge, wenn der erste Eindruck nicht täuschte. Er hatte blonde Haare, die ihm so weit ins Gesicht fielen, dass sie sein Sichtfeld erheblich einschränken mussten, trug eine kurze Cargo-Hose und ein T-Shirt mit einem Namen drauf, der Boerne nichts sagte. Vielleicht ein Film oder eine Band. Während Boerne den Jungen entgeistert musterte, beeilte der sich, die Angelrute aufzuheben, die ihm wohl eben so ohrenbetäubend auf die Fliesen gefallen sein musste.
„Wollt’ Sie nicht erschrecken“, sagte er.
Boerne, der immer noch damit beschäftigt war, die Situation richtig einzuordnen, fuhr sich mit einer Hand durch seine Haare. „Ich habe mich nicht erschreckt.“
...
„Okay.“ Der Junge lehnte sich mit seiner Angel in den Händen gegen die Wand und ließ sich dann auf den Boden rutschen. Dort blieb er sitzen.
„Ich bin Boerne“, sagte Boerne. „Professor Doktor Karl-Friedrich Boerne. Mir gehört das Haus hier.“
Das schien den Jungen nicht weiter zu interessieren. Er murmelte nur ein gleichgültiges „Hallo“ und konzentrierte sich ansonsten weiter auf seine Finger, die das Ende der Angelschnur hin und her zwirbelten.
In Boernes Kopf drehten sich die Zahnräder. Blond, wortkarg und offensichtlich darauf bedacht, Boerne das Leben schwer zu machen – der konnte ja nur zu einem aus diesem Haus gehören.
„Du bist Lukas, nehme ich an?“
Der Junge nickte.
„Und du bist gerade zu Besuch?“
Nicken.
„Wartest du auf deinen Papa?“
Wieder Nicken. Boerne hielt an seinem charmanten Lächeln fest, aber innerlich schüttelte er den Kopf über seine eigene Naivität, ausgerechnet den jüngsten der Thiels mit Ja-Nein-Fragen zu behelligen.
„Wo ist der denn gerade?“, versuchte er sich an einer neuen Strategie.
Schulterzucken.
Jetzt atmete Boerne hörbar ein. Was hatte diese Familie gegen Konversationen?
„Und die da?“ Boerne deutete auf die Angel in Lukas’ Händen. „Was habt ihr damit vor?“
„Angeln.“
Na gut, das war jetzt seine eigene Schuld gewesen.
Boerne wollte gerade das Handtuch werfen, wie man so schön zu sagen pflegte, um stattdessen endlich seinen Golfschläger zu schwingen, als er eine bekannte Stimme von der Kellertreppe vernahm.
„Hier, wir haben noch ein paar Blinker und ich hab’ sogar noch 'n Spinner gefunden –“
„Ich auch“, sagte Lukas mit einem Blick auf Boerne und der verschluckte sich fast an seiner eigenen Spucke. Als das war ja wirklich –
„Boerne.“ Thiel war die letzten Stufen nach oben gekommen und schaute ihn überrascht an. „Ich dachte, Sie sind schon längst auf dem Golfplatz.“
„Ja, das dachte ich auch.“
Erst jetzt schien Thiel ihre Situation wirklich klar zu werden und er beeilte sich, sie einander mit einem verlegenen Lächeln bekannt zu machen. „Das ist Lukas“, sagte er und deutet auf seinen Sohn. Dann fügte er überflüssigerweise noch hinzu: „Mein Sohn. Und das“, Thiel deutete jetzt auf Boerne, „ist Boerne, ein Kollege und Nachbar von mir.“
„Ihm gehört das Haus hier“, ergänzte Lukas.
Thiel schaute ihn verdutzt an, ein überfordertes Lachen purzelte über seine Lippen. „Äh ... ja –“
„Wir hatten bereits das Vergnügen“, half Boerne ihm aus.
„Ah ja.“
Boerne nutzte den Moment der allgemeinen Ratlosigkeit, um noch einmal die Uhrzeit zu kontrollieren. „Ich muss dann jetzt auch mal“, verkündete er schwungvoll. „Sonst denkt Lohmann noch, ich würde mich vor ihm drücken, und diese Genugtuung möchte ich dem alten Hallodri wirklich nicht geben. Also dann –“ Er klatschte in die Hände und zum ersten Mal sahen Thiel und sein Sohn ihn gleichzeitig an, was Boerne völlig unvorbereitet drohte, aus dem Konzept zu bringen, weil ihn jetzt, wo die beiden so nebeneinander standen, die Ähnlichkeit in ihren Gesichtern wie aus dem Nichts traf – das war dasselbe klare Blau, das aus ihren Augen strahlte, dieselben hohen Wangenknochen, dieselbe Nase, die zwar bei Lukas noch klein und unscheinbar war, aber der man trotzdem das kantige Profil des Vaters ablesen konnte.
„Äh“, sammelte Boerne sich wieder, „Petri Heil! Sage ich da nur.“
„Petri Dank“, gab Thiel zurück.
Und mit einem letzten entschlossenen Lächeln und Nicken schnappte Boerne sich seine Golftasche und verließ forschen Schrittes das Haus.
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Date: 2025-08-08 04:48 pm (UTC)Blond, wortkarg und offensichtlich darauf bedacht, Boerne das Leben schwer zu machen
snicker
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Date: 2025-09-05 01:27 pm (UTC)