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Team: Kobold
Titel: Märchenprinz (Teil 2) (Teil 1)
Challenge: Crack — “Bist du sicher, dass das eine gute Idee ist?”
Fandom: Mord in Wien, Kohlrabenschwarz
Charaktere: Franziska Malzer, Carl-Albrecht Nassau, Franz Hartl, Susanne Schwab, Stefan Schwab, Altjoff Erdmann



Malzer schaute zweifelnd nach draußen.


„Ist das eine gute Idee?“


„Nein.“


„Aber die Alternative ist ...“


„Die Kollegen anzurufen und ihnen zu sagen, dass sich ein sehr nasser Bayer, sehr seltsam verhalten hat, und am Ende stellt sich raus, dass der doch nur geocachen ist.“


Carl war genauso wenig angetan, von der Aussicht bei diesem Wetter das Auto zu verlassen, aber er teilte Malzers Einschätzung. Sie brauchten etwas Konkretes, bevor sie Verstärkung rufen konnten.


„Haben Sie wenigstens Ihren Glücksbringer dabei?“, fragte sie.


„Natürlich.“


Mit einem „Dann sind wir ja sicher vor allen Spielzeugsoldaten“ stieß sie die Tür auf und er folgte ihr. Zumindest hatte sich der Regen etwas beruhigt. Sie würden nicht gleich bis auf die Knochen durchnässt werden.


Zurück an der Stelle, an der sie Hartl verabschiedet hatten, erkannten sie einen schmalen Pfad, der durch das Gestrüpp führte. Hartl musste ihn genommen haben. Carl bedeutete Malzer hinter ihm zu bleiben, und flüsterte zur Sicherheit „Ich bin bewaffnet“, aber sie nickte nur und hielt ihr Handy hoch. Wenn es nötig war, konnte sie schnell jemanden verständigen. Vorausgesetzt sie hatten hier Netz.


Nach wenigen Minuten standen sie vor einer Hütte. Alt, noch keine Ruine aber sicher auch nicht mehr in regelmäßigem Gebrauch. Vorsichtig schlichen sie bis zur Tür. Sie stand offen - beziehungsweise es gab keine Tür mehr, nur ein paar Holzreste in einem Rahmen. Das vereinfachte es natürlich. Er und Malzer positionierten sich auf den Seiten und lauschten.


„Is scho gut Spazerl.“ Das war Hartl


„Ja nimm doch wenigstens die. Dann kriegst du keine Erkältung.“ Eine Frauenstimme.


Ein zweiter Mann schaltete sich jetzt ein. Auch ein Deutscher, genau wie die Frau, und auch ohne erkennbaren Dialekt. „Man kriegt keine Erkältung vom durch den Regen laufen. Und wenn man sie doch davon kriegen würde, dann würden bestimmt auch keine Zuckerkügelchen, die mal in der Nähe von einem Pfefferminzbaum gelegen haben.“


Carl warf Malzer einen Blick zu, um sich zu vergewissern, dass sie gerade das Gleiche hörte wie er. Sie erwiderte seinen ungläubigen Blick.


„Das sind Globuli auf ...“


Die Frau wurde von einem weiteren Mann unterbrochen. „Ich wäre Ihnen sehr verbunden, wenn Sie diese Diskussion auf später verschieben würden. Erstens, weil ich dann nicht zuhören muss, und zweitens, weil wir momentan doch unter Zeitdruck stehen.“ Die gestochene Ausdrucksweise und die überkorrekte Aussprache erinnerten Carl so sehr an seinen Großvater, dass er den Impuls zu überprüfen, ob er wirklich gerade stand, unterdrücken musste.


„Ja wir täten weniger unter Zeitdruck stehen, wenn uns die Tunnelwürmer direkt hier abgesetzt hätten.“


Malzer starrte ihn an und flüsterte fast lautlos „Tunnelwürmer?“. Er konnte nur nicken. Er hatte ja genau das Gleiche verstanden.


Der zweite Mann schaltete sich jetzt etwas kleinlaut ein. „Ja. Ich hatte leider nicht damit gerechnet, dass dieser Fall immer noch Nachwirkungen hat.“


„Haben Sie nicht damit gerechnet, oder dachten Sie, es wird einfach lustiger für uns alle, wenn Sie es nicht sagen Erdmann?“ meldete sich jetzt wieder der Mann mit der Abneigung gegen Globuli zu Wort. „Mensch die haben Anna, Nadjia und Chris irgendwo in der Schweiz abgesetzt.“


„Herr Schwab“, seufzte jetzt der andere - Erdmann - „Wie ich schon ...“, aber irgendetwas brachte ihn zum Schweigen.


Malzer riss plötzlich die Augen auf und deutet hinter Carl. Er wirbelte herum. Etwas kam auf ihn zu.


Nicht etwas. Jemand. Ein Mädchen. Ihr genaues Alter konnte er nicht schätzen, weil ihre Augen geschlossen, und ihr Kopf nach vorne gesunken war, ganz als wäre sie bewusstlos. Aber sie bewegte sich trotzdem in einem seltsamen Rythmus vorwärts. Ihre Beine bewegten sich, aber das war kein Laufen, sondern ...


Tanzen.


Sie tanzte Walzer. Oder ihre Beine taten es. Ihre Arme hingen genauso schlaff herunter wie ihr Kopf.


„Was?“ Er hätte nicht sagen können, wer von ihnen beiden das geflüstert hatte. Das Mädchen war inzwischen näher gekommen, und weil das bisher alles noch nicht seltsam genug war, erkannte er jetzt, dass trotz des Regens, durch den sie gekommen war, Jeans und T-Shirt, das sie trug, genau wie ihre Haare trocken waren. Die knallroten Lackschuhe, die so gar nicht zum Rest des legeren Outfits passten, zeigten ebenfalls kein Anzeichen dafür, dass sie gerade über den inzwischen vom Regen sehr aufgeweichten Boden gelaufen war.


Sie kam immer näher und ging dann ohne von Carl und Malzer Notiz zu nehmen an ihnen vorbei durch die Tür.


Ohne lange zu überlegen, ob das eine gute Idee war, folgte er ihr.


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