Hurt/Comfort – Verbandswechsel (fürs Team)
Aug. 4th, 2025 10:16 pmChallenge: Hurt/Comfort – Verbandswechsel (fürs Team)
Fandom: Tatort Wien
Charaktere: Bibi Fellner, Ernst Rauter
A/N: Folgt auf die Gleichgewichtsgeschichte
Nachdem Ernstl aufgehört hatte, in ihren Armen zu schwanken, wartete Bibi noch ein paar Minuten, bis sie sicher war, dass sich sein Gleichgewicht wieder eingepegelt hatte. Vorsichtig ließ sie ihn los und strich über seine schweißnassen Haare. Auch seine Arme lockerten sich nun und er löste seine Hände aus ihrem Pullover.
Sein halb aufgeknöpftes Hemd war ihr eben gar nicht aufgefallen. "Wolltest du den Verband wechseln?"
Er nickte, ohne sie anzusehen und begann, an dem Hemd herumzufingern, doch seine Hände zitterten so stark, dass er den Knopf nicht zu fassen bekam. Augenbrauen zogen sich zusammen und im nächsten Moment ließ Ernstl von dem Knopf ab und schlug stattdessen mit einem frustrierten Schnauben auf den Wannenrand neben sich.
"Ernstl, hey," begann sie vorsichtig und sein Kopf zuckte hoch. Er blinzelte sie mit solch einem Ausdruck ehrlicher Überraschung an, dass ihr ganz Angst und Bange wurde. Da ihm seine Gedächtnisaussetzer immer sehr Angst machten, behielt sie es jedoch für sich.
"Darf ich dir dabei helfen?", fragte sie stattdessen und nach einer kurzen Denkpause und einem niedergeschlagenen Seufzen nickte er schließlich.
Bevor Bibi begann, nahm sie erst einmal seine zitternden Hände in ihre und drückte sie sanft, bevor sie sie loßließ. Ernstl legte die Hände in seinen Schoß und sah ihr zu, wie sie die letzten Knöpfe öffnete. Er streifte das Hemd sofort von seinen Schultern und legte es über den Wannenrand.
Das Pflaster auf seiner Brust war gerade so groß wie ihre Handfläche und löste sich an den Rändern schon von seiner Haut. Vorsichtig zupfte sie es ab, darauf bedacht, ihm möglichst wenig wehzutun. Er hatte schon genug mitgemacht.
Was unter dem Pflaster zum Vorschein kam, war unscheinbar und doch…
Bibi wurde ganz flau im Magen bei dem Gedanken daran, was der kurze, zugenähte Schnitt für sie bedeutete. Was der Ernstl für sie getan hatte… Wie konnte sie das nur jemals wieder gutmachen?
Wie in Trance versorgte sie die Wunde. Erst als das Resultat ihrer Unaufmerksamkeit schließlich unter einem neuen Pflaster verborgen war, hatte sie das Gefühl, wieder frei atmen zu können. Sie strich noch einmal über die Ränder des Pflasters und legte dann eine Hand auf Ernstls Schulter. Der hatte ihr die ganze Zeit stumm zugesehen; kein einziges Mal gezuckt hatte er, obwohl sie sicher war, dass nicht der ganze Prozess schmerzfrei gewesen sein konnte.
Über die Gründe für seine fehlende Reaktion wollte sie lieber nicht nachdenken.
"Da, alles fertig," sagte sie also und drückte noch einmal seine Schulter.
Ernstl brummte zustimmend, fuhr einmal selbst mit unsicheren Fingern über das Pflaster auf seiner Brust und sah dann zu ihr hoch. Sein Lächeln war zaghaft, aber seine Hände warm und sein Griff fest, als er jetzt ihre Hände kurz drückte.
"Du kommst zurecht?", fragte sie, nachdem er losgelassen hatte.
Er nickte, also verließ sie das Bad und überließ Ernstl sich selbst.