Challenge: Hurt/Comfort – Erinnerungslücke (fürs Team)
Fandom: Tatort Wien
Charaktere: Moritz Eisner, Ernst Rauter
Inhalt: Dass Moritz sich nicht richtig an die Nacht mit Ernstl erinnern kann, macht ihm zu schaffen.
A/N: Theoretisch eine Fortsetzung zu Schön, nur war nicht geplant, dass dieses Gespräch derart offen verläuft. Das muss ich wohl später nochmal etwas verkomplizieren :D
Das war so unfair.
Moritz hatte sich nie Gedanken darüber gemacht, wie es wohl wäre, mit einem Mann zu schlafen. Jetzt hatte er es getan und konnte sich doch nur bruchstückhaft daran erinnern. Es waren immer die gleichen Bilder, die sein Gedächtnis heraufbeschwor: Fragmente einer alkoholgetränkten Nacht, ohne Grund und ohne Zusammenhang.
Es sollte ihm egal sein. Das war schließlich eine einmalige Sache.
Sollte.
Wäre da nicht sein deppertes Gedächtnis, das ihm diese Erinnerungsfragmente jedes Mal vorzeigte, wenn er sich sich selbst anfasste und ihn fragte: 'Wie ist das passiert?' und 'Was genau haben wir getan?' und 'War das nicht gut?'
Nein, das war nicht gut. Das war ganz und gar unsexy, dachte Moritz und wünschte sich, er wäre ein weniger neugieriger Mensch. Wie unfair, dass es ihm nun seinen Spaß verleidete, dass er sich nicht richtig an etwas erinnern konnte, was er sowieso nie hatte tun wollen.
Schön war es gewesen, so viel wusste er. Aber noch lieber wüsste er alles.
An den Rest der Nacht würde er sich vermutlich nie erinnern können, aber vielleicht…
'Das müssen wir mal wiederholen', hatte Ernstl gesagt und auch wenn Moritz ihn nun wirklich nicht anziehend fand– Es war ja der Ernstl. Der würde nichts tun, was Moritz nicht wollte. Jedenfalls nicht auf diese Art.
Und je länger er darüber nachdachte, desto mehr verspürte er das Bedürfnis, herauszufinden, wie das nun tatsächlich war, mit einem Mann zu schlafen.
***
Eine Woche später ergab sich endlich eine Gelegenheit, die Sache zur Sprache zu bringen, als er mit Ernstl nach Dienstschluss noch auf ein Bier ging. Sein Freund hatte sich seit der Scheidung noch mehr in seine Arbeit vertieft, so dass Moritz fast betteln musste, um ihn dazu zu bewegen, aus seinem Büro herauszukommen.
"Ich hab ned gewusst, dass du überhaupt auf mich stehst," begann er irgendwann.
Ernstl sah ihn überrascht an. "Ich steh ned auf dich."
Er lehnte sich vor und zog verwirrt die Augenbrauen zusammen. "Warum schläfst du dann mit mir, du Depp?"
"Das fragst du mich? Ich kann mich nicht mal dran erinnern." Ernstl zuckte die Schultern. "Außerdem hast du ja wohl freiwillig mitgemacht."
"Hrm, ich weiß."
"Dann kann's so schlimm ned gewesen sein."
So schlimm war es tatsächlich nicht und genau das war Moritz' Problem. Wenn es furchtbar gewesen wäre, würde es ihm schließlich nicht dauernd im Kopf herumspuken.
"Warum fragst überhaupt? Ich dachte, du willst das Ganze lieber vergessen?"
"Wär schön, wenn ich's könnt," sagte er, woraufhin Ernstl die Augenbrauen hob. Anstatt nachzufragen, trank er jedoch in aller Seelenruhe sein Bier und sah Moritz aufmerksam an, als wartete er nur darauf ,dass er weiterredete. Moritz wäre es lieber gewesen, Ernstl hätte nachgehakt. Er kam sich eh schon blöd genug vor, das anzusprechen.
"Ich hab mich halt gefragt, wie das is. Wenn man so richtig miteinander… Also, ich mein…" Na toll, jetzt stammelte er sich hier was zurecht. Hätte er doch bloß nichts gesagt. Er winkte ab. "Ach, vergiss es."
Ernstl sah ihn an, als wüsste er trotzdem genau, was er meinte.
"Du fragst dich, wie es ist, so richtig mit mir zu schlafen?"
Tja, zu spät. Aus der Sache kam er jetzt nicht mehr so einfach heraus. "Nicht mit dir. Nur so… allgemein," antwortete er stattdessen, als würde das irgendwas besser machen.
Natürlich durchschaute Ernstl ihn. Seine Mundwinkel zuckten, als er fragte, "Willst du lieber mit jemand anderem schlafen?"
Moritz' "Nein!" kam eventuell etwas zu schnell um sich noch herauswinden zu können. Er spürte, wie er rot anlief. Mann, hätte er doch bloß nichts gesagt!
Ernstl lachte, der Blödmann. "Ich weiß nicht, ob ich mich geehrt fühlen oder mir Sorgen über deinen Geisteszustand machen sollte."
"Mit meinem Geisteszustand ist alles in Ordnung," antwortete er trotzig und verschränkte die Arme. Wahrscheinlich war sein ganzes Gesicht knallrot. So ein Mist.
"Das muss dir ja nicht peinlich sein. Ich war nur etwas überrascht," lächelte Ernstl nun. "Aber wennst willst, sicher. Ich schlaf mit dir."
"Was, einfach so?"
"Warum ned? Is doch nix dabei. "
"Ich dacht, du stehst ned auf mich?" Misstrauisch beäugte er Ernstl, aber der zuckte nur die Schultern.
"Wenn ich nur mit Leuten schlafen würd, auf die ich steh, hätt ich ja in meinem ganzen Leben noch nie Sex gehabt."
Moritz verdrehte die Augen. "Und ich dachte immer, du wärst der Romantiker von uns beiden."
"Pfft, das hat doch überhaupt nichts mit Romantik zu tun."
Na ein Glück. An so etwas wollte Moritz gar nicht erst denken. Nein, ihm ging es nur darum, seine Neugier zu befriedigen und die Erinnerungslücken zu füllen, die seit Wochen an seinem Verstand kratzten. "Und du würdest das wirklich einfach so machen?"
"Na ja, ich kann mich ned an die Nacht erinnern. Aber du bist ja mein bester Freund. Ich denk halt, mit dir wär's… schön." Ernstl zuckte die Schultern und wieder musste Moritz daran denken, wie Ernstl an dem Morgen gemurmelt hatte, er wolle sich auch an etwas Schönes erinnern können.
Inzwischen schien ihm die Aussicht auf noch eine Nacht mit Ernstl, dieses Mal im Vollbesitz ihrer Sinne, gar nicht mehr so erschreckend. Er würde die Lücken in seinem Gedächtnis füllen können und außerdem… Er kannte doch den Ernstl. Der würde sich jede Mühe geben, damit Moritz sich wohlfühlte. Sein Herz begann, vor Aufregung schneller zu schlagen. Ja, mit Sicherheit würde es schön werden.
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Date: 2025-08-04 04:33 pm (UTC)