Team: Kobold
Challenge: Hurt/Comfort — am Ende sein — fürs Team
Fandom: Tatort München
Charaktere: Franz Leitmayr, Ivo Batic
Wörter: 645
Ivo hatte Franz auch während des restlichen Anrufs beobachtet. Herausgefunden, wer das war, hatte er nicht – wohl jemand, der Franz nahe stand.
Er und Franz kannten sich jetzt schon fast zehn Jahre, und zusammen waren sie auch schon mindestens fünf Jahre. In dieser Zeitspanne hatte Franz Ivos Tanten mehrmals getroffen, und jetzt, da der Krieg endlich vorbei war, waren sie sogar mal gemeinsam nach Kroatien gefahren.
Umgekehrt wusste Ivo fast nichts über Franz’ Vergangenheit – über die Zeit vor der Mordkommission. Ivo redete auch nicht allzu gern über bestimmte Aspekte seiner Kindheit, seine toten Eltern zum Beispiel, und so hatte er das einfach akzeptiert, dass Franz ihm bisher nichts erzählt hatte. Irgendwann würde der Tag vielleicht schon nochmal kommen. Außerdem wollte Ivo Franz dafür wirklich nicht verurteilen – er war selber nicht gerade gut darin, über Gefühle zu sprechen.
Aber Ivo dachte zu viel nach. Dem Gesichtsausdruck auf Franz’ Gesicht nach zu urteilen war das kein Telefonat, das er gerne führte.
Von Franz kam noch ein „Nein, hab ich nicht“, dann legte er auf – und im nächsten Moment knallte Franz’ Kopf mit einem doch recht lauten Knall gegen die Tischkante. Wenige Augenblicke später begann Franz’ Körper ganz leicht zu zucken, oder fast schon zu beben, und Franz vergrub sein Gesicht in seinen verschränkten Armen.
Picku materinu, Franz schien wirklich am Ende zu sein.
Das Protokoll – und auch alles andere – war vergessen.
Ivo hoffte und betete, dass genau jetzt einfach niemand etwas von ihnen wollte. Irgendein Carlo, der meinte, irgendwelche Witze reißen zu müssen, konnte Ivo jetzt so gar nicht gebrauchen.
Er rollte mit seinem Bürostuhl direkt vor Franz.
„Franz… hey… Franz“, Ivo versuchte sanft Franz ganz leicht an der Schulter in seine Richtung zu drehen.
„Komm, schau mich mal an, bitte.“
Es dauerte noch etwas, dann löste Franz seinen Kopf aus seinen Armen und blickte mit großen, roten, glasigen Augen in Ivos strahlend blaue.
„Alles gut“, flüsterte Franz und wollte sich wegdrehen – so tun, als würde auch er an seinem Protokoll weiterschreiben.
Ivo hatte ja recht: Das hier war kein Ort für seine privaten Befindlichkeiten. Er konnte ja zu Hause weiterheulen.
Aber dieser Anruf hatte so einen großen Riss in Franz hinterlassen, dass alles in ihm schmerzte. Und alles, was er hier tat, fühlte sich irgendwie sinnlos an.
Es dauerte keine Sekunde, bis alles vor seinen Augen wieder verschwamm und sich auf seinem Schreibtisch eine kleine Pfütze bildete.
„Nix ist gut“, war Ivos bestimmte Antwort.
„Komm mal her.“
Dann zog er Franz in eine Umarmung, ganz nah zu sich. Und obwohl Franz sich am Anfang noch wehrte, noch eher steif in dieser Umarmung hing, wusste Ivo genau, was er tun und sagen musste, um Franz zum Schmelzen zu bringen.
Langsam fuhr er mit seinen Fingern durch Franz’ dunkle, lange Locken.
„Alles wird gut“, flüsterte Ivo in Franz’ Haare – und jetzt konnte auch Franz sich nicht länger zurückhalten. Er ließ sich fallen und von Ivos Armen halten und begann irgendetwas zu schluchzen.
„Aber ich bin doch gar ned gut genug für dich!“
„Wer sagt das denn? Du bist mein Franz. Und du bist genauso gut genug, wie du bist – und des wird auch immer so sein.“
„Er hat das gesagt.“
„Wer ist er?“
Franz sah jetzt kurz zu Ivo auf, betrachtete ihn. Wie da so viel Liebe in Ivos Augen war. Wie zärtlich Ivo gerade mit ihm war.
Franz wollte das nicht kaputtmachen – nicht mit seinem Vater und auch mit nichts sonst.
„Niemand“, kam es dann leise von Franz.
Ivo hätte fast geseufzt, aber wahrscheinlich hätte auch er Franz nicht mehr gesagt. Und so zog er Franz einfach wieder näher zu sich.
Franz schien sich jetzt auch einigermaßen beruhigt zu haben. Und mit jeder Minute wuchs Ivos Angst, hier „erwischt“ zu werden.
Also flüsterte er wieder ganz sanft in Franz’ Haare:
„Geht’s wieder? Lass uns später nochmal drüber reden.“
Franz nickte langsam, dann lösten sie sich wieder voneinander.