Team: Kobold
Challenge: Angst — eingeholt von der Vergangenheit — für mich
Fandom: Tatort München
Charaktere: Franz Leitmayr, Ivo Batic
Wörter: 440
A/N: tw: child abuse
Es war schon Abend, als sie zu Hause in ihrer eigenen Wohnung ankamen.
Es war dunkel draußen –
so dunkel, wie Franz sich fühlte.
Zitternd und immer noch schwindelig zog er sich die Schuhe aus.
Setzte alles daran, dass Ivo nichts merkte.
Er wusste, er sollte Ivo in der Küche helfen.
Oder wenigstens mal wieder aufräumen.
Aber er konnte nicht.
Er saß einfach nur da, auf der Couch – und starrte in die Leere.
Ivos Ärger hatte sich im Laufe des Tages in Sorge verwandelt.
Und als er Franz jetzt so dasitzen sah – wie er kaum blinzelte, seine Hände zitterten, seine Augen einen roten Schimmer hatten –
da brach es Ivo fast das Herz.
Er setzte sich zu ihm.
„Du musst den Fall nicht machen, Franz“, probierte Ivo es vorsichtig.
„Doch“, antwortete Franz – tonlos, weiter in die Leere starrend.
„Du musst dir das nicht antun.“
Ivo rückte noch näher an ihn heran.
„Wenn ich ihn abgebe, dann hab ich verloren.
Dann gewinnt er wieder“, kam es zurück – genauso tonlos wie zuvor.
Ivo suchte verzweifelt nach einem Weg, zu Franz durchzudringen.
„Es geht hier nicht um ihn.“
„Doch. Immer.“
Das war alles, was er als Antwort bekam.
Jetzt hielt Ivo es nicht mehr aus.
Er zog Franz zu sich – ganz nah.
Franz’ Kopf kam auf Ivos Brust zu liegen.
Ein Beben ging durch Franz’ Körper.
Er schluchzte fast, als er flüsterte:
„Was, wenn sie recht hatten? Die Leute da heute.
Was, wenn ich’s mir nur eingebildet hab?
Vielleicht... vielleicht war’s gar nicht so schlimm.
Vielleicht hab ich übertrieben.
Ich war ja nur ein Kind.
Kinder verstehen manchmal Dinge falsch, oder?“
Seine Stimme brach.
„Franz, schau mich an“, sagte Ivo leise und hob Franz’ Kinn, sodass dieser ihm in die Augen schauen musste.
„Was du erlebt hast, war Gewalt.
Es war falsch.
Ganz egal was andere sagen.
Was du gefühlt hast, war echt.
Was er dir angetan hat, war echt.“
Da war noch immer so viel Schmerz in Franz’ Blick –
von dem Ivo wusste, dass Franz ihn niemals in Worte fassen konnte.
Er zog ihn wieder zu sich – ganz nah.
So nah, dass man sie fast für eins hätte halten können.
Dann flüsterte er in Franz’ Ohr:
„Franz, ich hab dich so, so lieb.
Für mich bist du gut genug.
Egal, was dein Vater oder sonst wer gesagt hat.“
Franz’ Hände verkrallten sich in Ivo.
Er drückte sich noch näher an ihn.
Wieder ging ein Beben durch seinen Körper.
Mit einem Arm hielt Ivo ihn ganz fest,
mit dem anderen streichelte er durch Franz’ weißes Haar.
Dann flüsterte er noch einmal:
„Alles wird gut.
Ich bin hier.
Und ich bleib – so lang du mich brauchst.“