Team: Kobold
Challenge: Reverse Challenges — Enttäuschte Erwartungen — fürs Team
Fandom: Tatort München, Tatort Wien
Charaktere: Franz Leitmayr, Ivo Batic, Moritz Eisner, Bibi Fellner
Wörter: 1335
„So hab i mir des jetzt aber ned vorgestellt“, zischte Bibi Moritz zu.
„Ja, ich mir auch nicht“, antwortete der nur, noch grantiger als sie.
So schlimm fand sie das mit den Kollegen aus München eigentlich gar nicht – aber sie und Moritz waren eben ein eingespieltes Team, und andere störten da meistens nur.
„Wos soll ich denn mit den zwei Deutschen? De kennan si jo eh nicht aus. Is ja immer noch ein österreichischer Fall“, brummte Moritz weiter.
Viel Zeit für Privatgespräche blieb aber nicht – sie standen schon wieder im Kreis um Schachinger und die Leiche. Die sah auch nicht mehr ganz frisch aus, eher so, als hätte sie schon ein paar Tage im Inn gelegen.
Schachinger begann wieder zu sprechen:
„Oiso, des is unsa Leich: des is da Schachl Günther. Der hod drüben in Neuhaus gwohnt und woa a ehemaliger guader Freind vun unserm Mörder.“
„’tschuldigung, wenn ich da kurz unterbrechen muss“, meldete sich Leitmayr. „Aber wir wissen doch noch gar ned, ob der Herr Heftberger überhaupt unser Mörder is, oder?“
„Jojo, oba is hoid naheliegend. Wer soids denn sonst gwen sei? Najo – S' finden des donn scho außa. Zruck zum Opfer: de Spurensicherung und so san hoid jetzt scho wieder weg. Deshalb werd i des für Sie jetzt moi zamfassen.
Oiso: wie gsogt, des is da Schachl Günther. A guader Freind von dem Heftberger Herbert, der vor zwoa Wochen leider obgängig woan is. Und da Herr Schachl is laut Obduktion erwürgt woan, dann gefesselt und geknebelt und in Inn gschmissen – vor ungefähr ana Wochn. Jetzt hod’s na hoid do ogschwoabt. Segt ma moa i eh: de Knotentechnik und des Erwürgen, des passt hoid ois exakt zum Heftberger. Der hod vor zehn Joahr auf de gleiche Art und Weise drei Frau’n umbrocht.
Und in unsrer Gegend do konn ma an Nachahmungstäter eigentlich ausschließen. Oba najo – mochens S' si hoid söm a Bild. Des warats erst moi vo mir.
Wenn’s woin, kinan S' jetzt nu mia noche foan. I dad Erna dann no de Büros in Ried zoang, wo S' oabeiten kenan.“
„Du musst das nicht immer für mich übersetzen. Ob du’s glaubst oder nicht, Franz – aber in Freilassing sprechen die einen ganz ähnlichen Dialekt. Ich versteh durchaus, was die sagen. Ich mein sogar, zu glauben, dass ich besser Dialekt sprech als du.“
Franz lachte nur. „Du – besser Dialekt als ich? Des glaubst du ja wohl selber ned.“
Er lachte weiter.
„Ja, haha, lach ruhig. Wirst schon noch sehen – am Ende muss ich für dich übersetzen.“
„Was sagst du eigentlich zu den Wiener Kollegen?“ Franz hatte aufgehört zu lachen und konzentrierte sich wieder auf die Straße.
„Was soll ich sagen? Wirken ganz freundlich. Wir werden sehen, wie die Zusammenarbeit mit denen wird.“
„Jaa, aber hast du ned ghört, wie die vorhin über uns gredet ham, wie wir runter zum Inn gangen sind?“
„Na, was haben die denn gesagt?“
„Wieder nicht aufgepasst, Ivo. Eieiei...“
„Jetzt sag halt einfach.“
„Das, was ich mir denke, haben sie gesagt: Warum wir überhaupt da sind – und dass sie uns nicht brauchen. Aber anscheinend brauchen die Österreicher echt bei allem unsere Hilfe.“
Franz lachte, und Ivo grinste auch.
Die Fahrt nach Ried dauerte gerade mal 20 Minuten und führte größtenteils nochmal ein Stück an der Autobahn entlang – eigentlich dieselbe Strecke, auf der Bibi und Moritz auch schon gekommen waren.
„Jetzt sei halt nicht gleich so negativ eingstellt. Du weißt doch noch gar nicht, wie die Kollegen so sind“, meinte Bibi.
„Ja doch, das weiß ich schon, Bibi. Ich kenn solche Typen. Das ist immer dasselbe mit denen – die glauben, dass sie was Besseres sind“, brummte Moritz.
Das Büro war klein und lag in einem verwinkelten Altbau. Von außen hätte man gar nicht vermutet, wie es drinnen aussah. Das Büro selbst glich mehr einer Rumpelkammer als einem richtigen Arbeitsplatz – man merkte deutlich, dass es nur eine provisorische Lösung war.
Schachinger begann wieder zu sprechen:
„Jo, des waraten donn Ernane Büroräume. Is jetzt nix Großes, oba sie wean eh ned so long do sei, do reicht des scho. Was anderes hat si jetzt auf die Gache ned auftreiben lossen. Jo, wie gsagt: Wenn’s Fragen hom, kinansa Sie einfach melden – Se finden mi in der Polizeiwach’ im Rathaus. Is eh glei do aufi, dann um Schreamsn, dann viere durch’n Durchgang, dann sans am Rossmarkt, do geht’s nu wengal aufi – und dann sengs Sies eh scho.
De Tür geht monchmoi ned, oba des schoffen’s scho. Ansonsten bleibt ma nix anders übrig, ois Erna vü Glück und Erfolg zu wünschen – i bin ma sicher, Se finden den Heftberger!“
Kaum war Schachinger gegangen, brach eine wilde Diskussion los:
„Also, wie wollen wir das jetzt machen?“
„Vielleicht könnten wir die Teams ja mischen?“
„Wozu denn mischen? So is viel besser.“
„Ja, find ich auch.“
„Rein rechtlich is das aber viel praktischer.“
„Vielleicht fangen wir beim Opfer zum Ermitteln an?“
„Oba es is doch davon auszugehen, dass der Heftberger der Mörder is – do sollt ma doch bei dem anfangen.“
„Ja, auszugehen – aber wissen tun wir’s ned. Und es geht immer noch hauptsächlich um das Opfer.“
„Naja, wenn der jetzt noch mehr erwürgt, dann geht’s meiner Meinung nach eh eher um ihn...“
„Sooo, halt! Jetzt beruhigen wir uns mal – sonst brauchen wir uns um den Heftberger bald gar keine Sorgen mehr machen, weil wir uns eh alle gegenseitig umbracht haben“, warf Bibi in die Diskussion ein– und es schien zu wirken. Alle drei Männer wurden still.
Bibi grinste leise in sich hinein, dann redete sie weiter:
„Es wär doch wirklich am klügsten, wenn wir uns durchmischen. Schließlich haben ich und der Moritz die Entscheidungsgewalt hauptsächlich hier in Österreich, und der Franz und der Ivo hauptsächlich drüben in Bayern. Da würd’s ja nur Sinn ergeben, wenn wir uns jetzt teilen – damit wir keine Einschränkungen haben. Und dann kann eine Gruppe im Umfeld vom Heftberger ermitteln, und die andere im Umfeld vom Schachl. Und dann sehn wir ja, ob sich irgendwo was überschneidet.“
Jetzt schaltete sich Ivo ein:
„Also ich find den Plan von der Bibi ned so schlecht.“
„Jaja, des sagst du jetzt nur, weil sie deine Vorschläge übernommen hat“, kam es mürrisch von Franz. „Aber – von mir aus.“
„Und was is mit dir, Moritz?“, stupste Bibi Moritz an.
Auch er hatte mürrisch die Arme vor der Brust verschränkt. Jetzt brummte er:
„Von mir aus.“
Franz klatschte in die Hände. „Ja gut, dann wär das ja jetzt geklärt. Wie machen wir die Aufteilung?“
Ivo lächelte Bibi an. „Die Dame entscheidet.“
„Gut – dann entscheid ich mich für den Ivo.“
Franz und Moritz waren beide über den Ausgang der Diskussion nicht besonders glücklich. Ursprünglich hatte Franz sich ja sogar gefreut, mal wieder mit Ivo ein wenig außerhalb Münchens ermitteln zu können – jetzt hatte man ihm aber diesen Wiener Kollegen „untergejubelt“ und Ivo war irgendwo ganz anders und Franz hatte keine Ahnung, wo.
Und obwohl er die Situation an sich gar nicht sooo schlimm fand – so ganz ohne Ivo war es dann doch ziemlich bescheiden. Dieser Moritz schien zudem ungefähr genauso viel Motivation zu haben wie er selbst. Ihr Aufgabengebiet war nun auch noch ausgerechnet der Heftberger geworden – gegen den sich Franz seit Beginn gewehrt hatte.
Aber naja – einstimmig hatten Moritz und er beschlossen, dass sie vielleicht bei der Richterin anfangen sollten, die damals im Fall Heftberger entschieden hatte. Zufällig hatte diese genau heute einen Termin am Bezirksgericht in Ried – ein glücklicher Umstand. Also waren sie losgestapft, von der Froschaugasse in die Bahnhofstraße.
Zuerst schwiegen sie sich an – doch dann begann einer von beiden das Eis zu brechen. Bald machten sie Witze darüber, was Ivo und Bibi wohl gerade trieben, und dass Ivo ja schon immer der Frauenheld gewesen sei. Sie sprachen über die Fälle der letzten Jahre, lachten sogar, und die zehn Minuten Weg vergingen schneller als gedacht.
Am Ende fanden sie es beide gar nicht mehr so schlimm, miteinander zu ermitteln. Franz sah es sogar als willkommene Abwechslung. Und auch wenn die Stadt etwas verschlafen wirkte – die Gegend war schön. Eigentlich mochte Franz es ja, auch mal außerhalb Münchens arbeiten zu können.