Nach Hause kommen [Fürs Team]
Aug. 1st, 2025 02:27 pmTeam: Kobold
Challenge: Romantik/Intimität — Alltägliches
Fandom: Tatort München
Charaktere: Franz Leitmayr, Laura (Tatort München), Ivo Batic (mentioned)
Rating: General
Anmerkung: Franz kommt nach seinem ersten Arbeitstag nach der Beförderung zum Kriminalhauptkommissar nach Haus zu Laura. Ca. 1990.
Wörter: ~910
Zeit: ~130 min
Franz ließ seinen Schlüsselbund geräuschvoll auf Lauras Flurschränkchen plumpsen und trat sich die Schuhe von den Füßen.
"Und, wie war der erste Tag als Kriminalhauptkommissar?", rief Laura aus dem Wohnzimmer.
Franz hängte sein Jackett an die Garderobe und folgte ihrer Stimme. Sie saß auf dem Sofa, in einer Bluse und hellblauen Jeans. Sie war barfuß, gerade dabei, sich die Fußnägel zu lackieren, knallrot. Das rechte Bein hatte sie ausgestreckt, den Fuß mit den bereits lackierten Nägeln zum Trocknen auf dem Couchtisch abgelegt, während das linke Bein angewinkelt war, Knie an ihrer Brust. Ihr Blick war konzentriert, während sie mit dem Pinsel über den Nagel des linken großen Zehs strich. Ihre blonden Haare waren auf dem Kopf zu einem unordentlichen Dutt aufgetürmt, aus dem seitlich Strähnen an ihrem Kopf herabhingen. Wunderschön sah sie aus, dachte Franz.
Er lächelte zufrieden. In ein paar langen Schritten war er beim Sofa; ließ sich schwungvoll neben Laura fallen und drückte ihr einen Kuss auf die die Wange. Laura machte ein unwilliges Geräusch, als sie der Erschütterung wegen mit dem Pinsel verrutschte und eine rote Spur auf dem Zeh selbst hinterließ.
Trotzdem lehnte sie sich zu Franz hinüber und gab ihm einen schnellen Kuss zurück, bevor sie den Pinsel zurück in die Nagellackflasche steckte und sie sorgfältig verschraubte. Sie setzte den linken Fuß auf den Boden und drehte den Oberkörper zu Franz, widmete ihm ihre volle Aufmerksamkeit.
"Wie war's?", wiederholte Laura die Frage.
Franz strich ihr sanft eine lose Haarsträhne aus dem Gesicht.
"Gut war's.", sagte er langsam.
Er lehnte sich vor, drückte ihr noch einen Kuss auf die Lippen, länger dieses Mal. Laura legte ihm eine Hand in den Nacken, wickelte die Locken dort um ihre Finger, küsste zurück. Franz sog ihren vertrauten Geruch ein.
Als sie sich wieder voneinander lösten, erwiderte sie:
"Na, ein bisschen ausführlicher könntest du schon werden. Ich bin doch neugierig, wie's so ist als Kriminalhauptkommissar bei der Mordkommission."
"Heut' ist ja noch nicht viel passiert. Wir ham nicht sofort a Leich' vor die Nase gesetzt gekriegt. Der werte Kriminalrat Flach von der Abteilung für Öffentlichkeitsarbeit hat mich persönlich in meiner neuen Position willkommen geheißen."
Franz rollte mit den Augen.
"Der ist so ein Arsch, der Flach."
Laura lächelte gleichzeitig verständnisvoll und leicht spöttisch, neckend.
"Alles Arschlöcher? Du wirst dich doch nicht gleich bei allen Kollegen unbeliebt gemacht haben!"
Franz winkte ab.
"Nah, ich doch nicht! Ich war ganz brav. Und mein neuer Kollege, der andere neue Hauptkommissar, der zu uns gewechselt ist, der ist überhaupt kein Arsch. Den mag ich; mit dem kann ich gut, denk ich. Viel weiß ich zwar noch nicht über ihn, der muss noch ein bisschen auftauen, aber ich glaub, wir haben den gleichen Humor."
Er grinste.
"Und er sieht verboten gut aus!"
Jetzt lachte Laura auf, zog eine Augenbraue nach oben.
"Und, hast ihn gleich angegraben, oder wie?"
Franz gab ihr noch einen Kuss, hielt ihr Gesicht sanft mit beiden Händen fest, während er sie gespielt empört von oben herab ansah.
"Wo denkst hin? I kann mia doch benehmen im Dienst."
Im nächsten Satz hörte er selbst den bitteren Unterton mitschwingen, obwohl er versuchte, was er sagte wie einen ironischen Scherz klingen zu lassen.
"Und im deutschen Polizeidienst hat so was doch nichts verloren, unter Männern. Solche gibt's doch überhaupt nicht bei der Polizei."
Laura verstand natürlich, was er nicht sagte. Sie wusste sehr gut, wie es Franz belastete, wenn Kollegen homophobe Witze machten oder, schlimmer, völlig im Ernst ihre Verachtung für schwule Männer zum Ausdruck brachten—dass Franz gar nicht schwul war, war dann auch egal; diese Kollegen würden an Nuancen von sexueller Orientierung nicht interessiert sein, wenn sie je mitbekamen, dass Franz auch auf Männer stand.
Und natürlich hatte Franz im Hinterkopf die Angst, dass die instinktive Sympathie mit dem neuen Kollegen Batic—Ivo; sie hatten sofort beschlossen, sich zu duzen—eine Sympathie, von der er inständig hoffte, dass sie zu Freundschaft werden würde, nur genau so lange Bestand hatte, wie der ihn für hetero hielt. Dass ein falscher Blick oder eine falsche Bemerkung alles kaputt machen würden.
Anderseits, sagte Franz sich, hatte er überhaupt keinen Grund anzunehmen, dass Ivo negativ reagieren würde, wenn er über ihn Bescheid wüsste. Im Gegenteil, wie Franz heute von Kriminalrat Flach mehrfach deutlich vor Augen geführt worden war, hatte Ivo selbst mit der bigotten Geisteshaltung—und den entsprechenden Bemerkungen—von Kollegen zu kämpfen. Da standen die Chancen doch eigentlich nicht schlecht, dass er mit negativen Vorurteilen aller Art selber vorsichtiger sein würde. Ivo würde Franz vielleicht einfach annehmen, wie er war.
Die Vorstellung, dass sie irgendwann gemeinsam ein Team bilden könnten, in dem Vorurteile keine Rolle spielten, weder einander und den Kollegen gegenüber, noch den Zeugen oder Verdächtigen, war schön. Franz hoffte inständig, dass es so sein würde.
Laura strich Franz sanft über die Wange, holte ihn aus seinen Gedanken zurück ins Hier-und-Jetzt.
"Schön, dass ihr euch gut versteht. Und vielleicht stellst du ihn mir dann irgendwann auch mal vor, diesen wahnsinnig gut aussehenden, humorvollen Kollegen."
Sie lächelte. Franz lächelte zurück und lehnte sich wieder vor, bis seine Nase leicht Lauras Wange streifte, ihre leicht geöffneten Lippen nur Zentimeter vor seinen. Er verlor sich für einen Moment in ihren grünen Augen.
"Nur, wenn du ihn mir dann nicht wegschnappst."
Laura hauchte ihm einen Kuss auf die Lippen, federleicht.
"Wir können doch alles teilen, wir zwei. Komm, ich hab noch ein paar gute Ideen, wie wir deinen Einstand als Kriminalhauptkommissar gebührend feiern. Aber das ist im Bett bequemer als hier."