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Team: Kobold
Challenge: Sci-Fi & Fantasy — Wer-Wesen — fürs Team
Fandom: Tatort Berlin
Charaktere: Felix Stark, Robert Karow
Wörter: 787
Zeit: ~75min



Berlins Häuserfassaden mischten sich bereits mit dem dunklen Nachthimmel und der Mond erklomm weiter das Himmelszelt, als Robert die letzten Treppen hoch zur Wohnungstür bestieg. Das Treppenhaus war kühl, leer und das grelle Licht an den Wänden schmerzte in seinen Augen. Der Schnitt auf seiner Hand schmerzte nicht, aber das Blut war unangenehm warm und die Wunde brannte, brannte in der stickigen Luft.


Er kramte den Schlüssel aus seiner Hosentasche und suchte das Schloss in der Dunkelheit (denn natürlich war das grelle Licht genau in der Sekunde ausgegangen, in der er vor die Tür getreten war). Es dauerte einige Sekunden und innerlich hatte er die Treppenhausbeleuchtung schon zum Teufel verflucht, da fand er endlich das Schlüsselloch und öffnete die Tür.


Drinnen war es dunkel, alle Lichter waren aus. Kein Wunder—Felix konnte das Licht genauso wenig leiden wie er. Robert fand es besser so—er brauchte jetzt kein Licht, er brauchte nach dieser anstrengenden Woche einfach nur Ruhe und seinen Felix.




Als er ihr Schlafzimmer betrat, sah er Felix am Fenster sitzen. Er schaute hinaus, in den Himmel und zum Mond hoch. In vier Tagen war Vollmond und mit jedem vergehenden Tag wurde Felix nervöser. Seine Halbwolf-Gestalt hatte mehr Fell als vor einer Woche noch, seine Ohren waren größer und seine Augen waren auch schon deutlich brauner.


„Na, Kleiner?“, sagte Robert, als er hinter ihn trat. Felix zuckte zusammen, wandte seinen Blick vom Mond ab und drehte den Kopf zu Robert. Seine Augen waren ganz groß. Und wach, so wach. (Felix war nachts, je näher der Vollmond rückte, immer wacher—dafür war er die ersten Tage nach dem Vollmond dann hundemüde.)


„Hey, Robert.“ Felix’ Stimme war sanft, so sanft, wie es nur sein Fell noch sein konnte. „Du siehst fertig aus.“ Robert schluckte. Felix merkte immer sofort, wenn etwas an ihm nagte, wenn er durch war.


„Schon okay, ich, ähm, ich hab nur- ach egal.“ Felix hob eine Augenbraue und blickte ihm skeptisch entgegen, doch Robert winkte das lediglich mit einem (in seinen Augen) überzeugenden Lächeln ab. Er merkte, dass Felix ihm nicht so ganz glaubte, aber er hatte einfach nicht genügend Vertrauen in sich selbst, um die Verletzung an seinem Finger anzusprechen, um… nach Hilfe zu fragen. Manch einer würde es vielleicht auch Angst nennen—Robert nicht. Er war halt so, das war alles.


„Kommst du schlafen?“, fragte Robert und gähnte. Felix nickte bloß, doch Roberts unglaubliche Müdigkeit bereitete ihm Sorge. Er wollte ihn besänftigen, indem er seine Hand nahm und warmhielt, doch anstatt unter der Berührung zu dahinzuschmelzen, sog Robert scharf die Luft ein und presste die Augen zusammen. Felix kniff die Augen zusammen, schaute seine Hand an.


Und dann sah er sie, die Verletzung. Ein Schnitt, nicht groß, aber lang, über die Handinnenfläche.


„Es ist nichts, wirk-“, setzte Robert an, doch Felix stoppte ihn.


„Doch. Setz’ dich aufs Bett und ich hol’ was zum Verarzten“, meinte er entschlossen. Sein Ton ließ keine Widerrede zu und doch rührte Robert sich nicht von der Stelle. „Jetzt“, verdeutlichte er und schob ihn in Richtung des Bettes. Und weil er keine andere Option hatte, setzte Robert sich brav aufs Bett und wartete. (Dass sein Puls dabei höher als der Mond war, musste keiner wissen.)




„Uuund fertig“, sagte Felix, als er den Verband endgültig festmachte. Seine braunen Augen trafen auf Roberts blaue. Er war sprachlos und Felix lächelte nur. Er lächelte so süß, so wie immer, so als wäre gerade nichts Besonderes passiert. Aber das stimmte nicht. Es war etwas Besonderes passiert. Zumindest sah Robert das so, denn Hilfe annehmen war genauso wie heute früher keine seiner Stärken gewesen—und deshalb hatte ihm einfach selten jemand geholfen. Es war neu, dass jemand sich so selbstlos um ihn kümmerte, selbst wenn er nicht einmal darum bat. Auch wenn er und Felix nunmehr seit drei Monaten zusammen waren.


Während Felix den Verbandskasten wegbrachte, haderte Robert mit sich selbst. Es ist ein Wort, dachte er. Doch es lag so schwer auf seinen Lippen. Es war so neu. Es war so…


„Danke“, flüsterte Robert. Er war sich nicht sicher, ob Felix es gehört hatte, aber er wollte es auch nicht wissen.




„Hör auf so viel zu denken“, murmelte Felix, als er sich in seinen Armen drehte, sodass er nun auf Roberts Brust lag. Alles an ihm war so unendlich weich und sanft—seine Haare, seine Lippen, sein Fell, seine Berührungen, alles… Robert liebte das.


Er zog Felix näher, unendlich näher.


Sein Geruch wurde zu Roberts lebensnotwendigem Sauerstoff; sein Fell zu Roberts Kuscheldecke; sein…


„Rob, schlaf“, murmelte Felix wieder, weil er Roberts Gedanken noch immer hörte. Und Robert vertraute ihm, hörte auf ihn, denn Felix hatte ja recht. Er brauchte Schlaf—und dafür gab es keinen besseren Ort als hier in Felix’ warmen Armen.

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