luinaldawen: (Default)
[personal profile] luinaldawen posting in [community profile] 120_minuten
Team: Drache
Fandom: Original - Nocturne Whispers
Challenge: Angst - ein fataler Fehler (für mich)
Charaktere: Chloe, drei Vampire
Wörter: ~1000
Für: Für [livejournal.com profile] alea, weil es deine Schuld ist

Langsam taten ihr die Füße weh. Nein, nicht langsam. Eigentlich schon seit zwei Stunden vor Feierabend. Sie hatte keine Ahnung was heute losgewesen war. Es war, als hätten sich alle abgesprochen um entweder einen Unfall zu haben, in eine Schlägerei oder Schießerei zu geraten oder sonstwelche Gründe zu finden, ein Krankenhaus aufzusuchen. Natürlich genau dann, wenn sie unterbesetzt waren, weil die Erkältungszeit voll reingerauscht war. Chloe hatte persönlich Zayn nach Hause geschickt, weil der kaum hatte stehen können und es trotzdem für eine gute Idee gehalten hatte, zur Arbeit zu kommen.
Sie war sogar in die Notaufnahme zitiert worden, um dort auszuhelfen. Und ausgerechnet für heute hatte sie sich breitschlagen lassen, sich nach der Arbeit mit Alan zu treffen. Der ihr eben geschrieben hatte, dass er bei der Arbeit aufgehalten worden war und sich darum verspätete. Entnervt lehnte sie sich an die Wand neben der Bar, die er ihr als Treffpunkt empfohlen hatte. Viel war nicht los. Was er vor drei Tagen noch als Argument für die Bar vorgebracht hatte, gefiel ihr mit einem Mal nicht mehr. Nicht jetzt, wo die Sonne untergegangen war.
Normalerweise hatte sie nachts keine Angst. Wachsam war sie aber trotzdem. Egal wie behütet sie aufgewachsen war, man hatte ihr nicht vorenthalten, wie gefährlich es werden konnte. Jetzt aber… sie war nervös. Womit sie gegen eine der ersten Lektionen verstieß, die sie bekommen hatte. Gegen eine, die ihr immer und immer wieder vorgebetet worden war, von mehreren Leuten: Egal was passiert: Bleib ruhig. Wenn du Angst zeigst, wirst du zur Beute. Verlier nicht die Nerven
Langsam schob sie eine Hand in das kleine Fach ihrer Handtasche, in dem sie das Pfefferspray aufbewahrte. Keine ideale Waffe gegen etwas Übernatürliches aber es würde ihr Zeit erkaufen. Hoffentlich genug, dass sie noch nachtreten und dann einen Block weiter rennen konnte. Dorthin wo der Verkehr war. Menschen. Ein Ort, wo die Monster sich normalerweise zurückhielten.
Sie hatte nicht erwartet, dass er von oben kam. Mit einem Satz der vermutlich weniger ungelenk aussehen sollte, landete er direkt vor ihr und sie stolperte einen Schritt zurück, gegen die Wand. Dass ihr sowas ähnliches wie ein Schrei entwischt war, merkte sie erst, als der Vampir grinste. “Er hatte Recht. Leichte Beute.”
Mit wem… Chloe wagte einen Blick zur Seite und ihr rutschte das Herz in die Hose. Noch einer. Sie hatte ihn nicht kommen gehört. Sie hatte… den anderen bemerkte sie, bevor er nach ihr greifen konnte. Oberkörper zur Seite drehen, ausweichen. Nicht packen lassen. Stattdessen… sie bekam sein Handgelenk zu fassen, seine Hand. Da, die Finger. Genauso wie Eerika es ihr gezeigt hatte. Eine Bewegung über die sie gar nicht mehr nachdenken musste und der Griff, der einen Menschen ohne Erfahrung handzahm machte brachte einen Vampir wenigstens aus dem Konzept. Genug, dass sie ihn in eine Position bringen konnte, wo sie ihm ein Bein stellen konnte. Die Finger in ihrem Griff gaben nach und knackten, als er stürzte und sie ließ ihn los. Mit einem krächzenden Schrei landete er auf den Knien.
Wäre er er alleine, wäre jetzt der Moment, die Beine in die Hand zu nehmen. War er aber nicht. Sie hatte nicht beachtet, dass sie dem, der auf ihrer anderen Seite lauerte zu nahe gekommen war und jetzt war sie es, die schrie, als Krallen sich in ihren Unterarm bohrten. Nein, Fingernägel. Werwölfe waren nicht die einzigen, die sich ihre Waffen wachsen lassen konnte.
In der nächsten Sekunde presste sich eine kalte Hand auf ihren Mund. Schob sie so hart gegen die Wand, dass ihr Hinterkopf gegen die Mauer schlug und sie einen endlosen Moment lang Sterne sah. “Nana, Prinzessin. Eine Dame sollte sich besser zu benehmen wissen.”
Zu nah… er war viel zu nah. Selbst ihre menschliche Nase nahm den Gestank nach Tod wahr. Oder bildete sie es sich nur ein? Der Vampir grinste. Ein Bein schob sich zwischen ihre Oberschenkel und dazwischen und dem Schmerz in ihrem Arm setzte für einen Moment alles aus. Alle gemeinen Tricks, die ihr eingedrillt worden waren. Alle Warnungen.
Verlier nicht die Nerven.
“Du riechst gut…”
Ihr Herz raste, Luft… sie bekam keine Luft. Sie wollte schreien aber sie bekam keine Luft, die Hand auf ihrem Mund… Ihr Jackenärmel riss und der andere Vampir grub seine Zähne in ihren Arm. Tief.
Keine Luft, sie konnte nicht schreien, es tat so weh, eine Hand… eine Hand unter ihrer Winterjacke, auf ihrem Körper, zu nahzunahZUNAH!
“Elende Wolfsbrut”, knurrte eine andere Stimme. Der Vampir, dem sie die Finger gebrochen hatte? Noch eine Hand, diesmal an ihrer Kehle.
Verlier nicht die Nerven.
Das Pfefferspray. Ihr anderer Arm war noch frei und an der Handtasche. Wenigstens ein Instinkt, der nicht ausgesetzt war. Wenigstens… Luft…sie konnte nicht…
Sie…
Verlier nicht die Nerven.
Handeln. Egal wie weh es tat. Egal wie nah er war. Egal wie dringend sie Sauerstoff brauchte. Wenn sie nicht handelte, würde sie sterben.
Verlier nicht die Nerven.
Der Vampir kreischte, als sie den Arm hochriss und er eine Ladung Pfefferspray ins Gesicht bekam. Sie hatte schlecht gezielt, aber es reichte. Die Hand von ihrem Mund verschwand, die unter ihrer Jacke auch. Er wich zurück, weit genug. Ellenbogen hoch, er kollidierte mit etwas hartem und sie konnte wieder atmen, als Vampir Nummer drei zurückstolperte. Gerade genug Zeit, um Nummer zwei ebenfalls eine Ladung… der Schrei war jetzt ihr eigener. Er ließ von ihr ab, aber der Schmerz in ihrer Verletzung explodierte so sehr, dass sie sich kurz sicher war, einfach umzukippen.
Noch funktionierte… was auch immer sie am Laufen hielt. Sie rannte. Oder stolperte. Egal. Nur weg. Nur wegwegweg.
Um sie herum wurde es heller. Stimmen. Lachen. Die Hauptstraße, sie war fast da. Fast da. Fast in Sicherheit. Ihr Kopf wurde klarer. Oder? Alles schien ein wenig leichter zu werden. Blutverlust? Die hatten gewusst, wer sie war. Wo sie war. Wann sie dort sein würde.
Ohne ihr Zutun bleib stehen. Alan. Er hatte sie in die Falle gelockt, es gab keine andere Erklärung. Haltsuchend stützte sie sich an der Wand ab. Mit dem verletzten Arm. Der Schmerz flammte erneut auf und sie sank auf die Knie. Würgend übergab sie sich.

Profile

120_minuten: (Default)
Die Uhr läuft ... jetzt!

Most Popular Tags

January 2026

M T W T F S S
   1 234
567891011
12131415 161718
19202122232425
262728293031 

Style Credit

Powered by Dreamwidth Studios