Team: Kobold
Challenge: Schreibaufgaben – eine angefangene Geschichte fertigstellen (fürs Team)
Fandom: Tatort Wien
Charaktere: Ernst Rauter, Moritz Eisner
Inhalt: Ein kurzes Ende für "Kaputt"
A/N: Am Ende dieser Geschichte beiße ich mir schon seit fast 2 Jahren die Zähne aus. Auch hiermit bin ich nicht 100'% zufrieden. Aber zumindest ist es ein Ende 😅
Er schaltete die Spülmaschine ein, bevor er einen Moment lang aus dem Fenster hinaus in den Garten schaute. Er spürte Moritz' Blick, aufmerksam aber nicht urteilend. Nach dem, was er eben alles von sich preisgegeben hatte, fühlte es sich wie ein Wunder an, dass Moritz überhaupt noch da war. Dass er ihm weiter zugehört hatte, und ohne zu zögern Andrzejs Nachricht angehört und ihm dann geschrieben hatte. Einfach so.
Natürlich sah er, wie schockiert Moritz war, als Ernst zugab, was er sich damals eingebildet hatte. Wie entsetzt. Es tat weh, hatte die alte Wunde wieder aufgerissen, die nie wirklich verheilt war. Aber in dem Moment konnte er nicht aufhören zu reden. Wer weiß, was er noch alles gesagt hätte, wenn Andrzejs Anruf nicht dazwischengekommen wäre.
Und nun stand er hier und starrte aus dem Fenster und hinter ihm saß Moritz am Tisch und es hatte sich alles verändert und doch nichts. Er fühlte sich seltsam leer, jetzt nachdem er sein größtes Geheimnis verraten hatte und ihm entgegen seiner Erwartung nicht sofortige Abweisung entgegenschlug. Stattdessen hatte Moritz sein offensichtliches Entsetzen zurückgestellt um für ihn da zu sein. Ihm fielen keine Worte ein, die seine Dankbarkeit adäquat hätten ausdrücken können.
Allerdings konnte er auch nicht weiter darüber reden. Nicht jetzt, nicht heute. Er hatte keine Energie mehr für dieses Thema übrig, musste erst seine Gedanken und Gefühle sortieren. Und es gab genug andere Dinge, um die er sich kümmern musste.
Er drehte sich zurück zu Moritz und lehnte sich an den Schrank.
"Was hast du heute noch vor?"
Moritz zuckte die Schultern. "Nix. Und du?"
"Ich hab bisschen im Garten zu tun."
Nach einer kurzen Pause fragte Moritz, "Irgendwas, wobei ich dir helfen kann?"
Er seufzte. "Das ist lieb von dir, aber du musst nicht–"
"Ich weiß," unterbrach ihn Moritz. "Ich will aber. Also?"
"Na gut." Er trocknete seine Hände ab. "Dann komm mit."
Die goldene Herbstsonne konnte nicht über den kalten Wind hinwegtäuschen, der ihnen um die Ohren pfiff und trockene Blätter auf sie herabregnen ließ. Es war jedoch angenehm, bei seiner Gartenarbeit einmal nicht allein zu sein und als sie schließlich ins warme Haus zurückkehrten, hatten sie mehr geschafft, als erhofft. Nachdem sie den letzten Himbeerstrauch zurückgeschnitten hatten, verpasste Moritz dem Holzspalier einen neuen Anstrich, während er selbst sein kleines Gemüsebeet umgrub. Das Laub von der Wiese geharkt, noch ein paar Aufräumarbeiten und schon war alles erledigt, was er sich für dieses Wochenende vorgenommen hatte.
"Was machst eigentlich mit den ganzen Himbeeren? An den Sträuchern is doch bestimmt immer eine Menge dran, oder?" fragte Moritz, nachdem sie ihre Hände gewaschen hatten und wieder in der Küche standen.
Er zuckte die Schultern. "Marmelade, hauptsächlich. Schwarz oder Kräuter?"
"Hm? Oh. Kräuter."
Ernst nickte und stellte die Dose mit Schwarztee zurück ins Regal. Aus den Augenwinkeln sah er, wie Moritz die Stirn runzelte.
"War das die von vorhin?"
"Natürlich, was sonst?"
"Echt? Aber… Das is doch die gleiche, die Bibi auch immer hat. Ich dacht… Wart mal, von dir is die!"
"Ja? Was dachtest du denn, von wem sie die hat?"
Moritz lachte. "Geh bitte, Ernstl, die Bibi mit ihren tausend Bekannten. Da hätt ich halb Wien unter Verdacht, wenn ich mir je Gedanken drüber gemacht hätte."
Er schnaubte. Ja, so gesehen…
"Aber viel wichtiger is doch: Wieso kriegt die Bibi a Marmelade von dir und ich ned?"
"Ah. Gute Frage." Er kratzte sich verlegen am Kinn. "Ich hab keine Ahnung. Willst du denn welche?"
"Dass ich vorhin kurz mit dem Löffel ins Marmeladenglas gefallen bin, war wohl ned Antwort genug?"
Ernst schüttelte den Kopf und lächelte. "Gut, ich hab ja noch ein paar."
Nein, vorhin beim Frühstück war er tief in Gedanken, so dass ihm das nicht aufgefallen war. Vorhin schien ihm alles grau und trotz Moritz' Anwesenheit fühlte er sich schrecklich allein.
Aber irgendetwas hatte sich in den wenigen Stunden seit dem Frühstück geändert. Er fühlte sich… nicht optimistisch– so weit war er wohl noch nicht. Ernst horchte in sich hinein, während er zwei Teetassen aus dem Schrank holte.
Befreit. Ja, das war es. Er fühlte sich frei.