[identity profile] rei17.livejournal.com posting in [community profile] 120_minuten
Fandom: Banana Fish
Personen: Sing, Eiji
Genre: gen
Timeline: Ca. 1 Jahr nachdem Ash .. ;___;
Challenge: Eskobar – “Whatever this town” / "Hug me, bitch" (vom 21.09)
Wörter: 1197
Amerkung: Kein Beta, keine Korrektur gelesen. Entstanden in weniger als anderthalb Stunden also sicher voller RS-Fehler.



Whatever this town, makes you think of me
I’ll still be around, when the final bell rings
Eskobar – “Whatever this town”



Er war nur wegen Eiji hier.
Weil Eiji das brauchte.

Immerhin hatte Sing wenig Zeit und jede Menge Arbeit und abends eine zickige Freundin Yue-Len am Hals. Als Boss von einem derzeit relativ kaputten, instabilen Chinatown hatte man jede Menge Ärger an der Backe. Die ganze Zeit. Achtvierzig Stunden am Tag.
Da waren Bandenkriege zu gewinnen und Drogenrazzien zu überleben und auf den Straßen für Ordnung sorgen. Er rockte den Rock und punkte den Punk und war überhaupt immer mitten drin und voll dabei.
Schlafen? Kannte er nicht. Machte er nicht.

Vor über einem Jahr war Chinatown vor die Hunde gegangen und es war eine Heidenarbeit gewesen, alles so halbwegs wieder aufzubauen. Mit jeder Menge Arbeit, Blut, Schweiß und anderen Körperflüssigkeiten hatte Sing es geschafft wieder irgendetwas aus den Trümmern aufzubauen, was einer gewissen Ordnung ähnelte.
Aber alles war noch fragil und zerbrechlich und wartete die ganze Zeit darauf, wieder zusammenzubrechen. Wie ein Kartenhaus.
Sing musste immer bereit sein, musste immer da sein, am besten an sieben Stellen gleichzeitig. So sah es aus.

Aber gut. Eiji wollte, dass er hier bei schwülem Regenwetter herumstand und eine kleine Plastikgießkanne und eine Schaufel in der Hand hielt?
Dann stand er eben hier. Bei Nieselregen und siebenunddreißig Grad. Mit einer kleinen, roten Plastikschaufel in der Hand. Seit einer Stunde und … Moment. Siebenundzwanzig Minuten.
Weil es Eiji war. Und weil es für Eiji einfach wichtig war, hier zu sein.

Eiji war … war eben sensibel.
Empfindsam.
Emotional.

Eine Zeit lang hatte Sing sich ziemliche Sorgen um ihn gemacht. So die ersten drei, vier … zehn … zwölf Monate über.
Eiji mochte vielleicht älter sein als er, aber er war nicht … abgehärtet. Er konnte Dinge nicht runterschlucken und einstecken wie Sing das konnte. Abhaken. Weitermachen. Das Leben war hart, aber ungerecht.
Sing wusste das und er lebte damit. Mal besser und mal schlechter. Aber Eiji? Eiji hatte zum ersten Mal jemanden verloren, der ihm etwas bedeutet hatte … und es tat so weh, dass Sing manchmal gar nicht hinsehen konnte.

Sing dagegen? Er war drüber weg. Er steckte sowas weg.
Nicht, dass er Ash auch nur ansatzweise so nah gestanden hatte wie Eiji.
Vielleicht ein bisschen.
Ein bisschen nah.
Für einen gewissen Zeitraum.

„Gibst du mir die Schaufel?“ fragte Eiji, ohne den Kopf zu heben. Seine Hände waren damit beschäftigt eine kleine rote Blume mit abgestorbenen Blüten behutsam aus der Erde zu nehmen und eine neue einzusetzen.

Sing reichte sie ihm und trat unbehaglich von einem Fuß auf den anderen.
Sein T-Shirt klebte an seinem Rücken und auf seinen Schuhen klebte feuchte Erde. Alles war viel zu still. Friedhöfe waren einfach nicht seine Welt.

„Danke.“

Sing machte ein unverbindliches Geräusch, das übersetzt bedeuten sollte, dass es keine große Sache wahr. Weder die Plastikschaufel noch die Tatsache, dass er überhaupt hier war.
Eiji war immerhin sein Freund. Und wenn er das hier brauchte, um sich besser zu fühlen, dann war es eben das, was sie taten.

Er fuselte an seinem T-Shirt herum und starrte abwechselnd auf Eijis dunklen Haarschopf und die Wasserflecken auf den Steinen vor sich.
Es war okay hier zu sein.

Möglicherweise wäre er heute sowie hier vorbeigekommen.
Und hätte ne Blume auf das Grab gelegt. Vielleicht.
Oder nicht. Weil Blumen von ihm eventuell irgendwie falsch rübergekommen wären. Von der Aussage her. Und irgendwie girly.

So war das eigentlich ein guter Kompromiss. Eiji besorgte das mit den Blumen und er war hier, damit Eiji sich besser fühlte.
Alles gut. Alles bestens.

Es hatte auch nichts damit zu tun, dass er sich irgendwie schuldig fühlte, weil er bisher so selten hier gewesen war. Wie gesagt – er rockte den Rock und punkte den Punk und … hatte einfach keine Zeit.

Ash hätte das verstanden.
Ash hatte gewusst, dass das Leben kurz war, und dass die Zeit nichts anderes tat als einem davonzurennen, von der Sekunde an in der man geboren wurde.

Er hatte vergessen, wie klein der Grabstein war.

„… Sing?“

Er hob den Kopf. An Eijis Tonfall erkannte er, dass es nicht das erste Mal war, dass er seinen Namen gesagt hatte.

Hastig räusperte er sich. Seine Stimme klang kratzig. Möglicherweise bekam er eine Erkältung von dem vielen Wasser in seinen Schuhen. „Was?“

Eiji warf ihm einen langen Blick zu, bevor er erneut den Kopf senkte. „Kannst du hier vorne nochmal gießen?“

„Ja. Klar.“ Sing nickte ruckartig und trat sich innerlich gegen das Schienbein.
Er musste sich zusammenreißen. Immerhin war er hier, damit Eiji das durchstand.
Und wenn Eiji alle Blumen von vorne bis hinten ausbuddelte und wieder neue einsetzte und bei jeder ein paar leise Sätze murmelte, die nicht für Sings Ohren bestimmt waren. Dann war das eben so.
Er biss sich auf die Zunge bis er metallischen Geschmack im Mund hatte.

Als Eiji endlich aufstand, war Sing sicher, dass sie bestimmt seit drei Stunden hier gestanden hatten.
Drei Stunden Zeit, die er einfach nicht hatte. Drei Stunden, die er sich die Beine in den Bauch gestanden und abwechselnd kleine Plastikschaufeln und Gießkannen gehalten hatte. Alles damit Eiji sicher besser fühlte.
Oh man. Eiji schuldete ihm vielleicht was.
Wenn das kein Freundschaftsdienst war.

Eiji packte die Sachen zusammen und murmelte ein paar letzte Sätze zu dem Grab, die nicht für Sings Ohren bestimmt waren.

Dann wandte er sich um, um zu gehen.
Endlich.
Danke!

Das war gut. Nur, dass Sings Füße keine Anstalten machten, sich von der Stelle zu bewegen.
Seine Finger zuckten und er schob sie unsicher in die Hosentaschen. Seine Augen klebten auf dem hellen Grabstein bis die Schrift darauf vor seinen Augen verschwamm.

„Sing …?“

„Bin gleich soweit“, murmelte er, ohne den Blick abzuwenden.
Was war los mit ihm?
Er musste sich wirklich zusammenreißen.
Er durfte das ganze für Eiji nicht noch schwerer machen.

Der Stein wurde ein weißer, verschwommen Klecks. Seine Füße bewegten sich keinen Millimeter.

Er hörte das leise Klappern, als der Korb mit der Gießkanne behutsam auf dem Boden neben ihm abgesetzt wurde. Erst als er Eijis sanfte Finger auf seinem Gesicht spürte, bemerkte er dass seine Wangen nass waren.

Seine Augen brannten und seine Kehle fühlte sich an wie zugeschnürt. Hastig wandte er den Kopf ab.

„… tut mir leid“, würgte er hervor.
Seine Stimme klang als gehörte sie nicht ihm.

„Es ist okay“, sagte Eiji. „Sing … es ist okay.”
Und dann wurden behutsam, und unpeinlich wie nur Eiji das hinkriegte, zwei Arme um ihn geschlungen.
Es war gelogen. Nichts war okay.
Seine Hände zitterten und er bohrte die Fingernägel in seine Handflächen bis es schmerzte. Der Stoff von Eijis Hawaihemd wurde feucht.

Aber Eiji hörte nicht auf ihn festzuhalten und irgendwann nahm er die Hände aus den Hosentaschen und drückte zurück.

Sein Herz fühlte sich an, als sei es plötzlich zu groß für seine Brust.

Eiji schwieg und sagte nichts von all den tröstenden Worten, die Menschen die ganze Zeit sagten, ohne dass sie irgendjemandem jemals weiterhalfen. Aber seine Hände waren warm und sicher an auf seinem Rücken … wie die von Ash, als sie Sing über dem Abgrund festgehalten hatten.

Er war nur wegen Eiji hier.
Weil Eiji das brauchte.

Aber vielleicht … war Eiji nur wegen ihm hier.
Und es war schwer zu sagen, wer das mehr brauchte.
 


Date: 2008-09-28 09:08 pm (UTC)
ext_184151: (hold me)
From: [identity profile] nyx-chan.livejournal.com
Ich will weinen und mir ist so elend wegen Sing und Eiji und es gibt so viele E-Wörter, die zu Eiji passen.
Schreib öfters einfach spontan. Bitte!
Gott, das geht mir grad so nah, soo naaah, Bitch Q____Q
*weiterrumschneif*

Date: 2008-09-29 12:51 am (UTC)
From: [identity profile] tsutsumi.livejournal.com

Für meinen Geschmack zu viele Punkte-Pausen, das passte mir nicht so ganz in den Kram. Aber hach... es ist Eiji mit Sing und die beiden sind so traurig und zerstört und knuffelig und emotional. Das erinnert mich so wunderbar an Garden of light

Hach... ._.

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