Team: Kobold
Challenge: Sommer — unter freiem Himmel schlafen — fürs Team
Fandom: Tatort München
Charaktere: Ivo Batic, Franz Leitmayr
Wörter: 1027
Zeit: ~77min
A/N: ich hafte für keine tippfehler
„Ivo! Mein Rücken macht das nimmer mit!“, rief Franz Ivo in der halbdunklen Sommernacht vergeblich hinterher, als dieser weiterhin runter zum See lief. Ein See irgendwo in der Nähe eines kleinen kroatischen Dorfes, dessen Namen Franz kaum aussprechen konnte, umgeben von tausenden Mücken und viel zu lautem Grillenzirpen. Und windig und feucht war es auch noch, sodass Franz im Sommer in einem Land mit warmen Klima fröstelte.
„Jetz’ mecker ned so viel, das wird sicher schön“, entgegnete Ivo bloß. Franz wollte schmollen und trotzig stehenbleiben, bis Ivo nachgeben würde und sie friedlich und sicher in ihrem Bett schlafen könnten, doch so allein nachts irgendwo in einem kroatischen Wald war es ihm dann doch zu gefährlich. Also folgte er Ivo flink, um ihn bloß nicht zu verlieren.
Mit jedem Schritt wurde es dunkler und mit jeder Sekunde wurde es kälter. Franz mochte das nicht—er hätte jetzt viel lieber in ihrer kleinen Hütte mit einer heißen Tasse Kaffee gesessen. Ja, es war Sommer, aber deshalb musste man doch noch lange nicht draußen im Freien schlafen. Und ja, der Himmel war klar und wunderschön, doch dafür war der Grasboden vom Regen noch immer durchnässt und die Luft kühler als erwartet.
Aber wie konnte Franz Ivo auch nur einen einzigen Wunsch abschlagen?
Wenigstens hatte Ivo ein Handtuch mitgebracht, auf das sie sich legen konnten. Franz war dennoch scheiße kalt in seinem dünnen, grauen Pullover. So kalt, dass er beinahe zitterte. Deshalb rollte er sich auch sofort zusammen und nahm unbewusst fast das ganze Handtuch ein (das Handtuch war zu seiner Verteidigung aber auch nicht besonders groß).
„Franz, du machst dich recht breit“, meinte Ivo ein wenig angestrengt, als sein Blick auf den eingerollten Franz fiel. Dieser wiederum reagierte nicht; bewegte sich kein Stück und öffnete nicht einmal die Augen.
„Ich hab so kein’n Platz, hörst du?“, versuchte Ivo es ein zweites Mal. Mit seiner Hand rüttelte er leicht an Franz’ Schulter, doch der blieb nur weiterhin stur liegen.
„Mir ist kalt“, jammerte er. Ivo war ein wenig verdutzt, wie ihm im Sommer in Kroatien kalt sein konnte, doch er verstand direkt und hielt Franz seine Übergangsjacke hin. Er tippte Franz an seiner Schulter an, flüsterte ein leises „warum hast’n des ned früher gesagt?“ und wartete geduldig, bis dieser endlich seine Augen öffnete.
„Oh“, machte Franz dann nur, als er die Jacke sah und Ivos Worte registrierte. Schnell zog er die Jacke über und versteckte sich in der Kapuze vor dem Wind. Ivo konnte nur lächeln—manchmal war Franz so deppert, dass es schon wieder niedlich war.
Er legte sich zu ihm auf das Handtuch und blickte in den blauen Sternenhimmel. Das Wasser des Sees rauschte leise im Hintergrund und Ivo verlor sich ein wenig in der Landschaft, die er viel, viel zu lange nicht mehr richtig gesehen hatte. Sie hatte all die Jahre in seinen Erinnerungen fortgelebt, klar, aber was waren schon Erinnerungen im Vergleich zur Realität? Was waren schon Erinnerungen im Vergleich zum wahren Gefühl?
Hier war sein Zuhause und die Tür hierher hatte er viel zu lange nicht geöffnet.
Es war gut, dass sie jetzt in Rente waren (lange hätten sie es beide körperlich sowie mental eh nicht mehr durchgehalten); dass Kalli für sie auf München aufpasste und sie Zwei nach all den Jahren einmal vor ihrem Beruf, an erster Stelle standen. Der Abschied hatte wehgetan, doch es hatten sich gleichzeitig so viele neue Türen geöffnet—oder alte Türen, die als verstaubt und eingestürzt galten und jetzt, hier, im Mondlicht glänzten, so als wären sie nie geschlossen gewesen.
Ivo hatte gar nicht gemerkt, wie sehr ihm Kroatien gefehlt hatte, doch jetzt, wo er hier lag, da merkte er, dass er sich lange nicht mehr so wohlgefühlt hatte. Und die Zweisamkeit mit Franz, die hatte er auch unfassbar vermisst. Es war wie ein Traum: Franz und er, hier in Kroatien, seiner Heimat, mitten im Nirgendwo, wo sie nur einander hatten. Ivo wollte, dass dieser Traum nie wieder aufhörte.
Er spürte Franz’ Atem an seinem Hals, sein Bein, das sich über Ivos’ warf, seine Haare, die Ivos Kinn kitzelten, seinen Arm, der sich um Ivos Leib schlang, und vor allem seinen Herzschlag, der in Ivos Brust vibrierte. All das spürte er und all das war genug—es war alles, was er jemals gewollt hatte, und alles, was er jetzt brauchte.
Er zog Franz näher, zog ihn zu sich—so nah, dass sie die gleiche Luft atmeten, und noch viel näher, bis kaum ein Blatt noch zwischen sie passte. Franz’ Hände waren kalt, doch das war okay. Und sein Atem war kühl auf Ivos nackter Haut, doch auch das war okay. Selbst das leichte Kratzen seines Dreitagebarts war okay. Es war okay, weil es Franz war. Sein Franz.
Ivo hielt ihn in seinen Armen als wäre Franz seine ganze Welt; als wäre er alles, was er zum Leben bräuchte. Und er ließ ihn nicht los; als wäre es kein Zustand, sondern ein Versprechen für die Ewigkeit, für immer und immer.
Er spürte, wie Franz sich in seine Umarmung fallen ließ, wie er Ivos Wärme in sich aufnahm und die Kälte herausließ, bis er nicht mehr fror. Ivo verlor sich in dem Gefühl, verlor sich in ihrer Verbundenheit, die so sehr glühte wie sie es seit ihrer ersten Begegnung nicht mehr getan hatte. Sie glühte so, weil sie beide endlich wieder für sich waren, weil sie nicht mehr an Morde und all das denken mussten. Es war ganz einfach auf einmal. Hier.
Hier zu liegen ist ganz einfach.
Zufrieden ließ Ivo seine Augen zufallen und hörte nur noch auf Franz’ Herzschlag, auf seinen ruhigen, gleichmäßigen Atem. Er hatte es nicht gewusst—all die Jahre seit sie sich kannten—, doch tief im Inneren hatte er es vermisst, hatte es verdammt vermisst einfach nur dazuliegen und an nichts zu denken. Es war unwichtig, was gestern war und was morgen kommen würde, weil sie nur sich hatten.
Dieses Gefühl hatte er all die Jahre nicht gehabt. Nicht bei ihrem Beruf. Doch jetzt—jetzt waren sie im Ruhestand und hatten alle Zeit der Welt. Jetzt war da nichts, worum sie sich Sorgen machen mussten. Jetzt waren es einfach nur sie zwei. In Kroatien. Unter freiem Himmel.