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Team: Kobold
Challenge: Hurt/Comfort - älter werden - Für mich
Fandom: Blind ermittelt, Mord in Wien
Charaktere: Alexander Haller, Carl-Albrecht Nassau
Wörter: 660
A/N: zweiter Teil hierzu, in dem der Altersunterschied keine Rolle mehr spielt.


Alex‘ Knie knacken, als er sich wieder neben Carl im Bett ausstreckt.

„Na komm her, alter Mann“, lacht Carl sanft und dirigiert Alex unter die Decke und in seine Arme. Alex stößt mit gespielter Entrüstung die Luft aus und kneift Carl spielerisch in die Seite. Carl fängt Alex‘ Hand ein und verschränkt ihre Finger miteinander.

„Ich geb dir gleich!“, droht Alex mit einem Lachen in der Stimme, das Carls Herz immer noch höher schlagen lässt und ihn veranlasst Alex‘ Schläfe zu küssen.

„Hast du doch grad“, raunt er in Alex‘ Ohr küsst ihn auch dort, bis Alex erschaudert und warmer Atem seine Halsbeuge trifft. „Oder kannst du etwa schon wieder?“, neckt er weiter, dreht sich über Alex und küsst ihn. Legt ihm beide Hände an die Wangen, hält ihn, als könne Alex ihm durch die Finger rinnen, obwohl Alex keine Anstalten macht, sich aufzulösen. Manchmal kann Carl es fast nicht glauben, dass Alex jetzt Teil seines Lebens ist. Und bleibt.

Er verharrt wenige Zentimeter über Alex‘ Gesicht, gerade soweit, dass er ihn ansehen kann und er wird nie genug davon kriegen, jetzt, wo er es einfach kann und darf. Ganz ungeniert und mit all der Liebe im Blick, die Alex vielleicht nicht sehen kann, aber bei der er sich Mühe gibt, sie Alex spüren zu lassen.

Es zieht heiß in seinem Inneren, keine Erregung, nur diese unglaubliche Zuneigung zu Alex, die er schon so lange in sich trägt und die er jetzt endlich auch nach außen tragen darf. Carl streicht mit seinen Daumen über Alex‘ Wangenknochen, liebkost die weichen Linien um Alex‘ Augen, streicht ihm die hell gewordenen Haare aus der Stirn und er möchte jede kleine Narbe, jeden Leberfleck, jedes Zeichen von gelebtem Leben auf Alex‘ Haut küssen. Obwohl sie beide älter geworden sind, Erfahrungen und Erinnerungen haben, blitzt da immer wieder der junge Mann durch, in den er damals so verliebt war, dass es ihm schier das Herz zerrissen hat und in den er immer noch so verliebt ist, nur dass sein Herz jetzt beinahe vor Liebe überquillt. Ganz egal, wie kitschig es klingt. „Ich dachte, das wird besser“, sagt Carl fast mehr zu sich selbst, als zu Alex, aber dessen Augenbrauen zucken interessiert nach oben.

„Was wird besser?“

Carl schüttelt mit einem leisen Lachen den Kopf. „Dass ich so verliebt in dich bin. Gott, wenn du das gewusst hättest damals…“

„Hab ich“, erwidert Alex bloß und Carl rollt sich mit einem Seufzen neben ihn, stützt sich mit einem Ellenbogen auf.

„Wirklich?“

„Carl, ich hatte funktionierende Augen im Kopf.“

„Aber“, setzt er überflüssigerweise an, als hätten sie dieses Gespräch zum ersten Mal.

„Du warst achtzehn. Was hätte ich denn machen sollen? Wir waren damals beide andere Menschen.“

Carl seufzt. Natürlich hat Alex Recht, er weiß es ja selbst und er hat oft genug darüber nachgedacht. Natürlich hätte es damals nicht funktioniert. Er wusste kaum, wer er ist und Alex stand schon mitten im Berufsleben und schwer beschäftigt die Karriereleiter zu erklimmen.

Mehr als zwanzig Jahre, die sie nicht geteilt haben. In denen Alex immer nur eine bittersüße Erinnerung war, bis er letztes Jahr wieder vor ihm gestanden hat, ganz anders und immer noch derselbe. Scharfsinnig, eloquent und das Alter stand ihm ganz hervorragend. Carls Herz hatte einen Salto geschlagen, als Alex ihn wiedererkannt und gestrahlt hat, als wäre nicht ein halbes Leben vergangen.
„Ich weiß“, seufzt Carl, küsst Alex erneut. Er muss nicht mehr sagen, weil Alex weiß, dass es ihn manchmal überkommt und er die Jahre vermisst, die sie nie zusammen hatten, aber die es gebraucht hat, damit sie jetzt ebenbürtig sind und das Alter sie nicht mehr trennt. Sie beide da, wo sie sein wollen und auch die Menschen, die sie sein wollen. Nach zwanzig Jahren erscheinen Carl die acht Jahre, die damals eine unüberbrückbare Schlucht waren, lächerlich.

„Denk nicht so viel“, flüstert Alex und streichelt seine Wange, holt Carl damit zurück in die Realität. „Wir haben doch alle Zeit der Welt.“

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