[identity profile] failte-aoife.livejournal.com posting in [community profile] 120_minuten

Team: Kobold
Challenge: Schreibaufgabe — aus der Sicht eines Nebencharakters
Fandom: Mord in Wien
Charaktere: Carl Nassau, Marie-Sophie Habsburg
Inhalt: Carl ist eigenartig...er als sonst und Marie macht sich Sorgen



„Natürlich verhält er sich nach so einem Streit seltsam. Der war ja auch wirklich übel.“


Marie stellt sich vor, dass Leute ihr das sagen würden, wenn sie sich mit ihren Sorgen über Carls Verhalten an jemanden wenden könnte. Nur kann sie mit niemandem reden, ohne den Streit, und vor allem den Grund für den Streit zu erklären. Und wenn sie jetzt irgendjemanden erzählt, dass ihr Vater jetzt endgültig begriffen hat, dass es Carl ernst ist mit seinem Plan Polizist zu werden, und das dazu geführt hat, dass sich die Beiden so laut angeschrien haben, dass sie es auch durch die geschlossene Tür viel von dem, was die beiden sich an den Kopf geworfen haben mitbekommen hat ... das würde alles sicherlich nur noch schlimmer machen. Solange es außerhalb der Familie niemand weiß, kann ihr Vater sich noch einreden, dass Carl sich noch anders entscheiden – zur Vernunft kommen – wird. Aber sobald ihn irgendein Außenstehender darauf anspricht … an dem Tag möchte sie nicht in seiner Nähe sein. Also hat sie niemandem, mit dem sie darüber reden kann, und versucht sich weiter einzureden, dass Carl nur jeden Tag düsterer schaut, weil ihm langsam klar wird, dass er mit seiner Entscheidung, ein paar der Brücken zu ihrem Vater endgültig abgerissen hat. (Schande. Das war eines der Worte, die sie durch die Tür gehört hat. Oft).


Nur glaubt Marie nicht daran. Natürlich hatte sie schon eine ganze Weile gewusst, was er vorhatte. Sie hatten oft darüber gesprochen, Marie war dagewesen, als Carl mehr als einmal wütend zu ihr kam, und darüber schimpfte, dass ihr Vater alle Gesprächsversuche abblockte. Sie war da gewesen, als er kurz vor der letzten Unterschrift fragte, ob das wirklich eine gute Idee war („Nein“, hatte sie gesagt, „Aber sowas interessiert dich doch sonst auch nicht.“)


Sie kennt Carl. Und jetzt war irgendetwas mit ihm. Irgendetwas anderes. Da war sie sich sicher.


Marie holt die teuerste von den Weinflaschen, die ihre Eltern nicht vermissen werden, und zwei Gläser und klopft an Carls Tür. Es dauert, aber schließlich sagt er „Herein.“


Sie stellt die Gläser auf den Tisch, schenkt ein und schiebt eines zu ihm. Er trinkt und sagt nichts. Sie wartet. Er leert das Glas und sie schenkt nach. Er trinkt noch einen Schluck.


„Sagst du mir langsam was los ist, oder muss ich noch eine Flasche klauen?“


Erst jetzt fällt ihr auf, dass Carl es vermeidet ihr in die Augen zu schauen.


„Carl“, sie klingt jetzt flehend, weil sie sich langsam wirklich Sorgen macht. Ruckartig steht er auf, holt ein Blatt Papier von seinem Schreibtisch und gibt es ihr. Ihr erster Gedanke ist, dass er eine Absage bekommen hat. Was idiotisch ist, weil Carl gewartet hat, bis er alle Bestätigungen bekommen hat, bevor er es ihrem Vater erzählt hat. Dann erst liest sie, was er ihr da in die Hand gedrückt hat.


Antrag auf Namensänderung


Das Formular war bis auf die Unterschrift ausgefüllt.


„Ah“, sagte sie, weil sie nicht weiß, was sie sonst sagen soll. Carl zuckt zusammen. Sie legt das Papier vor ihm auf den Tisch, und jetzt schaut er angestrengt weder zu ihr, noch auf den Tisch.


„Geht das so einfach, oder muss dir dafür jemand bestätigen, wie schrecklich der Name für dich ist?“


Überrascht schaut er jetzt doch zu ihr. „Nein. Also mit triftigem Grund muss man weniger zahlen, aber wenn ich das hier abgebe ...“ er lächelt gequält.


„Und wirst du es abgeben?“ Noch eine Frage, die ihn überrascht.


„Würde das ... wäre das OK für dich?“


Mit dieser Frage hat sie nicht gerechnet. „Warum? Also. Es ist dein Name.“


Er gestikuliert vage in Richtung des Flurs, in dem die gesammelten Portraits ihrer Vorfahren hängen. Ihr Symbol für Familie. Tradition. Der ganze Kram. Du weißt schon.


„Ich würde dich damit alleine lassen. Irgendwie.“


„So schlimm wird das auch nicht. Und schlimmstenfalls“, er schaut sie fragend an, „kann ich den Namen ja ganz leicht loswerden. Irgendeinen Kerl finde ich schon, der mir seinen gibt.“


Jetzt schaut Carl so entgeistert, dass sie gar nicht anders kann, als schallend zu lachen. „Depp“


Langsam dämmert es ihm, dass sie das gerade nicht ernst gemeint hat, und er atmet erleichtert auf. Dann murrt er ungehalten „Idiot.“


Sie wirft ihm einen Luftkuss zu, leert ihr Glas und steht dann auf.


„Und wenn du den Wisch abgibst, vergiss die Unterschrift nicht.“


Date: 2025-07-11 07:37 pm (UTC)
From: [identity profile] kessel-ksl.livejournal.com

„Ich würde dich damit alleine lassen. Irgendwie.“ Ach Carl, wie schwer ihm das doch fällt, auch wenn er weiß, dass es gut für ihn wäre... Sehr sehr schöner Moment zwischen den beiden! (Bitte lieber Canon, gib uns mehr von den Daddy Issues 🙏)

Profile

120_minuten: (Default)
Die Uhr läuft ... jetzt!

Most Popular Tags

January 2026

M T W T F S S
   1 234
567891011
12131415 161718
19202122232425
262728293031 

Style Credit

Powered by Dreamwidth Studios