[identity profile] siria4211.livejournal.com posting in [community profile] 120_minuten
Titel : Der Kratzer
Team: Nixe
Challenge: Reverse Challenge - Fahrerflucht
Fandom: Tatort Stuttgart
Rating: M
Pairing: Thorsten Lannert/Sebastian Bootz
Kommentar: Eigentlich hat sich Henri sehr auf den Besuch bei Thorsten und Sebastian gefreut. Eigentlich ...


„Henri, bist du schon da?“ Sebastian öffnete die Wohnungstür und betrat den Flur. Henri war offensichtlich schon da, denn im Flur lag, einfach hingeworfen, eine Tasche, die weder ihm noch Thorsten gehörte.

„Henri?“ Es kam keine Antwort. Seltsam, ob er irgendwo hingegangen war? Aber dann hätte er doch sicher eine Nachricht geschickt. Sebastian hängte seine Jack an den Haken, als er ein Klappern aus der Küche hörte. Er folgte dem Geräusch. Henri stand mit Kopfhörern am Herd, auf dem es aus mehreren Töpfen dampfte. Als Sebastian hinter ihn trat zuckte er zusammen und drehte sich um.

„Oh, hallo Papa!“

„Schön, dass du schon da bist. Ich hatte erst später mit dir gerechnet. Was machst du denn da?“

„Ach, ich dachte, ich koche was Leckeres für uns.“

„Das wäre doch nicht nötig gewesen, wir haben doch bei deinem Lieblingsitaliener…“ Sebastian konnte den Satz nicht zu Ende sprechen.

„Ich dachte, Thorsten freut sich, wenn ich das Curry koche, dass ihr letztens bei mir gegessen habt. Das hat ihm doch so gut geschmeckt.“ Henri drehte sich wieder zum Herd, stellte die Musik am Handy lauter und widmete sich seiner Arbeit.

Sebastian stand kurz etwas verloren in der Küche. So hatte er sich das nicht vorgestellt. Henri besuchte sie endlich, denn seit er seine Lehre machte, sahen sie ihn nur sehr selten, und dann hatte er nicht einmal ein paar mehr Worte für seinen Vater übrig. Und das Curry – ja, Thorsten hatte es gemocht, aber er gar nicht. Schade, dass Henri das nicht mitbekommen hatte. Er hatte es zwar angedeutet, aber…

Dann entschied er sich, noch auf den Balkon zu gehen, bis Thorsten auftauchte. Henri hatte ja klargemacht, dass er beschäftigt war. Dort erwartete ihn eine Überraschung. Der ein bisschen schäbige Balkontisch war unter einer Tischdecke verschwunden und schön eingedeckt, mit Tischsets, den guten Gläsern und sogar einem Blumenstrauß. Die Stuhlkissen lagen ordentlich an ihrem Platz, und Henri, denn sonst war ja niemand zu Hause gewesen, hatte sogar den Boden gefegt. Sebastian war in der letzten Woche ein Kräutertopf hingefallen und zerbrochen, und es war bei dem Willen zu fegen geblieben.

Obwohl er sich auf das Essen selber nicht so sehr freute, an einen gedeckten Tisch zu kommen war schon schön. Er ging zurück in die Küche, wo Henri am Küchentisch saß und eine Flasche Wein entkorkte. Irgendwie schien er Schwierigkeiten damit zu haben, denn er fluchte leise.

“Kann ich dir helfen?“ Sebastian lächelte Henri freundlich an, aber der wirkte sehr verschlossen.

„Nein, ich kriege das alleine hin.“

„Übrigens danke, der Balkon sieht sehr schön aus, und Thorsten wird sich riesig über das Curry freuen. Es ist schön, wenn du uns so verwöhnst.“

Der Korken ploppte der Flasche und Henri schaute Sebastian kurz an, bevor er sich wieder wegdrehte. Seltsam, diesen Blick hatte er gehabt, wenn er als kleines Kind etwas ausgefressen hatte.

„Ist irgendwas? Du wirkst so.“

„Nö, alles in Ordnung. Wann kommt Thorsten?“

„Sicher gleich. Er hat mich abgesetzt und ist noch kurz ein paar Besorgungen machen. Wir sind heute mit meinem Wagen gefahren, da passt ja mehr rein als in den Targa.“

War es möglich, dass Henri bei dem Wort „Targa“ zusammengezuckt war?

„Ist nicht schlimm, wenn es noch was dauert“, sagte Henri. „Das Curry braucht ja auch noch ein bisschen, und der Wein sollte noch atmen.“

Ohh, das waren ja ganz neue Töne. „Atmen“. Wow. „Und du bist dir ganz sicher, dass alles ok ist?“ Sebastians Vaterradar lief auf Hochtouren.

„Alles ok, was soll denn sein? Ich hab mich auf euch gefreut, das ist alles.“

In diesem Moment wurde der Schlüssel mit Verve ins Wohnungstürschloss gesteckt. Die Tür wurde offensichtlich mit Schwung geöffnet, denn sie prallte an die Wand. Man spürte Thorstens Zorn schon, bevor er vollends hereingekommen war.

„Wenn ich den kriege, ich bringe ihn um!“

„Hallo, schau mal, wer da ist!“ Sebastian trat auf den Flur. Dort stand Thorsten, mit hochrotem Kopf und warf gerade sein Jackett auf den Garderobenhaken, verfehlte und ließ es einfach liegen.

„Was ist denn passiert?“ Sebastian legte ganz viel Ruhe und Liebe in seine Stimme, denn wenn Thorsten so aufgeregt war, musste etwas schreckliches passiert sein.

Thorsten holte tief Luft. „Irgendsoein Vollidiot“, brach es aus ihm heraus, „hat meinen Targa beschädigt. An der Tür ist ein Kratzer. Und dann meldet er sich nicht Mal. Das ist Fahrerflucht! Wenn ich den erwische, dann …“

„Hallo Thorsten“, kam eine verhaltene Stimme aus dem Küchentürrahmen. Henri stand da mit riesengroßen Augen.

„Oh, hallo Henri, schön, dass du da bist. Entschuldige, ich bin nicht auf dich sauer, aber irgendsoein verantwortungsloser Rüpel hat mein Auto angefahren und es nicht einmal für nötig befunden, …“

„Vielleicht beruhigst du dich erstmal. Wir können ja später in Ruhe zu zweit darüber reden, aber jetzt ist Henri da. Und er hat gekocht. Dein Lieblingscurry. Riech mal.“

Thorsten tat, wie ihm geheißen, und seine Miene hellte sich deutlich auf. „Ist das das von letztens?“

Henri nickte zögerlich. „Ich hab auch deinen Lieblingswein. Geht schon auf den Balkon, ich komme gleich.“

Thorsten konnte immerhin schon wieder lächeln, und auch das Essen steigerte seine Laune wieder sehr. „Das war großartig, Henri, vielen Dank.“ Er lehnte sich im Stuhl zurück und schaute Sebastian an. „Meinst du, ich sollte eine Überwachungskamera installieren. Für den Fall, dass nochmal jemand…“

„Du solltest dich vor allem jetzt mal entspannen.“ Er schenkte Thorsten noch ein Glas Wein nach. „Henri und ich räumen jetzt mal ab.“ Er nahm die Teller und folgte Henri, der sich die leere Schüssel geschnappt hatte.

Dort angekommen sah er seinem Sohn tief in die Augen. „Warum sagts du es ihm nicht?“

Henri rutschte fast die Schüssel aus der Hand. „Was soll ich wem sagen?“

„Warum sagst du Thorsten nicht, dass du den Kratzer in die Tür gemacht hast?“

Henri stellte die Schüssel auf die Spüle und sank auf den Küchenstuhl in sich zusammen. „Ich wollte das nicht. Es war so eng zwischen den Autos, und mir…“

„Dir ist die Tasche vom Gepäckträger gefallen und hat die Tür verkratzt.“

„Ja, und Thorsten… Woher weißt du das?“

„An deiner Tasche kleben ein paar Reste Marmelade. Mir ist gestern nach dem Einkaufen ein Glas Marmelade aus der Einkaufstüte gefallen, gleich neben die Tür des Targa. Deshalb ist Thorsten ja heute nochmal los. Weil wir doch zum Frühstück deine Lieblingsmarmelade dahaben wollten.“ Sebastian ging einen Schritt auf Henri zu. „Und dann bist du noch einmal losgefahren und hast eingekauft. Der Einkaufszettel lag im Flur. Wolltest du Öl auf die Wogen gießen?“

Henri begann zu schluchzen. „Papa, ich weiß nicht, wie ich es Thorsten sagen soll. Der mag mich dann nicht mehr, und bezahlen kann ich es auch nicht, das kostete doch sicher tausende. Und da dachte ich, wenn ich etwas Nettes mache, dann…“

„Ich glaube nicht, dass Thorstens Zuneigung zu dir von einem Kratzer zerstört wird. Aber sagen solltest du es ihm. Wenn ich es herausbekommen habe, dann zählt er auch bald zwei und zwei zusammen und kommt auf dich. Mach´s lieber sofort. Es wird schon nichts Schlimmes passieren.“

Henri stand schweigend auf, schniefte einmal in das hingehaltene Taschentuch und ging mit sehr verhaltenen Schritten Richtung Balkon. Sebastian räumte gemächlich die Spülmaschine ein, säuberte Herd und Spüle, fand im Tiefkühlfach noch Eiscreme und verteilte sie auf drei Gläser und stellte sie auf ein Tablett. Dann ging er genauso gemächlich mit dem Tablett Richtung Balkon. Als Henri ihn sah, strahlte er ihn an: „Papa, Thorsten zeigt mit morgen, wie man Kratzer aus Autolack poliert. Und dann machen wir das auch an meinem Fahrrad.“ Sebastian strahlte zurück und stellte das Eis auf den Tisch. „Dann ist ja alles gut“, sagte er und gab Thorsten einen sanften Kuss auf den Scheitel.

Date: 2025-07-07 05:52 pm (UTC)
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From: [personal profile] aescu
Sebastians Vaterradar lief auf Hochtouren. - Oh, meines auch ... Mir schwant Übles. Der arme Targa.

In diesem Moment wurde der Schlüssel mit Verve ins Wohnungstürschloss gesteckt. Die Tür wurde offensichtlich mit Schwung geöffnet, denn sie prallte an die Wand. Man spürte Thorstens Zorn schon, bevor er vollends hereingekommen war. - yup, der Targa ... uiuiui

Ach, das Ende ist einfach nur schön 💕

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