[identity profile] failte-aoife.livejournal.com posting in [community profile] 120_minuten

Team: Kobold
Challenge: Schreibaufgabe — mehr als 1.000 Worte (1290)
Fandom: Mord in Wien, Blind ermittelt
Charaktere: Carl Nassau, Carl-Otto Habsburg, Marie-Sophie Habsburg, Alexander Haller, Lorenz Haller
Inhalt: 5 Mal als Carls Vater gezeigt hat, was er vom Berufswunsch seines Sohnes hält



I


Carl ist sieben und die Anzahl der Berufswünsche in seiner Klasse ist eher beschränkt. Astronaut hat er schon verworfen - der Mond ist viel zu weit weg, und er weiß auch nicht wirklich, was er da soll - und er wollte so lange Feuerwehrmann werden, bis Victor ihn davon überzeugt hat, dass Polizist ein viel coolerer Job ist, weil man da die ganzen Bösen verhaften kann, damit die nie wieder was Böses tun, anstatt immer nur Feuer zu löschen, die doch dauernd neu ausbrechen. Beim Abendessen erzählt er begeistert von seinem geänderten Berufswunsch. Marie, die mit ihrem Pferd Zita olympische Goldmedaillen gewinnen will, erklärt, dass das ein unglaublich lahmer Wunsch ist. Seine Mutter, die ihn vor einer Woche noch mit genauso viel Begeisterung von seinem Wunsch Feuerwehrmann zu werden hat reden hören, lächelt nur amüsiert. Sein Vater dagegen erstarrt, und schaut ihn wütend an.


Sowas wirst du nicht.“ Er schüttelt die Hand ab, die ihm seine Frau beruhigend auf den Arm legen will.


„Aber“, Carl möchte ihm erklären, warum er Polizist werden möchte, aber sein Vater blafft nur „Keine Diskussionen“, und sie essen schweigend weiter.




II


Ein gebrochener Arm - ein gebrochener linker Arm - ist sicherlich die frustrierendste Verletzung, die man haben kann, befindet Carl. In die Schule kann er damit, aber Sport fällt aus. Deswegen ist er jetzt zu Hause, anstatt beim Fechten. Als er sich etwas zu essen holen will, dringen Stimmen durch die geöffnete Wohnzimmertür.


„Was?“, sein Vater klingt komplett entgeistert, und Carl bleibt stehen. Er weiß, er sollte nicht lauschen, aber die Versuchung ist zu groß.


„Er hat auf der Polizeischule angefangen.“


„Also das hätte ich ja nicht von ihm gedacht. Also er war schon immer ...“, sein Vater bricht ab, aber sein Besuch, scheint es ihm nicht übel zu nehmen.


„Ich war auch entsetzt. Aber der kommt schon noch zur Vernunft. Der bleibt nie lange bei irgendetwas.“


„Das wünsche ich euch auf jeden Fall. Und jetzt lass uns von was Erfreulicherem reden.“




III


„Brauchst du Geld?“


Carl schaut seinen Vater verwirrt an. „Nein.“


„Was ist es dann?“


„Ich habe mich entschieden. Das habe ich dir gerade gesagt.“


„Ja, aber das kannst du doch nicht ernst meinen.“


Carl kann nicht anders, er muss lachen. Er hat seinem Vater alles erzählt. Über seine Bewerbung. Über die Einstellungstests. Und jetzt, dass er nach Wien auf die Polizeischule gehen wird. Aber sein Vater verhält sich so, als ob Carl ihm heute zum ersten Mal etwas von seinen Plänen erzählt.


„Das ist nicht lustig, dass du mit diesem Blödsinn weitermachst. Hör einfach mit diesem Theater auf, und sag mir, was du willst.“


Es dauert einen Moment, bis Carl versteht, was sein Vater gerade gesagt hat, und dann muss er sich zusammenreißen, um ihn nicht wieder auszulachen. „Das glaubst du also. Dass ich das alles mache, um ... was? Dir eins auszuwischen? Dich zu irgendwas zu bringen, dem du nur zustimmst, wenn ich dir verspreche, dann nicht zur Polizei zu gehen?“


„Ja, was soll ich denn sonst denken?“


„Vielleicht, dass ich sowas noch nie in meinem Leben gemacht habe, sondern dir immer direkt gesagt habe, was ich möchte. Und dass ich auch jetzt gerade genau das mache, was ich machen möchte.“


Jetzt scheint er zu seinem Vater durchgedrungen zu sein, denn die Wut breitet sich auf seinem Gesicht aus.


„Carl.“ Jetzt wirkt er fast drohend. „Das wirst du nicht tun.“


„Doch.“ Er sieht, wie sein Vater noch wütender wird. Er hasst es, wenn jemand in einem Streit einfach nur einsilbige Antworten gibt, statt wirklich zu diskutieren, aber Carl ist in den letzten Minuten klar geworden, dass auch das nicht helfen würde. Er hat seinem Vater alles gesagt, was zu sagen war.


„Du wirst nicht Polizist“, das Wort klingt bei ihm so, als stünden Polizisten auf der gleichen Stufe, wie Drogendealer. Carl antwortet nicht mehr, was seinen Vater noch wütender macht.


„Ein Habsburg wird nicht Polizist.“


Carl verlässt wortlos den Raum.




IV


„Carl?“ Er dreht sich um, und braucht einen Moment, den Mann, der ihn gerade angesprochen hat, einzuordnen. Das letzte Mal hat er ihn kurz vor seiner Matura gesehen.


„Alex!“


Der macht ein paar Schritte auf ihn zu und fragt dann überrascht „Was machst du hier?“


„Äh ... studieren?“ Er ist zu überrumpelt für eine bessere Antwort, aber was hat Alex denn gedacht, dass er hier an der Uni macht?


„Ich dachte halt“, plötzlich breitet sich auf Alex Gesicht eine Erkenntnis aus, die er schnell wieder zu verbergen versucht.


„Du dachtest was?“


Alex verzieht das Gesicht. „Du würdest in Seeberg studieren.“


„Wieso ...“, jetzt versteht auch Carl, „ist es das, was mein Vater erzählt?“


Alex nickt nur knapp, und behauptet zumindest nicht, dass er vielleicht etwas falsch verstanden hat. Carl möchte diesen Gesprächsfaden definitiv nicht weiterverfolgen und fragt deswegen: „Und du? Ich meine ... unterrichtest du?“


„Nein. Also nicht wirklich. Nur ein Vortrag. Über die juristischen Hintergründe zum Matić-Fall. Die Kollegin, die den eigentlich machen wollte, ist krank geworden.“ Er sieht, wie Carl bei dem Namen aufmerkt, „Sag bloß, den hörst du dir an?“ Er lacht kurz auf, „Man könnte meinen dein Name, wäre mir aufgefallen. Ich ...“


Carl unterbricht ihn viel zu scharf. „Nassau. Also“, er atmet einmal durch und spricht dann ruhiger weiter, „Ich heiße Nassau.“


Alex sagt dazu nichts, aber sein Gesicht spricht Bände.




V


Marie hält sich nicht mit Klopfen auf, und stürmt direkt in sein Krankenhauszimmer. Als sie ihn sieht, wirkt sie merklich erleichtert.


„Glatter Durchschuss. Alles halb so wild.“


Marie sieht nicht so aus, als ob sie diese Versicherung beruhigt. Als sie sich an sein Bett setzt, erkennt er, dass sie geweint haben muss. Trotz der Schmerzmittel tut es noch weh seinen rechten Arm zu bewegen, aber das lässt er sich nicht anmerken, als er nach ihr greift.


„Hey, es wirklich nicht so schlimm. Die lassen mich morgen schon wieder raus.“


Marie sagt nicht, schaut ihn nur traurig an und flüstert: „Aber es hätte“, und jetzt glitzern die Tränen in ihren Augen, aber bevor sie den Satz zu Ende bringen kann, wird die Tür wieder aufgestoßen.


Carl-Otto Habsburg tritt ein und ist mit schnellen Schritten an Carls Bett.


„Siehst du jetzt, dass das endlich aufhören muss?“


„Mir geht es übrigens gut“, gibt Carl bissig zurück.


„Du musst jetzt doch wirklich einsehen, was für ein Blödsinn das ist, den du da veranstaltest.“


„Papa“, schaltet sich jetzt sogar Marie ein, die sich normalerweise aus den Streitereien zwischen ihm und ihrem Vater raushält.


„Ja wie würdest du es denn nennen?“, ereifert sich Carl-Otto weiter.


Carls „Meine Arbeit“, wird nur mit einem verächtlichen Schnauben kommentiert. Carl könnte ihm jetzt sagen, dass er heute jemandem das Leben gerettet hatte, aber es war ja nicht die beeindruckende filmreife Lebensrettung gewesen, bei der er im letzten Augenblick dem Täter die erhobene Waffe aus der Hand gerissen hat. Die, die das Beinaheopfer zwar traumatisierte, aber für gute Schlagzeilen sorgte. Nein, sie hatten einfach nur in der Wohnung des Täters schon deutliche Hinweise dafür gefunden, dass er sich schon ein neues Opfer ausgesucht hatte. Notizen, in denen er sich über ihre Verkommenheit ausließ, Zeichnungen, die zeigten, was er mit ihr vorhatte, und bei denen Carl sich der Magen umgedreht hatte. Die Frau würde nie erfahren, was mit ihr hätte passieren können, wenn die Salzburger Polizei ein bisschen langsamer gewesen wäre. Dafür würde der Fall viel schneller wieder aus den Medien verschwinden, weil Serienkiller überführt. Polizist angeschossen. Keine weiteren Verletzten keine so spannende Story war.


„Denk doch nur darüber nach, was hätte passieren können.“


„Meinst du was mir hätte passieren können, oder wie die Schlagzeile Habsburg bei Polizeieinsatz getötet aussehen würde?“


„Carl“, rügt Marie jetzt ihn.


„Dass du mich das fragen musst“, sein Vater schaut ihn vorwurfsvoll an, und Carl unterdrückt die Antwort, dass sein Vater vielleicht überlegen sollte, warum Carl ihm diese Frage stellte.


Profile

120_minuten: (Default)
Die Uhr läuft ... jetzt!

Most Popular Tags

January 2026

M T W T F S S
   1 234
567891011
12131415 161718
19202122232425
262728293031 

Style Credit

Powered by Dreamwidth Studios