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Titel: Obligatio silvae regiae (Kapitel 2)


Team: Nixe
Tabelle: SciFi & Fantasy
Prompt: lebensfeindliche Atmosphäre
Für: Das Team
Fandom: Original
Rating: G


Teil 1



Alexander fragt sich, wo sein Leben falsch abgebogen ist. Er ist ein Universitätsprofessor, verdammt. Kein Internet-Kasper … Influencer. Genau, das war das Wort. Und doch sitzt er jetzt hier auf einem Stuhl und eine wildfremde Frau staubt mehr Puder in sein Gesicht, als seiner Meinung nach notwendig ist.


"Damit Sie hübsch aussehen", hat sie gesagt.


Er ist nicht hier, um hübsch auszusehen.


Wenn es darum gehen würde, wäre wohl einer der Erhabenen Fae besser für diesen Job geeignet.


Das blöde Puder kitzelt in seiner Nase. Er kann gerade noch den Kopf zur Seite drehen, bevor er laut niesen muss.


Die Makeup-Dame zuckt erschrocken zusammen.


"Entschuldigung", sagt Alexander und schnieft.


Sie sieht ihn entgeistert an.


Nein, nicht ihn. Seinen Anzug. Er folgt ihrem Blick und sieht, dass auf dem grünen Brokat weißliche Puderflecken sind.


Er schnieft nochmals, zieht ein Stofftaschentuch aus dem Sack seiner Jacke und schnäuzt sich.


Währenddessen versucht die Makeup-Dame mit einem sauberen Pinsel das Puder vorsichtig zu entfernen.


Ein Landwicht steckt den Kopf zur Tür herein. Er ist - wie alle Mitglieder seines Volkes - nur einen knappen Meter groß, dafür aber stämmig und breit gebaut. "Wie lange brauchen Sie noch?", fragt er mit einer Stimme, so tief wie das Grollen einer Steinlawine.


"Ist das alles wirklich nötig?", erwidert Alexander. "Das ist doch ein Internet-Broadcast. Niemand interessiert, wie ich ausschau."


"Sie meinen einen wohl einen Podcast …", korrgiert der Landwicht.


"Podcast ist ein Portemanteau-Wort, das sich aus iPod und Broadcast zusammensetzt. Genaugenommen kann das hier also gar kein Podcast sein, wenn das Ziel ist, es über das Internet und ohne die Notwendigkeit, einen iPod zu besitzen, anhören zu können", widerspricht Alexander.


Der Landwicht wischt seinen Einwand mit einer ungeduldigen Handbewegung beiseite. "Ja, aber es handelt sich bei diesem Projekt um keinen reinen Audio-Blog. Also seien Sie keine Diva."


Alexander verkneift sich eine Retourkutsche. Mit Landwichten zu streiten hat keinen Sinn. Niemand kommt an deren Dickschädel heran. Da ist es besser, seinen Stolz außen vor zu lassen und sich wieder der Makeup-Dame zuzuwenden.


Die hat es inzwischen geschafft, dass sein Anzug erneut vorzeigbar ist. Dafür beginnt sie jetzt damit, an seinem Bart herumzuzupfen. Er ist sich nicht sicher, was sie wirklich tut - richtet sie jedes Barthaar einzeln aus? Es fühlt sich beinahe danach an. Er versucht stillzuhalten, damit sie nicht am Ende wirklich noch Haare ausreißt. Er hängt an seinem Bart. Und er hat inzwischen ein Alter erreicht, in dem jedes Haar auf seinem Kopf wertvoll ist.


Eine gefühlte Ewigkeit später ist sie offenbar mit dem Ergebnis zufrieden. Aber Alexander hat nur eine kurze Verschnaufpause. Denn kaum ist sie mit dem Bart fertig, landen ihre Finger in den Haaren auf seinem Kopf.


Das hat er schon befürchtet.


Seine Frisur lädt tatsächlich dazu ein, irgendetwas damit zu tun: an den Seiten kürzer geschnitten und oben am Kopf ein wenig länger, also ideal zum Stylen. Zumindest behauptet das seine Frau. Und die Makeup-Dame scheint das ähnlich zu sehen.


Wenigstens wirkt es so, als wäre bei seinen Kopfhaaren weniger zu zupfen, als bei seinem Bart. Schon nach kurzer Zeit greift die Makeup-Dame zu einer Dose Haarspray.


Bevor Alexander irgendetwas sagen kann, hat sie ihn schon dermaßen eingenebelt, dass es sich anfühlt, als wäre die gesamte Luft durch ein unangenehm chemisch riechendes und in der Lunge kitzelndes Gas ersetzt worden. Eine richtig unfreundliche, ja richtig lebensfeindliche Atmosphäre.


Bevor der Hustenreiz zu stark wird, hört sie zum Glück wieder auf.


"So, wir sind fertig", verkündet sie.


Kapitel 3›

Date: 2025-07-06 11:34 am (UTC)
theskew: (d)
From: [personal profile] theskew

Hehe, ich finde Haarspray-Nebel als Umsetzung für die lebensfeindliche Atmosphäre wirklich außerordentlich gelungen, ich kann das sehr nachfühlen! :D

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