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[personal profile] theskew posting in [community profile] 120_minuten
Fandom: original - outsider v2
Rating: P6
Team: Greif
Prompt: R/I - “Du bist wie ein Sohn / … für mich.” - für mich
Länge: 555
Zeit: 25



Wie so oft war es bereits dunkel, als Seven das Krankenzimmer betrat, und wie so oft drehte Manito leicht den Kopf in Richtung Tür, obwohl ihr Gesicht nach wie vor verbunden war, obwohl sie immer noch - und wohl noch für längere Zeit - nichts sehen konnte.

“Hey”, sagte Seven sanft und setzte sich auf den Stuhl, der seit ihrem ersten Besuch vor einigen Wochen unverändert neben dem Bett stand.

“Sie entlassen mich”, antwortete Manito leise. “In den nächsten Tagen.”

Über die letzten Wochen hatte Seven dabei zusehen können, wie das Leben in Manito zurückkehrte, während ihr Körper die Wunden heilte. Nur wie es ihr mental ging, das wusste Seven nicht. Manito war schon immer schwer zu lesen gewesen, aber jetzt, wo Seven noch nicht mal Blicke oder Mimik von ihr sah, war es oft nahezu unmöglich geworden.
Trotzdem wusste sie, dass sie sich nicht aufdrängte und Manito die Besuche mochte, so viel war deutlich geworden.

“Das ist doch gut?”, fragte sie vorsichtig. Das bedeutete, dass es Manito gut genug ging, um nicht mehr dauerhaft beobachtet werden zu müssen. Dass es voran ging. Aufwärts.

“Ich bin blind, Seven.” Manitos Stimme war ungewohnt scharf. “Ich kriege keine Betreuung, keine Hilfe, gar nichts. Sie wollen das Bett frei machen und dann bin ich nicht mehr im Zuständigkeitsbereich. Sie setzen mich auf die Straße.”

Seven atmete aus. “Vielleicht hat ja die Army-“, setzte sie an, wurde aber sofort unterbrochen:

“Der Army bin ich scheißegal.” Höhnisch, beinahe kühl. “Die haben genug andere Leute zum Verheizen. Ich kann froh sein, wenn ich überhaupt eine Abfindung kriege, wenn sie mich entlassen.”

“Dann kommst du eben zu mir.” Die Worte waren schneller ausgesprochen, als Seven darüber nachdenken konnte, aber es fühlte sich richtig an. “Ich kümmere mich um dich.”

“Das kann ich nicht annehmen.” Manito schüttelte den Kopf. “Das kann ich dir nicht aufbürden.”

Seven beugte sich ein Stück näher zu ihr, um ihren Worten Nachdruck zu verleihen, und griff nach ihrer Hand. “Du bist Familie für mich, Manito. Ich lass dich nicht alleine.”
Es war das erste Mal, dass sie etwas derartiges ausgesprochen hatte, aber es war richtig. Es war wahr.

Manito schwieg, ließ aber Sevens Hand nicht los. Es verging ein Moment, dann noch einer, dann spürte Seven, wie ihre Hand vorsichtig gedrückt wurde.

“Und was ist mit dir?”, fragte Manito leise. “Du hast doch auch Einsätze und so. Du kannst dich doch nicht durchgehend um mich kümmern.”

“Ich kann darum bitten, meinen Dienst bis auf Weiteres nur hier vor Ort zu verrichten. Ich bin Offizierin, das können sie mir nicht abschlagen. Und dann bin ich vielleicht mal ein paar Stunden weg, aber den Rest der Zeit trotzdem zu Hause.”

Wieder verging etwas Zeit, aber Manito hielt nach wie vor ihre Hand. Ein Danke? Ein Okay? Sie war sich nicht sicher, aber es war eine positive Emotion.

Nach einer Weile neigte Manito den Kopf. “Wenn du sagst, ich bin Familie für dich… Meinst du eher so als Schwester, oder als Frau, oder als Tochter? Weil du so viel älter bist als ich, meine ich.”

“Opa”, konterte sie. “Du bist wie ein Opa für mich.”
Seven konnte sich das Lächeln nicht verkneifen. Manito fand langsam wieder zurück zu ihrem Humor, und es war wundervoll zu beobachten.
Was die Zukunft brachte, wusste niemand von ihnen, aber Seven war zuversichtlich. Das würden sie schon hinbekommen.

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