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Team: Kobold
Challenge: Schreibaufgaben — Crossover (fürs Team)
Fandom: Tatort Wiesbaden, Rillenfieber
Charaktere: Felix Murot, Conny
Wörter: 950
Zeit: ~90min
A/N: 'tule taas' heißt "komm wieder", 'no more hard times' ist aus einem Song von Ray Charles und Murot ist Finnisch in dieser AU
Tatort Wiesbaden x Rillenfieber Crossover AU Teil 1





Berlin im Sommer, 2000




Es war ein heißer Tag, ein viel zu heißer Montagmorgen, an dem Conny im Rillenfieber saß und die Wand vor sich anstarrte. Es war schon fast mittags und die Sonne brach erbarmungslos durch die Fensterscheiben, doch die Eingangstür war, seit sie heute Morgen hinter Conny ins Schloss gefallen war, nicht mehr geöffnet worden. Es war nicht unüblich, dass kaum Kunden kamen, doch für Connys Herz war es noch immer alles andere als erträglich und bei dem Gedanken daran, dass es wahrscheinlich den ganzen Tag so mau aussehen würde, wurde ihm schlagartig schlecht.


Er schluckte schwer, schloss die Augen. Der Boden unter seinen Füßen war wie Eis—der ganze Laden war wie Eis und wenn er nur einen falschen Schritt machen würde, bräche das Eis unter und um ihn; dann bliebe nichts außer einer Staubwolke und Rudis nerviger Stimme, die ihm nichts als die Wahrheit sagen würde: Dass er versagt hatte, weil er Rudis Angebot nicht angenommen hatte.


Er riss die Augen auf. Nein, nein, soweit wird’s nicht kommen! Das darf es nicht.


Seine zitternden Hände umklammerten die Tischplatte—es tat weh, so fest krallten sich seine Finger in das Holz. Er ließ sie los (und in dem Moment fühlte es sich noch so viel schwerwiegender an, so als würde er noch so viel mehr loslassen) und ging zum Regal mit seinen Lieblingsplatten. Er musste abschalten. Jetzt.


Also griff er die nächstbeste Platte und legte sie auf. Die bekannten Klänge durchfluteten seinen Körper und die Musik leitete ihn. Es war, als würde die Melodie durch seine Adern fließen, als wäre sie ein Teil von ihm. Und Conny wusste, dass es nicht nur die Platten waren, die dieses Gefühl in ihm auslösten—es war auch das Rillenfieber. Sein Laden, den er sich damals mühsam aufgebaut hatte. Und deshalb würde er Rudis Angebot niemals annehmen, selbst wenn das bedeutete, dass er mit dem Rillenfieber untergehen würde.


Das Klingeln der Glocke über der Tür riss ihn aus seinen Gedanken und er verharrte in seiner Bewegung. Er blinzelte den großen Mann, der gerade durch die Tür trat, verdutzt an, weil er kaum noch einen Kunden erwartet hatte.


„Guten Tag“, grüßte der Mann höflich.


„Hallo“, entgegnete Conny knapp. Dann fiel ihm ein, dass er ja eigentlich arbeitete. „Ähm, kann ich Ihnen vielleicht helfen?“


„Ja, ich suche nach Ray Charles Schallplatten.“ Der Mann schaute sich kurz suchend um, bevor sein Blick wieder auf Conny fiel. (Dass dieser unter seinem Blick ein wenig nervös wurde—denn die Präsenz des fremden Mannes war beinahe atemberaubend—ignorierte Conny gekonnt.)


„Ray Charles haben wir hier, kommen Sie“, sagte Conny und lief zu dem Regal herüber, in dem sie Schallplatten von Ray Charles lagerten. „Suchen Sie denn etwas Bestimmtes?“


„Danke, ich schau’ die Schallplatten einfach nur mal durch.“ Conny nickte und trat zurück hinter den Tresen. Erst jetzt fiel ihm der Akzent so richtig auf: Das gerollte ‚r‘, die kurze Pause vor dem ‚tt‘ und die Art, wie er das ‚i‘ langzog. Eigenartig, dachte Conny.




„Wieder hier?“, fragte Conny erstaunt, als eine Woche später der Mann mit demselben merkwürdigen Akzent wieder in seinem Plattenladen stand. Er hatte nicht wirklich erwartet, ihn wiederzusehen—immerhin schien er nicht von hier zu kommen. Conny hatte ihn dann einfach als verirrten Touristen abgestempelt, denn die große Touristenattraktion war sein Laden nicht gerade (und das war auch gut so).


Und dennoch stand er jetzt wieder vor ihm. Hier. Im Rillenfieber.


„Ich dachte ich schau’ nochmal vorbei“, lächelte er. „Ist ganz nett hier. Besser als die Touristenattraktionen jedenfalls.“ Seine Stimme war tief, angenehm.


„Wie lang bleiben Sie noch?“


„Vielleicht für immer.“ Conny zog fragend eine Augenbraue hoch. „Ich bin hierher gezogen“, erläuterte der Mann.


„Aus?“


„Turku. Finnland. Schönes Städtchen, aber nach fast vierzig Jahren will man auch mal was Neues erleben.“ Die träumerische, philosophierende Art mit der er sprach fiel Conny direkt auf und erinnerte ihn an sich selbst, wenn er von seinen Platten schwärmte.


„Warum Deutschland?“


„Meine Eltern kommen ursprünglich aus Deutschland. War irgendwie am einfachsten.“


„Und warum ausgerechnet Berlin?“ Der andere zuckte die Schultern, lächelte schief.


„Warum nicht?“


Ja, warum eigentlich nicht?




Dieses mal waren es nur zwei Tage bis der Mann aus Turku wieder seinen Laden betrat. Conny musste ein wenig in sich hinein lächeln, als er ihn sah. Er war froh, dass Tina und Rille gerade weg waren und ihn später nicht mit seinem peinlichen Verhalten aufziehen konnten.

„Na?“ Connys Lächeln wurde spitzer, als er das Lächeln des anderen sah.

„Na?“, ahmte dieser ihn nach und Conny spürte wie ihm die Röte ins Gesicht schoss. Es war zu heißt. Definitiv zu heiß.


„Und warum sind Sie diesmal hier?“


„Du. Sag du zu mir“, er hielt ihm die Hand hin, „ich bin Felix.“


„Conny.“ Sie teilten ein Lächeln.


„Ich wollte dich wiedersehen“, meinte Felix dann ehrlich und Conny musste schlucken, die Augen ganz groß, so als hätte er alles nur nicht das erwartet. Seine Reaktion war nicht groß und doch zu viel, fand er—es war doch nichts, es sollte doch nichts sein. Und doch fühlte es sich wie etwas an. Conny wusste nicht, was dieses „etwas“ war; er wusste nur, dass er sich langsam aber sicher daran gewöhnte, auch wenn das Gefühl erst seit Kurzem da war.


„Wie läuft der Laden?“, fragte Felix aus dem Nichts. Conny runzelte die Stirn—Wie jetzt? Warum…?—und blickte ihm verwundert entgegen.


„Äh, geht so?“


„Das klingt so fragend.“


„Ja, ich mein, warum- Also wie kommst’n du jetzt darauf?“ Als Antwort bekam er nur ein einfaches Schulterzucken und ein ungehemmtes Lächeln—das war in etwa so nichtssagend wie Rilles tägliches Gelaber.


Felix trommelte mit seinen Fingern auf der Tischplatte, bevor er „Ray Charles?“ fragte und auf eine Schallplatte im hinteren Regal zeigte.


„Ray Charles!“

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