Crack — Falsch Abgebogen
Jul. 3rd, 2025 08:18 pmTeam: Kobold
Challenge: Crack — Falsch Abgebogen (fürs Team)
Fandom: Mord in Wien
Charaktere: Franziska Malzer, Carl-Albrecht Nassau
Inhalt: Die Kneipe, in der sie essen, ist Carls persönlicher Albtraum
A/N: Das war nicht das, was ich mir vorgestellt habe, aber ich habe das Zeitlimit schon sehr strapaziert...
Carl entfuhr ein Stöhnen, als sie das Bistro betraten.
„Wir können auch was anderes suchen“, bot Malzer an, und sagte dann natürlich noch: „Falls Sie ungern im Kreis Ihrer Familie essen.“
Er hätte ihr Angebot zu gerne angenommen. Selbst sich noch einige Zeit spitze Kommentare von ihr anzuhören, wäre besser, als an einem Ort zu essen, an dem jedes Stück Wand mit Habsburger Portraits geschmückt war. Nur hatte die Gegend, in der sie waren, nicht so ausgesehen, als ob es hier in der Nähe irgendwelche Alternativen gab. Und wenn sie hier nicht bald wegkämen, wären sie erst mitten in der Nacht in Wien - wahrscheinlich würden sie das sowieso sein, wenn er sich weiter so verfuhr wie bisher.
Seufzend bedeute er Malzer einzutreten. Grinsend ging sie auf den nächsten Zweiertisch zu. Er stand direkt vor einer Säule, an der natürlich ebenfalls ein Bild hing. Er gab sich Mühe, es nicht näher zu betrachten, und war froh, als die Bedienung ihnen, schnell die Karte brachte. Zumindest bis zu dem Moment, an dem er sah, dass Franz Josef auf der Vorder- und Elisabeth auf der Rückseite prangte.
Malzer betrachtete das amüsiert. „Nicht mal hier halten die es besonders nah beieinander aus.“
Er würde so eine Diskussion gar nicht anfangen.
„Je schneller wir hier fertig sind, desto schneller kommen wir hier wieder weg.“
Grinsend schlug sie die Karte auf, und nach etwa fünf Sekunden wieder zu. „Ich nehme die Gulaschsuppe.“
Carl hätte gerne die Karte ausführlich, und vor allem lange studiert, aber leider war das Angebot so übersichtlich, wie die Wände überladen waren. Nach kurzem Zögern blieb ihm nichts anderes übrig, als die Karte ebenfalls abzulegen. „Und ich die Kartoffelsuppe.“
Malzer nickte kaum merklich, und ließ ihren Blick wieder schweifen „Ich glaube, das war bei uns im Schulbuch.“ Sie zeigte auf ein Bild von Maria Theresia mit ihren Kindern, und fixierte dann wieder Carl. Ergeben wartete er auf die nächste Frage.
„Wie ist es eigentlich, wenn die Familienbilder im Geschichtsbuch sind?“
Er seufzte. „Unsere Urlaubsfotos sind Familienbilder. Die Hochzeitsfotos meiner Großeltern. Meinetwegen noch Bilder von meinem Ururgroßonkel.“ Aber auch nur, weil sein Vater sehr viel und sehr gerne von ihm sprach. „Aber mit Maria Theresia verbinde ich auch nicht mehr als Sie.“
Malzer sagte kein Wort, betrachtete ihn nur interessiert. „OK, vielleicht ein bisschen mehr.“
„Ich hab auch keine Bilder von meinem Ururgroßonkel. Ich weiß nicht mal, wie er hieß. Falls ich einen hatte. Was ich annehme.“
„Wahrscheinlich.“
„Ich hab auch keine Bilder von der Hochzeit meiner Großeltern. Unter anderem, weil die Eltern von meinem Vater gar nicht verheiratet waren.“
„Was auch immer Sie gerade sagen wollen. Sie haben wahrscheinlich recht.“
„Wahrscheinlich?“
„Sicherlich.“
„Ich hatte auch recht, als ich Ihnen gesagt habe, Sie sollen auf mich hören, und nicht aufs Navi.“
„Ja. Die hatten Sie auch recht.“
Die Bedienung kam, um ihre Bestellung aufzunehmen, und Carl überlegte, ob er noch früh genug zurück ihn Wien wäre, um jemanden zu erreichen. Er brauchte etwas, was ihn von diesem Tag ablenkte. Glücklicherweise schien Malzer genug von Gesprächen über seinen Orientierungssinn zu haben. Aber nicht von Kommentaren über die Dekoration.
„Beeindruckender Bart.“ Er folgte ihrem Blick, aber die Beschreibung war alles andere als eindeutig. „Der“, sie zögerte, „Ungar?“
„Mexiko. Das ist die mexikanische Flagge“, korrigierte er sie, bevor er darüber nachdenken konnte, ob das eine gute Idee war. Malzer zog eine Augenbraue hoch. „Mexiko? Ach der ...“
„Maximilian,“ half er aus, und bereute es gleich wieder.
„Wissen Sie, ich hab Familienfotos, bei denen ich gar nicht weiß, wer da drauf ist.“
Carl war noch nie so dankbar darüber gewesen, eine mittelmäßige Suppe serviert zu bekommen. Zumindest für einige Zeit führten sie dieses Gespräch nicht weiter. Aber Malzer musterte weiter die Portraits. Auch das, dass direkt über ihrem Platz hing. Und bei dem brauchte auch Carl einen Moment, um die Personen darauf zu identifizieren. Nicht nur, weil die Bildqualität wirklich schlecht war: ein altes Foto, das anscheinend ziemlich unbearbeitet vergrößert worden war. Aber die abgebildeten Personen gehörten auch zu denen, über die in seiner Familie nicht ganz so oft gesprochen wurde wie den tragischen Maximilian von Mexiko. Trotzdem erkannte er sie, und jetzt konnte er nicht widerstehen.
„Stephanie von Belgien“, erklärte er Malzer, die gemerkt hatte, wie intensiv er das Bild gemustert hatte. „Die Kronprinzessin. Und ihre Tochter.“
„Aha.“
„Die müssten Sie doch eigentlich mögen.“
„Die Kronprinzessin?“
„Ihre Tochter.“
Sie schaute ihn fragend an, und er genoss es, sie zumindest ein wenig warten zu lassen.
„Warum?“
„Die hat sich von ihrem Prinzenkasper scheiden lassen, hat einen Sozialdemokraten geheiratet und ist auf Maidemos mitgelaufen.“
Malzer, die gerade einen Schluck genommen hatte, hatte sichtlich Mühe nicht loszuprusten. „Ernsthaft?“
„Ich würde nie Lügen über meine Urur...“, er gab aus, „wasauchimmer verbreiten.“
„Aber Sie werden jetzt nicht behaupten, dass die ihr großes Vorbild ist.“
Carl zuckte mit den Schultern. „Marie war immer begeisterter von ihr als ich.“
„Ihre Familie steckt voller Überraschungen.“
„Das sagen die Leute seit ein paar Hundert Jahren.“
no subject
Date: 2025-07-03 07:34 pm (UTC)hhihihihiih ♥ armer Carl
Carl überlegte, ob er noch früh genug zurück ihn Wien wäre, um jemanden zu erreichen. Er brauchte etwas, was ihn von diesem Tag ablenkte. << na ich hoffe, da findet sich noch jemand
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Date: 2025-07-03 07:57 pm (UTC)<3 Vielleicht erbarmt sich ja jemand wenn Carl eine sehr sehr verzweifelte Nachricht losschickt
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Date: 2025-07-03 10:10 pm (UTC)Ich liebe ja, wie sehr Carl das hasst 🤭 (und ich bekomme grad mitten in der Nacht Appetit auf Kartoffelsuppe :D)
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Date: 2025-07-04 02:38 pm (UTC)<3 Ooops :D (beim Schreiben wars noch zu heiß für Suppe)
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Date: 2025-07-04 09:41 am (UTC)Ich mag die Interaktion zwischen den beiden. Mal fühlt die Verzweiflung von Carl und wie Franziska die Situation genießt.
... und jetzt hab ich Lust auf Gulaschsuppe und bröselige Semmel