Fandom: Tokio Hotel
Characters: Bill & Tom Kaulitz
Challenge: Farben: #3 Special Black
Rating: P12
Warnungen: Bill und Tom sind nach wie vor das einzig Warnenswerte. (<-- ist das ein Wort? oO)
A/N: Und es gibt nach wie vor einen Soundtrack und ich konnte Songs einbetten... Betonung auf konnte. *LJ böse anstarr*
"Song for Whoever" ~ The Beautiful South
Wordcount: 1234
Geschrieben in: 110 Minuten
Bill sagt, es wäre schön. Genau genommen sagt er „geil“, aber er meint „schön“. Er drückt sich gern diffus aus.
Tom sagt nichts und denkt: „Nickisamt“. Ni-cki-samt, mit Betonung auf „Ni“ und „Cki“. Die beiden Silben sind genauso albern wie die gestauchten Plüschtiere, die man unter dieser Bezeichnung kaufen und zusammen mit einem Schnuller an seine Schultasche hängen kann – zumindest, wenn man zwölf ist und die Mama einem jeden Morgen die Klamotten rauslegt.
Tom hat diese tragbaren Kuscheltiersammlungen schon immer albern gefunden und Bill auch. Eigentlich.
Denn wenn Tom seinen Bruder jetzt mit zusammengekniffenen Augen mustert, kann er nicht anders, als sich zu fragen, ob Bill sich nicht doch einen Miniatur-Tiger an sein Federmäppchen geknipst hätte, wenn er ihn nicht dafür ausgelacht hätte. Wieso sonst sollte Bill diesen verpassten Vorreiter einer Jugendsünde damit kompensieren wollen, dass er Tom ein schwarzes Ungetüm aus Ni-cki-samt vor die Brust hält und es seinem Gesichtsausdruck nach zu urteilen ganz schrecklich unfassbar gei-… schön findet?
„Das steht dir voll gut!“, sagt er und es ist ihm nur zu genau anzusehen, dass auf Widerrede gerade die Todesstrafe steht. Tom zieht dezent zweifelnd die Stirn in Falten. Ni-cki-samt. Und überhaupt, nicht einmal Bill trägt Samt.
„Probier mal an.“ Es ist kein Vorschlag, es ist ein Befehl, perfekt getarnt mit einem strahlenden Lächeln und dem „Ich bin dein kleiner Bruder, du musst mich hätscheln und in Glückseligkeit wiegen“-Blick. Tom hasst diesen Blick. Wegen ihm hat er sich im Sandkasten um Himbeerförmchen geprügelt, etliche Male Hausarrest wegen dreistem Diebstahl aus der Süßigkeitenschublade kassiert, es geduldig ertragen, der Zwilling vom „schwulen Pandabär“ zu sein, als er gerade dabei gewesen war, in der Klasse zu den coolen Kindern zu gehören, und sich vor der halben Crew zum Ei gemacht, weil Bill sich nicht getraut hat, seine Pornos selbst zu besorgen. Der feine Herr Bruder lädt sich die Schmutzfilmchen seines Geschmacks nämlich nicht einfach aus dem Internet herunter, nein, bei seinen extravaganten Ansprüchen muss es natürlich eine gut sortierte Hardcorevideothek inklusive fachlicher Beratung als Bezugsquelle sein. Und Tom als Laufbursche.
Dazu kommen noch die gefühlten dreitausend Male, die Bill mit Toms geliebten Basecaps Frisbee gespielt oder sein Lieblingsshirt zum Schlafen benutzt und ungewaschen in den Koffer zurückgelegt hat. Tom ist Bill hinterher jedes einzelne Mal mit der festen Absicht gegenüber getreten, ihm das missbrauchte Shirt nach allen Regeln der Kunst um die Ohren zu schlagen und seine Schmucksammlung aus dem Fenster zu kippen, aber dann – zack, Blick, und Tom kann nur noch fluchen und sich wundern, was er verbrochen hat, um so einen Zwilling zu verdienen.
Offensichtlich viel. Auf jeden Fall genug, um von besagtem Zwilling dazu genötigt zu werden, eine Kapuzenjacke aus schwarzem Nickisamt anzuziehen.
„Jetzt steh da nicht so doof rum und mach“, flötet Bill mit seiner angeblich so engelsgleichen Stimme und klatscht Tom die Jacke über die linke Schulter. Tom hätte nie gedacht, dass Kleidungsstücke nicht nur albern aussehen, sondern auch albern riechen können, aber diese Jacke schafft das Unmögliche. Muss der Nickisamt sein.
Seufzend zieht er den Reißverschluss seines grauen, stylischen und vor allem unalbernen Hoodies herunter und tauscht es gegen die Nickijacke aus. Er fühlt sich augenblicklich albern und zwar auf die unangenehm peinliche Art; als wäre er mit Hausschuhen auf die Straße gegangen und stünde jetzt in Birkenstocks im Laden. Muss auch der Nickisamt sein.
Wenn er wenigstens grün wäre, fiele vielleicht nicht so auf, dass es Samt ist. Aber nein, es muss teddybärentiefschwarz sein. Dabei würde Tom lieber knallgelbe Baggys aus Acryltieren tragen, als diese Kuschelverkleidung. Sicher muss man so was mit Vernel waschen, theatralisch dran schnuppern, wenn man es aus der Waschmaschine zieht, und eine gelangweilte Hausfrau sein, die nie das Haus verlässt und sonst nichts zum Schmusen hat, damit er einem steht, der Nickisamt.
Tom tapst vorsichtig zum nächsten Spiegel und starrt erst eine ganze Minute lang auf den Boden, bevor er nach oben schielt. Optische Frontalcrashs tun weniger weh, wenn man sich mental darauf vorbereitet – dachte Tom zumindest immer.
Tja, falsch gedacht: sein Spiegelbild ist wie eine Fahrt mit hundertachtzig Sachen gegen die Wand, und dass er zu allem Überfluss auch noch keinen Airbag besitzt, wird Tom nur zu schmerzlich bewusst, als durch die entsetzten Schreie und das verzweifelte Bremsenquietschen Bills kein bisschen engelhafte Stimme klingt: „Da gibt’s ja auch noch eine Hose dazu!“
Tom möchte sterben. Jetzt und gleich und schnell.
„Jetzt schau doch mal“, quengelt Bill, als Tom sich nicht sofort freudestrahlend umdreht und ihn zu diesem wunderbaren Fund beglückwünscht.
„Da. Geil!“, sagt er schwer überzeugt, nachdem Tom sich zu ihm getrollt hat und er ihm auch die Hose hinhalten kann. „Hab sogar gleich deine Größe erwischt. Bin ich gut oder bin ich gut?“
„Toll“, grollt Tom. „Du bist der beste Bruder der Welt.“
„Du hast nur einen.“
„Eben.“
Bill kräuselt die Lippen und zieht kurz die Nase hoch. Es ist seine Art, jemandem „Du mich auch, du Arschloch“ zu sagen. Und Tom hat verstanden. Er schnappt sich die Samthose und flüchtet sich damit zu den Umkleidekabinen. Ein beleidigter Bill und schwarzer Nicki gleichzeitig ist definitiv zuviel des Guten.
Wie erwartet fühlt er sich von Kopf bis Fuß in Nickisamt noch alberner als nur von Kopf bis Knie. Außerdem ist er jetzt so flauschig, dass – ja, was eigentlich? Ach richtig, dass Bill andächtig über seinen Ärmel streichen und „Das ist ja total weich!“ murmeln kann.
Weich. Nickisamt. Sag bloß.
Warum hüllt er sich denn nicht selbst in eine Nickikutte, wenn er es so toll findet? Dann würde Tom sich erstens nicht so verboten samtig fühlen und zweitens könnte er Bill sagen, wie beschissen dieser Aufzug aussieht. Aber Gott und das Schicksal müssen ihn natürlich mal wieder besonders lieb haben und Bill den Nickisamt für ihn aussuchen lassen. Und wenn Bill etwas für ihn aussucht, dann ist das eine besondere Geste, die angemessen gewürdigt werden muss. Männer machen so was nämlich normalerweise nicht für Geschlechtsgenossen, und Tom sollte ihm tunlichst mit einem maskulinen Nicken danken und sich zutiefst geehrt fühlen. Bill nimmt in Kauf für schwul gehalten zu werden, weil er seinen großen Bruder in schwarzen Nickisamt kleidet – ist das nicht ein heldenhaftes Opfer?
Und das alles nur, damit Tom sich geliebt und flauschig fühlen kann. Bill verdient definitiv einen gezielten Tritt unter seine Swarowskigürtelschnalle.
„Muss das denn aus Samt sein?“, fragt Tom vorsichtig, als Bill die Schulternähte zurechtzupft.
„Es ist weich. Halt doch mal still.“
„Muss es schwarz sein?“
„Wieso?“
„Ja, weil, ich hab sonst fast gar nichts schwarzes.“
„Aber ich“, sagt Bill, lehnt sich nach hinten und mustert Toms bemühtes Gesicht.
„Aber dann passt es ja viel besser zu dir.“
Bill nickt und rückt die Kapuze zurecht. Tom wartet darauf, dass er noch etwas dazusagt, aber den Gefallen tut ihm sein Zwilling nicht.
„Warum ziehst du es dann nicht selber an?“ Die Vorstellung von Bill im schwarzen Nickischlabberlook lässt Tom einen Moment lang grinsen, bevor der Ernst der Sache ihn wieder in die Wirklichkeit zurückholt. Es geht hier um die Verhinderung seiner Verflauschung, da ist keine Zeit für gedankliche Blödeleien.
„Früher hatten wir auch immer das Gleiche an“, kommt es auf einmal von Bill. „Also kannst du ruhig mal was Schwarzes anziehen. Außerdem ist das ein besonderes Schwarz. Ein Tomschwarz.“
„Es ist weich!“
„Sag ich doch. Aber wir können es auch Special Black nennen, wenn es dem Gangsta anders nicht cool genug ist.“
„Es ist trotzdem weich.“
„Wie du.“
„Ich hasse dich.“
„Halt die Fresse, wir zahlen. Wo ist denn hier die Kasse?“
no subject
Date: 2008-10-12 11:13 am (UTC)Also total herzige Momentaufnahme und Tom war unglaublich süß, wie er eigentlich alles so hasst und doof findet, aber sich dann doch wieder total von seinem kleine Bruder einwickeln lässt. ;)
Sehr sweeet - hat viel Spaß gemacht zu lesen. ^^