Fandom: Original (Bend and Break) (abgelöst von der richtigen Handlung)
Person: Jeremia
Challenge: #2 Schluss machen
Warnung: dark, death
Wörter: 358
Bury me in honor
When I'm dead and hit the ground
A love back home unfolds
[Coldplay]
Solch ein Galgen sieht im Licht der aufgehenden Sonne wunderschön aus.
Wahrscheinlich hätte das niemand gedacht, dass ein Kerl wie er soviel für Ästhetik übrig haben könne.
Aber das orangegoldene Licht, welches langsam über den Horizont gekrochen kam, ließ sein Herz überfluten. Sein kleines, verstecktes, pathetisches Herz.
„Tu in der Nacht nichts Unüberlegtes!“, hatte Mutter damals gesagt, als er an ihrem Bett gesessen und geweint hatte.
„Die Nacht ist immer vor der Dämmerung am dunkelsten!“
Mit dem Licht kommt die Vernunft und die Rationalität zurück.
Jeremia kickte den Kronkorken seiner Bierflasche zur Seite und betrachtete die zarten Farben am Himmel.
Zwielicht.
Das Gras bog sich ein wenig unter dem Tau, überall glitzerte Dunst, glitzerten Wassertröpfchen in den Spinnennetzen an den Bäumen. Nebel war sanft wie Schleierschatten aus der Wiese gestiegen. Die ersten Vögel versuchten, Krach zu machen. Aber sie waren angenehm leise, fröhlich und heiter.
Wundersames Morgengrauen.
Wenn man selbst jetzt noch sterben wollte, war dies wirklich eine wohlüberlegte Entscheidung, dachte sich Jeremia.
Er lächelte, zum ersten Mal seit langem.
Das letzte Bier schmeckte wahrscheinlich am besten. Die letzten Gefühle waren die intensivsten. Als ob die Augen auf die doppelte Größe anwachsen, als ob die Ohren plötzlich mehr Nerven hätten...
Es war ein schöner Galgen. Die ganze Nacht hatte Jeremia daran gebastelt und gemessen. Der Ast einer Eiche würde ihn tragen. Der Wind würde seinen Körper sanft hin- und herschaukeln, wie den Verräter Meier Helmbrecht.
Ein letztes Mal prüfte er, ob das Seil auch kurz genug war, dann kletterte er auf den Baum.
Es fühlte sich gut an.
Es fühlte sich ferne von der Welt an, ferne von all den Menschen, ferne von Arne.
Wer hätte denn gedacht, dass er jetzt nochmal an Arne denken würde. Und warum auch nicht? Arne war Jeremias Bananenfisch. Er hatte ihn gesehen, er hatte das erste Mal den Tod direkt gesehen. Er hatte seinen ganz persönlichen Satan gevögelt.
Es war nicht schlimm, als er mit dem Strick um den Hals sprang.
Jedenfalls nicht in diesem Moment, da er in der Luft hing.
Das goldene Licht empfing ihn warm und erfrischend. Es verschluckte schlechte Gedanken und letzte Reue.
Er sprang geradezu ins Paradies.
Person: Jeremia
Challenge: #2 Schluss machen
Warnung: dark, death
Wörter: 358
Bury me in honor
When I'm dead and hit the ground
A love back home unfolds
[Coldplay]
Solch ein Galgen sieht im Licht der aufgehenden Sonne wunderschön aus.
Wahrscheinlich hätte das niemand gedacht, dass ein Kerl wie er soviel für Ästhetik übrig haben könne.
Aber das orangegoldene Licht, welches langsam über den Horizont gekrochen kam, ließ sein Herz überfluten. Sein kleines, verstecktes, pathetisches Herz.
„Tu in der Nacht nichts Unüberlegtes!“, hatte Mutter damals gesagt, als er an ihrem Bett gesessen und geweint hatte.
„Die Nacht ist immer vor der Dämmerung am dunkelsten!“
Mit dem Licht kommt die Vernunft und die Rationalität zurück.
Jeremia kickte den Kronkorken seiner Bierflasche zur Seite und betrachtete die zarten Farben am Himmel.
Zwielicht.
Das Gras bog sich ein wenig unter dem Tau, überall glitzerte Dunst, glitzerten Wassertröpfchen in den Spinnennetzen an den Bäumen. Nebel war sanft wie Schleierschatten aus der Wiese gestiegen. Die ersten Vögel versuchten, Krach zu machen. Aber sie waren angenehm leise, fröhlich und heiter.
Wundersames Morgengrauen.
Wenn man selbst jetzt noch sterben wollte, war dies wirklich eine wohlüberlegte Entscheidung, dachte sich Jeremia.
Er lächelte, zum ersten Mal seit langem.
Das letzte Bier schmeckte wahrscheinlich am besten. Die letzten Gefühle waren die intensivsten. Als ob die Augen auf die doppelte Größe anwachsen, als ob die Ohren plötzlich mehr Nerven hätten...
Es war ein schöner Galgen. Die ganze Nacht hatte Jeremia daran gebastelt und gemessen. Der Ast einer Eiche würde ihn tragen. Der Wind würde seinen Körper sanft hin- und herschaukeln, wie den Verräter Meier Helmbrecht.
Ein letztes Mal prüfte er, ob das Seil auch kurz genug war, dann kletterte er auf den Baum.
Es fühlte sich gut an.
Es fühlte sich ferne von der Welt an, ferne von all den Menschen, ferne von Arne.
Wer hätte denn gedacht, dass er jetzt nochmal an Arne denken würde. Und warum auch nicht? Arne war Jeremias Bananenfisch. Er hatte ihn gesehen, er hatte das erste Mal den Tod direkt gesehen. Er hatte seinen ganz persönlichen Satan gevögelt.
Es war nicht schlimm, als er mit dem Strick um den Hals sprang.
Jedenfalls nicht in diesem Moment, da er in der Luft hing.
Das goldene Licht empfing ihn warm und erfrischend. Es verschluckte schlechte Gedanken und letzte Reue.
Er sprang geradezu ins Paradies.
no subject
Date: 2008-09-05 07:29 am (UTC)Also noch mal:
Auf jeden Fall eindrucksvoll, bestimmte Formulierungen find' ich einfach toll.
"Er hatte seinen ganz persönlichen Satan gevögelt." Hässlichkeit kann so faszinierend sein. Heut' morgen hab' ich so n Typen im Bus gesehen. Groß,hager, mit stechendem, unruhigen Blick, der nicht nur permanent mit sich selbst sprach, sondern es auf den nächstbesten Kerl abgesehen, der ihm über den Weg lief. "Was Du schlägst mich? Du kleiner Wichser, hast Du nichts besseres zu tun, als immer auf den kleinen Jungs herum zuhacken? Du kleines, erbärmliches Arsch, Du wirst von meinem Anwalt hören, und mein Guter, werde ich es Dir Heim zahlen, alles was du mir je mals angetan hast!" Unheimlich, aber nichts desto trotz fasznierend. Man konnte nicht weg hören.
no subject
Date: 2008-09-05 07:58 am (UTC)Vor allem der letzte Satz gefällt mir unheimlich gut. Das Selbstmord so schön sein kann...
no subject
Date: 2008-09-05 10:23 am (UTC)Okay, wo fange ich an? *tief durchatmet*
Ich habe jetzt die Violet Hill-Zeilen im Ohr, bezüglich Arne und Jeremia und dieser ganze Wahnsinn, die sich in meinem Kopf zu was neuem Umwandeln: If you love me, won't you let me go
In der Mitte habe ich darauf gewartet, gehungert, dass Arnes Name fällt, dass ich trocken schlucken kann und mir denke: oh Gott, er hat ihn endlich in den Tod getrieben. Ja, Arne ist sein Bananenfisch und dieser Morgen was the perfect day for banana fish. (Banana Fish ist eine herrliches Chifre, ne? *-*)
Es ist bedrückend. Es ist, wie schon so unzählig oft, so tsumi-schön, bittersüß, seufzend.
Jeremia und der Tod. Wieso beschleicht mich nur das Gefühl, dass Arne ihn sogar darüber hinaus keinen Frieden lassen wird?
*seufz*