[identity profile] khalaris.livejournal.com posting in [community profile] 120_minuten
Team: Juliet
Challenge: Orte – In einer Gummizelle (fürs Team)
Rating: teen
Fandom: Tatort Wien
Charaktere/Pairings: Moritz Eisner, Ernst Rauter (naja, so in etwa)
Notes: Angst, Horror, Major Character Death, nur Hurt kein Comfort... Kein langer Text, aber meine Güte, dieser Prompt hat mich fertiggemacht. Ein Virus-Horror-AU oder so.

***

Der Arzt kontrollierte den Überwachungsbildschirm auf der Außenseite, dann drückte er den schweren Hebel herunter. Die dicke Tür schwang langsam nach innen.

Das Licht war gedimmt, doch die Gestalt, die in der Ecke auf der anderen Seite des Raums saß, würde Moritz überall erkennen. Er war groß und seine abgemagerten Beine so lang, dass sie in der zu kurzen weißen Hose fast lächerlich wirkten. Seine Arme waren in den Ärmeln der Zwangsjacke festgeschnallt. Seine Augen konnte Moritz nicht erkennen, da sie von den verschwitzten grauen Strähnen verdeckt wurden, die ihm unordentlich ins Gesicht fielen.

Ernstl würde er überall erkennen, aber jetzt war er nicht wiederzuerkennen. Mit gesenktem Kopf saß er dort in der Ecke, vor und zurück wippend. Leises Gemurmel drang zu ihm durch, woraufhin er den Arzt fragend ansah.

Der warf einen Blick auf sein Clipboard. "Manchmal können die Patienten im Endstadium noch einmal ein Stück ihrer Persönlichkeit zurückerlangen, dann halluzinieren sie meist. Er hat nicht mehr lang."

Moritz nickte. Dann warf er einen letzten Blick auf Ernstl und ging.

Das Überwachungsvideo, das ihm der Arzt vorhin gezeigt hatte, ging ihm nicht aus dem Kopf, während er den leeren Gang hinunterlief. Das kalte Licht flackerte. Wie Ernstl in der Gummizelle wütete, seine Augen rot unterlaufen, sein Gesicht animalisch verzerrt. Wie er sich gegen die Wand geworfen hatte, immer und immer und immer wieder. Gebrüllt hatte er, ohne Worte.

Wie alle, die das Virus erwischte.

Irgendwann war Moritz auch dran, das wusste er. Jeden würde es irgendwann erwischen, es war nur eine Frage der Zeit. Das einzige, was er in der Zwischenzeit tun konnte, war hoffen, dass Ernstl zu den 2,7% gehörte, die überlebten. Die Hoffnung fühlte sich leer an, so leer wie er sich seit vielen Jahren fühlte.

Seine Schritte führten ihn hinaus ins Freie, über die Straße, durch ein Tor, über lange Wege, die sich zwischen Bäumen wanden, über eine Wiese und durch ein paar verwucherte Sträucher, bis schließlich zu einem Baum. Am Fuß des Baumes lag eine halb vergrabene Steinplatte, verwittert über die Jahre.

Er strich das gefallene Laub und den Dreck von der Platte.

"Hallo, Bibi."


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