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Team: Juliet
Challenge: Fluff – "Wir gehören zusammen." (fürs Team)
Rating: gen
Fandom: Tatort Wien
Charaktere/Pairings: Bibi Fellner, Moritz Eisner/Ernst Rauter
Notes: [Teil 2/2] Im Sommer 2013 bittet Bibi Moritz, mit ihr zur Regenbogenparade zu gehen. Entgegen ihrer Erwartung ist er allerdings nicht allein dort.
Teil 1

***

Bibi lachte und gab ihm einen Klaps auf den Arm. "Moritz! Ich kann ned glauben, dass ich hier ankomm und das erste, was ich seh, ist dass du irgendwelche fremden Männer küsst!"

"Hey, das stimmt überhaupt ned!" protestierte er sofort, "Ich küss nur Männer, die du kennst."

"Tss, von wegen. Wer war das dann eben?"

"Was heißt hier wer?" Moritz deutete hinter sie. "Da is er doch."

Sie drehte sich um und ja, da stand er, der Mann mit dem Sonnenhut und dem Regenbogenhemd. "Servus, Bibi. Schön, dass du uns gefunden hast."

"Is ned dein Ernst!" staunte sie fassungslos.

Moritz feixte, als hätte er nur auf so einen Kommentar gewartet. Er legte einen Arm um ihren Chef und zog ihn an sich ran. "Doch, des is meiner."

"Mhm." Ernstl nickte zustimmend und drückte einen Kuss auf Moritz' Schläfe, bevor er nach vorn zeigte. "Schaut, es geht los."

Tatsächlich begannen die Leute um sie herum, sich in Bewegung zu setzen und Moritz, Ernstl und sie ließen sich vom Menschenstrom mitreißen.

Bibi konnte nicht anders, als den Kopf über ihre beiden Kollegen zu schütteln, die sie noch nie so wie jetzt erlebt hatte. Moritz war zwar nicht anders gekleidet als sonst, aber sein entspanntes Lächeln war sehr ungewohnt. Noch ungewohnter jedoch war ihr Chef mit seiner kurzen Hose, dem flattrigen Regenbogenhemd und dem breiten Grinsen auf seinem Gesicht.

Als sie irgendwann ein Stück zur Seite gingen, um für eine Weile eine Pause einzulegen und die Parade an sich vorbeiziehen zu lassen, fragte Ernstl, "Und was hat dich hier hergeführt, Bibi? Wenn ich fragen darf."

"Hat Moritz dir das ned erzählt?"

Er schnaubte und ergriff Moritz' Hand. "Als ob der was ausplaudert, was du ihm im Vertrauen erzählst. Nah, mehr als dass du gefragt hast, ob er mitgeht, hat er mir ned verraten."

Sie kramte in ihrer Tasche und zog das zusammengerollte kleine Fähnchen heraus, das sie letzten Monat als Vorbereitung für ihre erste Regenbogenparade gekauft hatte.

"Tadaa." Sie wedelte ihre Bi-Flagge ein paar mal hin und her.

Moritz grinste verschwörerisch. "Hehe, so eine hab ich auch."

Ah. Stimmt, da waren ja noch Moritz' Frauengeschichten. Sie dachte daran, wie sie vor wenigen Monaten Maja Jancics Leiche gefunden hatten. Damals hatte sie Moritz gefragt, ob er sie noch liebte. Sein Schweigen schien ihr wie Zustimmung, aber war es das wirklich? Und wie passte Ernstl da hinein? So wie die beiden sich verhielten, waren sie jedenfalls nicht erst seit ein paar Monaten zusammen.

Hatte sie sich nicht noch darüber gewundert, dass Ernstl so schnell wusste, dass Moritz nach Eisenkappl zurückgefahren war? Hatte sie sich nicht gefragt, warum er sie alle paar Stunden anrief, um sich nach Moritz' Zustand zu erkundigen? Jetzt schämte sie sich ein bisschen dafür, dass sie seine Anrufe nach einer Weile einfach ignoriert hatte.

"Hast du auch so eine?" fragte sie Ernstl. "Und wie lang geht das mit euch zweien eigentlich schon?"

"Hm, knapp fünfzehn Jahre. Allerdings musste ich Moritz vorher zehn Jahre lang weichklopfen, damit er sich mit mir abgibt. Und nein, so eine hab ich ned. Ich bin vernünftig und stehe einzig und allein aufs weniger gefährliche Geschlecht."

"Hey!" Moritz stieß ihm seinen Ellenbogen in die Rippen, woraufhin Ernstl die Schultern zuckte.

"Was? So oft wie deine Eskapaden im Krankenhaus enden…"

"So oft is das gar ned," leugnete Moritz und sie fragte sich langsam wirklich, was das für eine Beziehung zwischen ihnen war. Eskapaden?

"Ach was," fuhr Ernstl fort. "Wie war das doch gleich mit der Unterkühlung, weil du in einen zugefrorenen See gesprungen bist?"

"Ich musste doch die Agnes retten!"

"Und den Knöchel hast dir auch noch gebrochen."

"Ja gut, is halt dumm gelaufen, aber das heißt doch nix."

"Das Mal, wo dir ein Messer in der Schulter steckte, hieß wohl auch nix?"

"Das war ned meine Schuld. Konnt ich doch ned wissen, dass sie mich nur ausnutzen wollte."

"Und dann war da vor kurzem noch irgendwas mit einem Kopfschuss…"

"Das war auch ned meine Schuld!"

Ernstl warf ihr einen verschwörerischen Blick zu. "Du siehst, was ich meine mit weniger gefährlich."

Bibi grinste und nickte. "Tja, so gesehen… muss ich dir recht geben."

Moritz grummelte zwar leise vor sich hin, aber ohne seine übliche Grantigkeit und als Ernstl einen Moment später ihre verschränkten Hände hob und Moritz' Hand küsste, lächelte er.

Wenig später schlossen sie sich dem Zug wieder an und sie hakte sich bei Ernstl unter, der ihr – ganz der Gentleman – seinen anderen Arm anbot. Heute Morgen hatte sie noch nicht gewusst, was sie von der Regenbogenparade erwarten sollte, jetzt winkte sie einer Bekannten zu, die ein Stück entfernt mit ihren Freunden unterwegs war und fragte sich, warum sie sich überhaupt Sorgen darüber gemacht hatte.

Bibi konnte ihr glückliches Lächeln nicht mehr zurückhalten. Es war bunt und laut und sie fühlte sich, als würde sie dazugehören.


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