[identity profile] failte-aoife.livejournal.com posting in [community profile] 120_minuten

Team: Juliet
Challenge: Fantasy —  "... gibt es wirklich." (fürs Team)
Fandom: Blind Ermittelt
Charaktere: Niko Falk, Alex Haller, OCs
Notes: Fortsetzung zu Die Geister die ich rief



Er ist vor ein paar Wochen zwölf geworden und ist jetzt mit seiner Mutter einkaufen. Sie sind gerade um eine Ecke gebogen, als er einen Mann auf der anderen Straßenseite sieht, der ihm zuwinkt. Instinktiv winkt er zurück, obwohl er den Mann nicht kennt. Seine Mutter erstarrt plötzlich neben ihm und fragt, was los ist.


„Ich habe dem Mann gewunken.“ Niko zeigt auf die andere Straßenseite, und seine Mutter wird blass. Dann reißt sie wütend an seinem Arm, und zerrt ihn in die Richtung zurück, aus der sie gekommen sind. Er ist sich nicht ganz sicher, was er falsch gemacht hat. Er weiß, dass er nicht mit Fremden reden soll, aber er hat ja nicht wirklich mit ihm geredet, und überhaupt, seine Mutter war ja dabei. Da kann es doch nicht so schlimm gewesen sein.


Sie gehen nicht zurück nach Hause, sondern zu seiner Großmutter. Es wird zwar noch eine ganze Weile dauern, bis er begreift, wie kompliziert, das Verhältnis zwischen seiner Mutter, und ihrer Mutter ist, aber, dass sie normalerweise nicht einfach so unangekündigt bei ihr vorbeischauen, hat er schon verstanden. Seine Mutter ruft immer vorher an, bringt ihn dann bis zur Tür, und in den seltenen Fällen, in denen sie tatsächlich noch mit in die Wohnung kommt, bleibt sie nicht lange. Aber jetzt gehen sie zusammen zu seiner Großmutter, und als sie die Tür öffnet, drängt sich seine Mutter herein, ohne auf eine Antwort zu warten.




Nachdem Alex Sonderermittler geworden war, begann sich Niko zu fragen, ob es nicht ein großer Fehler gewesen war, zu bleiben. Das hätte er sich eigentlich schon früher fragen sollen, da Alex Leichen geradezu anzuziehen schien. Aber da war es noch nicht offiziell gewesen. Jetzt war klar, dass sie beide in Zukunft viel Zeit mit Toten verbringen würden. Und er konnte nicht mehr weg. Alex würde nie jemand anderen finden, mit dem er so aktiv an Ermittlungen teilnehmen konnte. Und selbst wenn, wollte er nicht weg. Er mochte Alex und Sophie, und fühlt sich mit ihnen so zu Hause, wie er es nie erwartet hatte, in einer fremden Stadt zu sein.


Schließlich redete er sich ein, dass es ja nicht schlimm werden musste. Nach Kara, war ihm nur Lisa erschienen. Vor der Fußballkneipe. Sie hatte kein Wort gesagt, und war schnell wieder verschwunden. Danach war er noch überzeugter von Tims Unschuld gewesen, aber ob das von ihr gekommen war, wusste er nicht.


Die meisten Erscheinungen waren auch irgendwie hilfreich. Einmal suchten sie in der Wohnung nach einem Kaufvertrag, den es laut der Ex-Frau des Opfers gab, laut seinem Bruder aber nicht. Alex versuchte Safes oder Geheimfächern zu finden, und Niko schaute seufzend auf das eine ganze Wand einnehmende Bücherregal. Das wäre natürlich ein perfektes Versteck für Papier, aber er würde Stunden brauchen um das zu durchsuchen. Da erschien Roland Weigl in der Mitte der Regalwand und schaute ihn erwartungsvoll an. Niko ging auf ihn zu und wartete. Kein Wort. Dafür erschien plötzlich das Bild von Bergen vor seinem inneren Auge. Er ließ seinen Blick übers Regal gleiten, bis er einen Bildband über die Alpen entdeckte, zog ihn heraus – nichts. Er schaute wieder zu Weigl, aber der schwieg weiter. Niko betrachte noch einmal das Regal, und entdeckte ein Buch über den Ural.


„Treffer“, grinste er, als ein dünner Stapel zusammengehefteter Blätter herausfiel. „Wir kriegen den, den, der das getan hat“, versprach er flüsternd. Aber nicht flüsternd genug, den Alex kam herein.


„Hast du etwas gesagt?“


„Ja. Hab ihn gefunden.“ Sinnloserweise hielt er die Blätter hoch.


„OK, entweder hast du gelogen, und da stehen nur fünf Bücher, oder das war jetzt wirklich beeindruckend.“


„Ich hatte einfach Glück und habe an der richtigen Stelle angefangen zu suchen.“




Sie sprechen zuerst ohne ihn. Niko wird ins Wohnzimmer geschickt und die zwei bleiben in der Küche. Er lauscht an der Tür, aber sie sprechen zu leise. Nach einer gefühlten Ewigkeit, kommen sie zu ihm, und seine Großmutter beginnt zu erzählen. Von dem Geschenk, dass einige in ihrer Familie erhalten haben (beim Wort „Geschenk“ schnaubt seine Mutter hörbar). Nicht alle, aber sie hat es, und Niko auch. Sie können Leute sehen, die nicht mehr da sind („Er war auf Papas Beerdigung, er versteht es, was es heißt, wenn jemand gestorben ist“). Und wie wichtig es ist, dass er niemand von diesem Geschenk erzählen darf, weil sonst schlimmes passiert. (Seine Mutter scheint etwas sagen zu wollen, aber ein Blick von Großmutter bringt sie zum Schweigen). Aber die Geister selbst würden ihm nichts tun, sie würden nur manchmal seine Hilfe brauchen. Seine Mutter lacht, und fragt, wie ein Kind so jemandem bitte helfen können. Seine Großmutter seufzt, und Niko hat das Gefühl, dass sie eine Diskussion fortführen, deren Anfang er nicht mitbekommen hat. Viel mehr erzählt sie nicht, sagt nur, dass er erst einmal darüber schlafen soll, aber dass er jederzeit wieder zu ihr kommen kann, wenn er Fragen hat.




Inzwischen traf er doch mehr Geister, als er es früher getan hatte, aber er war sich auch ziemlich sicher, warum ein Mordopfer Hilfe brauchte. Und dass er und Alex die leisten konnten. Besonders, wenn er verschwundene Unterlagen, Schmuck und andere Wertgegenstände sehr schnell finden konnte, und Alex sogar gelegentlich einen Namen einflüstern konnte, mit dem er sich bei der Tätersuche als Erstes beschäftigen sollte. Also lief es eigentlich ziemlich gut.


Bis zum Mord an Marina Jankowicz.


Die Befragung der Nachbarn hatte bisher nichts ergeben, und als ihnen Dorothea Berg die Tür öffnete, rechnete er auch nicht damit, dass sie irgendetwas Hilfreiches beitragen könnte. Marina war 32 gewesen, sie dagegen musste schon über 80 zu sein. Auch als Nachbarinnen, hatte man sich da wahrscheinlich wenig zu sagen.


Aber Dorothea überraschte sie beide mit dem Satz „Marina hat gesagt, dass Jonas ihr Angst gemacht hat.“


Bisher war in ihren Ermittlungen kein Jonas aufgetaucht, aber das war trotzdem keine schlechte Spur.


„Wann hat sie das gesagt?“


„Gestern.“ Niko zuckte zusammen.


„Sie ist schon vor zwei Tagen ermordet worden“, erklärte Alex vorsichtig, ganz klar in der Hoffnung, dass Dorothea ihre Aussage korrigieren würde.


Aber sie lächelte nur. „Ich weiß. Sie hat danach zu mir gesprochen.“


„Sie sprechen mit den Toten?“, vergewisserte sich Alex.


„Sie sprechen zu mir“, korrigierte sie ihn. Alex hatte mit ziemlicher Sicherheit noch nie gehört, wie jemand so ruhig und überzeugt etwas behauptete, was er für kompletten Blödsinn hielt, und Niko hätte trotz Allem Freude an seinem Gesichtsausdruck gehabt, wenn Dorothea nicht weitergesprochen hätte. „Genauso wie zu ihrem Kollegen.“


Alex lachte. „Und ich dachte immer, der ist nur ein Werwolf.“


Er sollte Alex dankbar für den Spruch sein. Weil er jetzt einfach grinsen konnte, „Ich steck halt voller Überraschungen“ sagen, und dabei Dorotheas stechenden Blick ignorieren. Aber für die Überheblichkeit in seiner Stimme, für seine Überzeugung, dass so etwas komplett unmöglich war, und für den Spott, den er für jeden übrig hatte, der anderer Meinung war, hätte er ihm jetzt lieber so richtig die Meinung gesagt. Aber er ließ es. Das würde alles nur viel zu kompliziert machen.


Er sagte auch nichts, als sich herausstellte, dass der Mörder wirklich Jonas hieß. Mark Jonas Wolf. In seiner Kindheit hatte er den Namen Jonas verwendet, um sich von der wohl großen Zahl an Marks im Freundeskreis abzuheben. Später war er wieder zu seinem ersten Vornamen übergegangen, und nur Leute wie Marina, die ihn zu diesen Zeiten gekannten hatten, hatten noch diesen Namen verwendet.


Das würde alles nur viel zu kompliziert machen.

Date: 2024-08-22 07:36 pm (UTC)
From: [identity profile] khalaris.livejournal.com

Aaah, ich find's toll und bin gespannt, wie's weitergeht 👀 (es geht doch hoffentlich weiter?)

Date: 2024-08-23 07:35 am (UTC)
fischgraete: (dreck)
From: [personal profile] fischgraete
Wir warten geduldig :)

Profile

120_minuten: (Default)
Die Uhr läuft ... jetzt!

Most Popular Tags

January 2026

M T W T F S S
   1 234
567891011
12131415 161718
19202122232425
262728293031 

Style Credit

Powered by Dreamwidth Studios