Challenge: Crack/Humor – Wie ein altes Ehepaar (für mich)
Rating: gen
Fandom: Tatort Wien
Charaktere/Pairings: Moritz Eisner/Ernst Rauter
Notes: Auf ihrer Geburtstagsfeier beobachtet die Innenministerin den Rauter mit seinem Partner (!). Eine Fortsetzung von Am Abgrund.
Paulina verzog sich auf den großen Balkon, froh, der Masse ihrer Kollegen für einen Moment entkommen zu können. Sie setzte sich auf die steinerne Bank in der finstersten Ecke. War doch eine gute Idee gewesen, die Villa zu mieten, auch wenn ihrem Mann das gar nicht gepasst hatte. Als Innenministerin musste sie nun einmal auf ihre Beziehungspflege achten und dazu zählte auch, zumindest ihren runden Geburtstag groß zu feiern. Dass sie die Hälfte ihrer Gäste nicht ausstehen konnte, spielte dabei keine Rolle.
Sie verzog das Gesicht, als einer ihrer Gäste ebenfalls in die Nacht hinaustrat. Verdammt, konnte sie denn nicht mal in Ruhe rauchen?
Und dann war das auch noch der Eisner. Den hatte sie ja sowieso gefressen. Überhaupt ging ihr seine ganze Art auf den Keks.
Vorhin waren ihr fast die Augen aus dem Kopf gefallen, als der Rauter ihn als seinen Partner vorstellte. Sie war sich immer noch nicht ganz sicher, ob die beiden sie nicht vielleicht verarschen wollten.
Eisner hatte ihre Anwesenheit offenbar nicht bemerkt und lehnte sich nun vorn ans Geländer, bevor kurz eine Flamme aufblitzte und sein Gesicht erhellte. Sollte sie sich bemerkbar machen? Nein, besser nicht. Eigentlich wollte sie nur für ein paar Minuten ihre Ruhe haben, außerdem konnte Eisner sie noch weniger ausstehen, als sie ihn.
Mit leisen Schritten betrat noch jemand den Balkon.
"Da bist du."
Ah. Der Rauter. Sie lehnte sich wieder zurück. Falls die sich tatsächlich nur einen Spaß erlaubt hatten, indem sie hier gemeinsam auftauchten, würde sie das jetzt erfahren.
Eisner antwortete nicht, reichte ihm nur wortlos seine Zigarette. Der Rauter zog einmal daran und gab sie ihm zurück.
"Wenn noch einer versucht, mit mir über Opern zu reden, schrei ich."
"Wirklich? Das will ich sehen," antwortete Eisner.
"Ugh." Der Rauter machte ein genervtes Geräusch. "Bei jeder Veranstaltung muss ich das über mich ergehen lassen. Als ob's nix interessanteres gäbe…"
"Und? Zwingt dich keiner, da mitzureden. Ich hab dem Horst auch einfach gesagt, dass ich Opern langweilig find und lieber in Jazzclubs geh. Da hat er ganz schnell das Thema gewechselt."
"Unser Polizeipräsident? Es fällt mir schwer, zu glauben, dass der so einfach von seinem Lieblingsthema ablässt."
"Möglicherweise hab ich ja erwähnt, dass wir ganz gern ins Nautilus gehen."
Der Rauter lachte prustend. "Du Idiot, jetzt denkt der bestimmt…"
"Hehe. Mir doch egal, was der denkt."
Sie schaffte es gerade so, selbst ihr überraschtes Lachen zu unterdrücken. Das Nautilus war eigentlich ein BDSM-Club, aber einmal in der Woche gab es dort einen Jazzabend. Auch ihr Mann war mit seiner Band dort schon aufgetreten.
"Du bringst mich noch bei meinen Kollegen in Verruf," grinste der Rauter.
Eisner zuckte die Schultern. "Jetzt wissen doch alle, dass wir zusammen sind. Ich glaub, das reicht, um deinem guten Ruf zu schaden."
"Hm. Stimmt eh." Er klang nicht so, als würde es ihn wirklich stören.
Eine Weile standen die beiden still da, ihre Schultern aneinandergelehnt und zogen nur hin und wieder an der Zigarette.
"Müssen wir noch lang bleiben?" fragte Eisner irgendwann.
"Wieso? Hast noch was vor?"
"Mmh. Ja, eigentlich schon. Aber wenn du nachher zu müde bist, muss ich das vielleicht allein erledigen. Wär doch schade, oder? Schließlich wolltest du dir ja… den Rest für später aufheben."
"Untersteh dich. Da kümmer ich mich schon selbst drum."
Sie runzelte die Stirn. Worum ging es denn jetzt? Obwohl, so wie die sich gerade ansahen, wollte sie das vielleicht lieber gar nicht wissen.
Der Rauter sah auf seine Uhr. "Ich wollt zumindest noch kurz mit der Ministerin reden. Immerhin ist es ihr Geburtstag. Allerdings hab ich sie schon eine Weile nicht mehr gesehen."
Kein Wunder, sie hatte sich ja in der Hoffnung, ihren nervigsten Gästen für ein paar Minuten zu entkommen, hier draußen verkrochen. Gut, den Rauter hatte sie in Gedanken nicht zu den nervigen Gästen gezählt, aber der konnte sich trotzdem noch ein bisschen gedulden, bis sie endlich ihre Pause hatte und wieder rein ging.
Während sie darüber nachdachte, wie falsch sie den Rauter eingeschätzt hatte, redete der leise mit seinem Partner. Die beiden kicherten und stupsten sich gegenseitig mit den Ellenbogen an, bevor sie umdrehten und in den Festsaal zurückkehrten.
Komisch, sie hatte immer gedacht, der Rauter wär alleinstehend. Aber mit dem Eisner… Sie fragte sich, wie lange die schon zusammen waren. Sie verhielten sich wie ein altes Ehepaar.
Kopfschüttelnd zündete sie ihre eigene Zigarette an.