[identity profile] khalaris.livejournal.com posting in [community profile] 120_minuten
Team: Juliet
Challenge: Romantik/Intimität – Liebesbrief (fürs Team)
Rating: gen
Fandom: Tatort Wien
Charaktere/Pairings: Bibi Fellner, Moritz Eisner (als Brief :)), Ernst Rauter (als Stimme am Telefon :))
Notes: [Einmal Holland und zurück – Teil 1] Nach "Verschwörung" konnte Moritz doch für ein Jahr nach Den Haag gehen. Kurz vor seinem Geburtstag bekommt Bibi einen Brief von ihm.


Mit langsamen Schritten nahm Bibi die Stiegen hinauf zu ihrer Wohnung, fokussiert auf den kleinen Papierstapel, den sie gerade aus ihrem Briefkasten befreit hatte. Vielleicht sollte sie nicht immer so lange warten, bis sie den wieder leerte. Aber es war eben so selten etwas wichtiges drin.

Natürlich ging es mit Werbung los.

Dann nochmal Werbung.

Die monatliche Rechnung ihres Internetanbieters – eh schon bezahlt.

Werbung.

Werbung.

Ein Flyer vom örtlichen Pizzalieferant – der hatte bestimmt schon wieder die Preise erhöht.

Werbung.

Wer– Moment mal.

Sie drehte den weißen Briefumschlag in ihren Händen und schaute verdutzt auf ihre Adresse. War das nicht Moritz' Handschrift?

Stirnrunzelnd nahm sie die letzten paar Stufen und sperrte ihre Wohnungstür auf. Warum schrieb der ihr denn einen Brief? Sie telefonierten doch eh alle paar Tage. Gestern erst hatten sie das letzte mal miteinander gesprochen, von einem Brief hatte er allerdings nichts gesagt. Wie lange der wohl schon in ihrem Briefkasten lag?

Nachdem sie ihre Tasche abgelegt und die Jacke ausgezogen hatte, warf sie die anderen Briefe, Werbeflyer und sonstigen Zettel auf ihren Esstisch, dann setzte sie sich mit Moritz' Brief aufs Sofa. Sie war so gespannt, was er ihr zu sagen hatte, dass sie den Umschlag etwas zu enthusiastisch aufriss. Aber das war ja nur der Umschlag. Sie legte ihn beiseite und öffnete das einzelne, zusammengefaltete Blatt Papier, das daraus zum Vorschein kam.

Sogar handschriftlich hatte er ihr geschrieben! Jetzt bekam sie glatt ein bisschen Angst, worum es gehen würde. Einen Moment rutschte sie nervös auf den Sofa herum, dann begann sie, zu lesen.



Liebe Bibi,

Bestimmt wunderst du dich, dass ich dir einen Brief schreibe, obwohl wir doch so oft telefonieren.

Es gibt da etwas, das ich schon länger versuche, dir zu sagen, aber immer wenn wir telefonieren, wollen die Worte einfach nicht rauskommen.

/|/|/|/|/|/|/|/|/



Über die kurze Zeile nach diesem ersten Absatz hatte Moritz so heftig darübergekritzelt, dass sie nicht erkennen konnte, was er dort geschrieben hatte. Sie hielt das Blatt ins Licht, aber auch das half nicht, es zu entziffern. Na gut, bestimmt war es nicht so wichtig.



Ich vermisse dich. Die Leute hier sind nett und die Zusammenarbeit ist entspannt und konstruktiv– das weißt du ja. Ich glaub, ich schwärme dir jedes mal davon vor, wenn wir reden.

Aber die sind halt nicht du. Und ich vermisse es, während wir an einem Fall dran sind, mit dir einfach irgendwo ein Eis zu essen. Oder einen Kaffee zu trinken. Ich vermisse unsere oft etwas unkonventionellen Ermittlungsmethoden. Ich vermisse es, abends bei dir zu sein und den Fall zu besprechen, bis du mich wegscheuchst. Ich vermisse die Abende bei mir, wenn es spät wird und du einfach dableibst und auf meiner Couch schläfst. Ich vermisse es, dich morgens einen Moment lang anzuschauen, bevor ich dich wecke und ich vermisse, wie zerzaust zu aussiehst, wenn du aufstehst. Ich vermisse unsere Sticheleien und unseren Schmäh. Ich vermisse es, mich mit dir über blöde Nichtigkeiten zu streiten. Ich vermisse, wie wir uns ohne Worte verstehen. Ich vermisse dein Lachen. Ich vermisse einfach dich.

Manchmal drehe ich mich um, um dir irgendwas zu sagen, aber du bist nicht da. Hätte ich mich in den 3 Monaten nicht daran gewöhnen müssen? Ich glaub, ich will mich gar nicht daran gewöhnen.

Ich hatte erwartet, hier mit ganzem Herzen dabei zu sein. Aber wie soll das gehen? Mein Herz hab ich ja in Wien gelassen. Bei dir.

Du fehlst mir.

Moritz



Mit dem Handrücken wischte Bibi sich die Tränen von den Wangen.

Mittlerweile wusste sie auch, was in der kurzen Zeile stand, die Moritz ganz am Anfang so heftig durchgestrichen hatte. Es waren die gleichen Worte, die schon seit Jahren in ihrem Herzen herumspukten. Die sich da irgendwann hineingeschlichen hatten, ohne dass sie es merkte und von denen sie nie geglaubt hätte, dass Moritz sie erwidern würde.

Gott, wie sehr sie sich wünschte, Moritz in ihre Arme schließen zu können!

Wenn er doch nur nicht so viel zu tun hätte, dass er den Plan, zu seinem Geburtstag nach Wien zu kommen, aufgeben musste. Dann wäre er jetzt schon hier und nicht einen halben Kontinent von ihr entfernt. Sie hätte sogar–

Was, wenn sie stattdessen zu ihm flog?

Entschlossen wischte sie noch einmal über ihre Augen, legte Moritz' Brief zur Seite und schnappte sich ihren Laptop. Ungeduldig wartete sie, bis er hochgefahren war und öffnete die Suche. Hoffentlich gab es einen Flug, mit dem sie morgen noch rechtzeitig zu seinem Geburtstag ankommen würde.

Es gab einen.

Aber eigentlich musste sie selbst ja morgen arbeiten. Nein, das ging nicht, sie musste zu Moritz.

Nachdem sie ihr Handy aus ihrer Tasche gekramt hatte, wählte sie mit klopfendem Herzen die Nummer ihres Chefs.

"Du hast zwei Minuten, Bibi," meldete sich Ernstl sofort. "Wir sind im Theater, die Vorstellung beginnt gleich."

"Ich brauch Urlaub!"

"Aha, und das hättest du mir nicht morgen früh sagen können?"

"Ich brauch am Freitag Urlaub."

"Was, morgen?"

"Ja, was glaubst, warum ich dich jetzt frag?"

Einen Moment lang blieb er still und sie fragte sich schon, ob er einfach ablehnen würde. "Du willst nach Den Haag."

"Bitte, Ernstl."

"Mhm. Gut, in Ordnung. Ich sag dem Hohberger bescheid."

Stimmt, der war ja auch noch da. An ihren temporären Assistenten hatte Bibi bis jetzt keinen Gedanken verschwendet.

"Danke dir, Ernstl. Bist ein Schatz."

"Montag bist aber wieder zurück, ja?"

"Nur wenn Moritz mich gehen lässt."

Er lachte. "Das sollte er besser, wir brauchen dich hier. Ich muss jetzt. Bis Montag, Bibi."

Ernstl legte auf und ihr fiel ein Stein vom Herzen. Schnell gab sie ihre Daten ein, suchte einen Moment lang nach ihrer Kreditkarte, um die Nummer abzutippen und klickte auf 'Jetzt buchen'.

Ihr Herz pochte vor Aufregung. Morgen würde sie nach Den Haag fliegen.

Morgen würde sie Moritz wiedersehen.


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