[identity profile] khalaris.livejournal.com posting in [community profile] 120_minuten
Team: Juliet
Challenge: Orte – Im Aufzug (fürs Team)
Rating: gen
Fandom: Tatort Wien
Charaktere/Pairings: Bibi Fellner/Moritz Eisner
Notes: Bibi und Moritz stecken im Aufzug fest.



"Ich sehe was, was du nicht siehst. Und das ist… grau."

"Die Tür."

"Nein."

"Die Wand."

"Auch nein."

"Der Boden."

"Hmmmmm. Nein.

"Bibiii. Jetzt wird's mir echt zu blöd."

"Komm, Moritz, so schwer is das doch ned."

Er seufzt genervt. "Ist es die Deckenluke?"

"Hehe. Immer noch nein."

"Mann, ich hab ka Lust mehr auf Raten."

Sie zuckt die Schultern. Ist ja nicht ihre schuld, dass sie in so einem langweilig designten Aufzug feststecken.

"Hast du a bessere Idee?"

Er gibt der noch immer geschlossenen Aufzugtür einen leichten Tritt. "Wir haben doch sonst nie Probleme, irgendwas zu finden, worüber wir reden können. Oder was wir tun können. Warum is das jetzt auf einmal so schwer?"

"Ich glaub, das ganze Grau is deprimierend und überhaupt nicht förderlich für unsere Kreativität."

"Haha. Wirklich witzig."

Sie tritt einen halben Schritt an ihn heran. "Also ich wüsst schon was, das wir tun könnten, um uns die Zeit zu vertreiben..."

Er verdreht die Augen. "Klar, und nachher freuen sich die Kollegen, wenn die Tür aufgeht und wir ihnen eine Show abliefern. Vergiss es."

"Pfft, dann halt ned."

Aus purer Gewohnheit schaut sie auf ihr Handy, während sie sich neben ihm an die Wand lehnt, aber natürlich hat das nicht auf magische Weise plötzlich wieder Empfang, also steckt sie es seufzend zurück in ihre Tasche.

Ein winziges Zugeständnis bekommt sie von Moritz, denn der rückt jetzt ein Stück an sie heran und lehnt ihre Schultern aneinander. Sie würde jetzt gern einfach ihren Kopf an seine Schulter legen, aber das wär bestimmt etwas zu viel des Guten.

Mit einem dumpfen 'Klonk' legt er seinen Kopf zurück, bis er an die Aufzugwand stößt. Seinen Gesichtsausdruck braucht sie nicht sehen, um zu wissen, wie er aussieht. Er starrt an die – natürlich graue – Decke. Genervt. Resigniert. Die Mundwinkel nach unten gezogen.

Zwischen ihnen beginnt er, nervös mit dem Finger gegen die Wand zu tippen, was ihr schon nach ein paar Sekunden auf die Nerven geht.

Klar, sie weiß, dass er es hasst, eingeengt zu sein. Dass Moritz sich aber auch immer so leicht aus der Fassung bringen lässt...

Sie streckt ihre Finger aus, bis sie an seine Hand stößt. Nach einem kurzen Zögern reagiert er. Ihre Finger verhaken sich ineinander und Moritz seufzt.

"So an blöder Feierabend."

Ja, im Aufzug festzustecken, wenn man eigentlich nach Hause gehen will, kann einem schon mal den Abend vermiesen.

"Hattest du noch was vor?"

Er zuckt die Schultern. "Is doch jetzt eh egal, oder?"

"Na komm, so schlimm wird's schon ned sein."

Eine Weile ist er still, dann seufzt er noch einmal.

"Ich hatt uns einen Tisch reserviert, im Scala." sagt er schließlich leise und– oh.

Moritz ist kein Freund romantischer Gesten. Das weiß sie, hat sie immer gewusst, und erwartet so etwas auch nicht von ihm, selbst jetzt, wo sie zusammen sind. Abgesehen von diesem kleinen Detail hat sich zwischen ihnen in den vergangenen zwei Monaten auch kaum etwas geändert.

Aber Moritz hat einen Tisch reserviert, bei ihrem Lieblingsitaliener, einfach so, ohne einen bestimmten Anlass.

Sie löst ihre verhakten Finger und greift nach seiner Hand, verschränkt ihre Finger richtig. Er lässt es geschehen, den Blick immer noch zur Decke gerichtet.

"Moritz?"

Ein wenig verzweifelt schaut er aus, als er sie ansieht. "Das is... Das is schwer für mich," sagt er und sie nickt. "Aber ich wollt mich halt anstrengen, weißt? Weil... Weil unsere Beziehung mir so viel bedeutet und weil du mir so viel bedeutest. Und dann gibt man sich mal Mühe, nur damit der bescheuerte Aufzug stecken bleibt und das alles zunichtemacht."

Ach, Moritz. Sie drückt seine Hand ein wenig fester und lächelt.

"Weißt du, es bedeutet mir sehr viel, dass du dir Mühe gibst, okay? Danke. Auch wenn's heut ned geklappt hat. Davon geht die Welt ned unter, lass uns das einfach irgendwann nachholen, hm?"

"Ja, okay, hast ja recht."

Er nimmt ihre verschränkten Hände, drückt einen Kuss auf ihre Finger und füllt ihr Herz mit Wärme.

Die nächste halbe Stunde verbringen sie schweigend, ihr Atem das einzige Geräusch im Aufzug, bis von irgendwo ein metallisches Hämmern kommt und dann der Aufzug endlich ruckelnd seinen Weg nach unten fortsetzt.


Date: 2024-07-04 03:18 pm (UTC)
From: [identity profile] failte-aoife.livejournal.com
Awww. Die zwei sind sind so lieb.

Aber ich wollt mich halt anstrengen, weißt? Weil... Weil unsere Beziehung mir so viel bedeutet und weil du mir so viel bedeutest.

Ach Moritz <3

Date: 2024-07-11 12:53 pm (UTC)
From: [identity profile] cricri-72.livejournal.com
Oh, das ist eine wunderbare Mischung aus Humor und Romantik! Du hast sie wunderbar getroffen <3

Date: 2024-07-23 01:58 pm (UTC)
From: [identity profile] cricri-72.livejournal.com
Ah, dieses Dilemma kenne ich. Da hat man endlich das, was man will - eine Frau, die nicht nur romantisches Beiwerk für den Mann ist - und dann macht man selbst eine Romanze draus. Das spüre ich bei Bibi und Moritz auch, selbst betroffen hat es mich vor allem bei Ellie Miller und Alec Hardy (Broadchurch), eines der wenigen Het-Paare, das ich selbst geschrieben habe.

Aber eigentlich ist es auch wieder nicht verwunderlich. Was man in dem Fall hat, ist ja endlich mal ein ordentlich ausgebildeter weiblicher Charakter und eine echte Beziehung zwischen zwei Menschen. Also genau das, weshalb ich meistens die männlichen Paare shippe ;) Und nicht dieses "Mann und Frau treffen zusammen, haben nichts gemeinsam, keine Beziehung, Bindung irgendwelcher Art, aber weil es Mann und Frau sind, muß eine Romanze draus werden". Bei der ich mich dann oft bis zum Ende frage, warum die beiden denn nun eigentlich zusammen sind und ob das nicht auch jede beliebige andere Person hätte sein können ...

Date: 2024-08-09 06:20 am (UTC)
From: [identity profile] cricri-72.livejournal.com
Ich stehe bei solchen Entwicklungen auch nur staunend daneben ... Ganz generell ist fanfiction für mich immer noch das Erkunden von Möglichkeiten. Normalerweise will ich nichts davon im Canon sehen ;) Das schöne und besondere an fanfiction ist doch, daß man hier alles mögliche sinnvolle und unsinnige durchspielen kann. Deshalb macht es mir auch überhaupt keine Probleme, heute A mit B und morgen B mit C zu shippen oder eben auch Geschichten zu lesen und zu schrieben, in denen die gleichen Charaktere eine freundschaftliche oder eine romantische Beziehung haben.

Noch ein Grund, weshalb ich kein Fan von Canon-Romanzen zwischen Hauptcharakteren bin: Wenn Charaktere einmal so eine Beziehung eingehen, muss die ja unweigerlich für nerviges canon Drama herhalten und das kann ich gar nicht ausstehen.
Leider ja. Ich hab' natürlich auch schon die ein oder andere Serie gesehen, bei der es auf eine Romanze zwischen den Hauptpersonen hinauslief und selbst wenn ich das begeistert mitverfolgt habe, hat das Ergebnis sehr oft enttäuscht. Ich müsste länger nachdenken, ob mir ein Fall einfällt, bei dem das funktioniert hat - im Sinn von: Die Serie und die Beziehung ist spannend geblieben, ohne dass die Macher*innen sofort auf Beziehungsstreß zurückgreifen mußten.

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